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Vergessene Werke

Des Teufels Reise durch einen Teil des Protestantismus 07

Des Teufels Reise durch einen Teil des Protestantismus
Aufzeichnungen einer hochgestellten Person
Verlag von Wilhelm Jurany. Leipzig. 1847

Unterredung mit seinem Sohn

H. betrat den Raum, verbeugte sich demütig, war blass im Gesicht, hatte abgezehrte Züge und seine sonst schönen Augen waren trübe.

Satanas erhob sich ehrwürdig von seinem Sofa, ging H. einige Schritte entgegen, reichte ihm freundschaftlich die Hand, welche jener in kindlicher Dankbarkeit küsste. »Mein Sohn, wie siehst du aus? Ich erkenne dich kaum wieder. Dein Aussehen macht mir Sorgen und verdoppelt meine Liebe zu dir. Sind es deine Studien, die dich so mitgenommen haben? Lass das Hebräische und widme dich nur deiner Zeitschrift. Oder hast du familiäre Probleme mit Frau und Kindern? Ich erschrecke bei deinem Anblick! Was fehlt dir? In finanzieller Hinsicht kannst du ja nicht klagen. Sprich, mein Sohn, und mache ein Ende meinen großen Befürchtungen um dich und Weiterlesen

Der lustige Kirmesbruder – Teil 9

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat

Achte Kirmes

Wie der lustige Kirmesbruder mit den herrschaftlichen Leuten, dem Hofmeister und dem Kammermädchen in Gesellschaft kommt und eine gute Rolle spielt

In Osteriz war es Sitte, dass die Herrschaft ihren Dienstleuten die Kirmes beim Hofmeister auf dem anderen Gut ausrichtete. Dabei musste der Hofmeister stets mit dem Kammermädchen anwesend sein, damit es ordentlich zuging und jeglicher Unfug verhindert wurde. Diese Kirmes besuchte ich ebenfalls und erlebte dort manche lustige Stunde. Der Hofmeister und das Kammermädchen waren außerordentlich gut gelaunt und nirgends ging es toller zu als hier. Von dem klugen Hofmeister habe ich dabei viele Kunst- und Handgriffe gelernt, die mir einiges begreiflich machen, nämlich, wie es wohl kommt, dass die Junker so schön und so artig mit Weiterlesen

Das Marktg’schlärf von Wolfratshausen …

Das Marktg’schlärf von Wolfratshausen, der Raub- und Mordritter Judas von Teufelsnest und der fromme Pilger und heilige Märtyrer Konrad Nantovin
Eine höchst schauerliche Ritter-, Räuber-, Mörder- und Gespenstergeschichte aus dem 13. Jahrhundert
Altötting, ca. 1860

Die Todesqualen der Tortur

In den Abendstunden eines Montags war die große Zechstube des Wirtshauses Zum feurigen Lindwurm in Wolfratshausen gefüllt mit Schmiede- und Schlossergesellen, Floßknechten, Zimmerleuten und vielen Arbeitern anderer Gewerke. Auch einige Diener aus dem herzoglichen Schloss auf dem Berg befanden sich unter ihnen. Sie wurden von den anderen mit misstrauischen Blicken bedacht, da sie sie für Spione des verhassten Ganterus hielten, eines ungerechten, grausamen und habsüchtigen Richters der Grafschaft Wolfratshausen – und das zu Recht. Er wurde so sehr gefürchtet, dass niemand in jenem Wirtshaus einkehrte, sobald er als Gast darin saß. Wäre Ganterus nun plötzlich in den vollen Raum getreten, so wären ganz gewiss alle Anwesenden, mit Ausnahme der herzoglichen Diener und einiger augendienerischer Anhänger, sofort und ohne auszutrinken fortgegangen, Weiterlesen

Die Virginier Erster Band – 11. Kapitel

William Makepeace Thackeray
Die Virginier
Erster Band
Wurzen, Verlags-Kontor, 1858
11. Kapitel

In welchem sich die beiden Georges zum Blutvergießen rüsten

Der Oberst weilte in einer Kammer der Schenke und war mit trüben Vorbereitungen für das bevorstehende Treffen beschäftigt. Sein Gegner im anderen Zimmer dachte ebenfalls daran, seine letztwilligen Verfügungen zu treffen, und diktierte einem gehorsamen Bruder und Sekretär einen hochtrabenden Brief an seine Mutter, von der er in diesem Schreiben feierlich Abschied nahm. Sie würde, so glaubte er, den Plan, den sie im Auge hatte, nach dem Ereignis dieses Morgens kaum weiterverfolgen, wenn er fallen sollte, was wahrscheinlich war.

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Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 15

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie Virgilius starb

Da Virgilius in seinem Leben bereits viele wunderbare und künstliche Dinge vollbracht hatte, versprach er dem Kaiser, noch viel größere und wunderbarere Dinge zu vollbringen, falls er so glücklich sein sollte, am Leben zu bleiben. So wollte er unter anderem erreichen, dass die Fruchtbäume und das Getreide dreimal im Jahr tragen, dass jeder Baum zur gleichen Zeit reife Früchte und Blüten haben sollte, dass Schiffe ebenso leicht und jederzeit gegen den Strom wie mit dem Strom segeln können sollten, dass man einen Pfennig ebenso leicht verdienen wie ausgeben könnte, dass Frauen ihre Kinder ohne Schmerzen zur Welt bringen könnten und vieles andere mehr, was hier zu weit führen würde, wenn man es einzeln aufzählen wollte.

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