Deutsche Märchen und Sagen 36
Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
36. Ich liege im Säckelchen.
Es war einmal ein Mädchen, das hatte ein kleines Kreuzbildchen, welches es oft küsste. Einmal tat es dasselbe in ein Säckelchen und legte es in das Stroh seines Bettchens. Morgens hatte es aber vergessen, wo es mit dem Kreuzchen geblieben war. Es suchte und suchte und konnte es nicht finden. Da ging es in die Kirche an den Altar, worauf ein großes Kreuz stand, und bat das, es möchte ihm doch sein kleines Kreuzchen wiedergeben. Dabei weinte es, dass es ein steinernes Herz hätte erbarmen mögen.
Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 42
Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845
42. Wie sich Rübezahl ein musikalisches Vergnügen macht.
Vor Alters war es etwas Gewöhnliches, dass man wilde Tiere zu sehen bekam, ohne dass man es wollte. Heutzutage kann man sie aber nur sehen, wenn man will, seit sie im lieben deutschen Vaterland fast ganz ausgerottet sind. Indessen bringen schon seit mehr als 100 Jahren bisweilen Wälsche und Polen dahin Bären, die sie erst tanzen gelehrt haben und die mancherlei Kunststücke machen. Ist aber seit einiger Zeit fast außer Weiterlesen
Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 41
Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845
41. Wie Rübezahl endlich begraben wird.
Es war ein herrlicher Sommertag gewesen. Rübezahl hatte ihn einmal genossen und sich auf dem Hochgebirge einen Spaziergang gemacht. Nun prangten gerade die Natur in ihrem Nachtfeierkleid, denn der Mond strahlte sein Silberlicht auf die Erde hernieder vom heiteren Nachthimmel, an dem nur einige leichte Wölkchen hinschwebten. Die Nacht war so ruhig und still, dass man das Gebell der Hunde aus den Dörfern heraufschallen hörte. Plötzlich Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 35
Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
35. Die Schlange am Hals
Es war einmal eine Mutter, die hatte ihrem Sohn all ihre Güter übergeben, dachte, er wäre fromm und brav und würde wohl mit ihr handeln. Ja, man soll sich aber nicht eher austun, bis man schlafen geht. Als der Sohn alles hatte, nahm er sich eine Frau und da konnte die arme Mutter laufen. Einmal saß er mit seiner Frau am Tisch und hatte ein gebratenes Hühnchen vor sich stehen, da klopfte die Mutter an der Tür.
Da rief er schnell seinen Knecht und sprach: »Setz das Huhn in die Kiste da, bis die Alte weg ist.«
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Deutsche Märchen und Sagen 34
Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
34. Die Kröte
Ein Bauer ging einmal zu Felde, um trockenen Burzeldorn von den Äckern zu holen. Indem er aber so arbeitete, traf er mit seiner Gabel eine große Kröte, die unter dem Burzeldorn lag. Die setzte sich alsbald auf ihre Hinterbeine und spie ihn an, als wollte sie sich mit ihm messen. Er aber nicht faul, nahm ein groß Stück Holz, schlug den Wurm, dass er tot hinfiel und ging dann ruhig nach Hause. Unterwegs schaute er einmal um und, richtig, da war dieselbe Kröte wieder hinter ihm. Da schlug er sie noch einmal tot, verbrannte sie noch dazu und dachte: Nun Weiterlesen
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