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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 45

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

45. Wie Rübezahl ein paar Wanderer zum Besten hat.

Es ist zwar eine alte gemeine Redensart schon aus der Schrift her: »Es gibt nichts Neues unter der Sonne«, aber es passt doch nicht überall. Denn es wird so viel Neues erfunden und ausgeheckt, dass sich die Altvorderen überschlügen, wenn sie das einmal sehen sollten. So haben die Menschen auch hier zu Lande Gläser erdacht, in welchen man deutlich den Wein sieht. Und will man dann trinken, so hat man doch nichts. In diesem Stück hat man also auch dem Rübezahl nun den Rang abgelaufen, der das folgende Stücklein nicht mehr allein machte.

Als einmal ein paar Messerschmiede übers Gebirge hinein ins Meißnerland reisten, so wandelte sie Hunger und Durst an. Sie sahen sich nach einer Einkehr um. Da sie aber weit und breit kein Häuslein sahen, setzten sie sich auf einen Hügel nieder und zogen aus ihren Schnapssäcken ein jeder ein Stücklein Brot hervor. Aber freilich, fast wäre ihnen über dem mühsamen Steigen auf das Gebirge hinauf ein Trunk lieber gewesen. Indem sie das dachten, wurden sie eines Mannes gewahr, der mit zwei Krüglein in den Händen den Weg daherkam. Die Wanderer fragten ihn, was er Gutes da trüge.

Er antwortet: »Wein.«

Hierauf fragten sie weiter, ob er denselben verkaufe.

Und der Mann sagte: »Ja. Aber«, setzte er hinzu, »nur wenn ihr die Krüge beide nehmt, denn so ich ein Krüglein allein verkaufe, lohnt es mit dem anderen nicht des weiteren Ganges.«

Die Wanderer behielten also beide Krüge und setzten zum Trinken an. Der Mann aber ging nach empfangener Bezahlung seines Weges weiter.

Er war kaum ihren Augen entschwunden, so sah einer den anderen schon an und fragte: »Bruder, wie hat dir der Wein geschmeckt?«

Der schaute sich erst schüchtern um, dann sagte er: »Wenn ich es nicht gewiss wüsste, dass ich getrunken habe, so dächte ich, ich hätte nicht getrunken.«

»Es ist mir ebenso«, versetzte der andere, »getrunken habe ich auch, aber es war gar nicht nass.«

»Ja«, fiel der Erstere wieder ein, »und geschmeckt hat es auch nach nichts.«

»Nach gar nichts«, bejahte der Zweite und meinte noch, es sei doch kurios.

Je mehr sie nun über die Sache nachdachten, desto mehr kam es ihnen vor, als ob sie gefoppt worden wären. Endlich sagt einer gar, er wolle dem Mann nacheilen und sich sein Geld wiedergeben lassen.

Gesagt, getan. Er rannte dem Mann nach, bis er ihn vor sich hingehen sah, und rief ihn mit lauter Stimme. Der Mann aber hörte nicht, so viel er auch schrie, und verschwand endlich gar hinter einer Bergecke. Die armen Teufel hatten also ihr Geld vergeblich aufgewendet. Es war nicht fein vom Rübezahl, dass er die Leute darum gebracht hatte, und verdient deshalb einen ernsten Verweis.

Nun, heutzutage macht es ihm der Kräuterklauber auch nach und kann jedem, der ihm begegnet, mit seinem Weinglas, so er in der Schreiberhauer Glashütte gekauft und etwas Wein oder gar gefärbtes Wasser hineingegossen hat, das Maul wässrig machen und doch nichts geben, wie es ihm in der Hütte selbst ergangen, wo es ihm auch war, als hätte er nicht getrunken. In dem Stück kann er den Rübezahl machen, so gut wie er selbst.

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