Archiv

Phänomene und Legenden

Aus dem Wigwam – Manitoba

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Manitoba

er See Manitoba, der der neuen aus dem Red River-Gebiet geschaffenen Provinz den Namen lieh, verdankt selbst seinen Namen einer kleinen Insel, aus der in der Stille der Nacht eine für die Indianer geheimnisvolle Stimme erklingt.

Die seltsame Erscheinung füllt das Gemüt der dort hausenden Chippeway mit einer gewissen ehrfurchtsvollen Scheu, sodass sie der Insel weder sich nähern noch darauf landen, in dem Glauben, dass der Ort heilig sei als die Wohnung des Manitoba – des sprechenden Gottes. Die Stimme des sprechenden Gottes rührt übrigens von dem Wellenschlag gegen den aus großen Kieselsteinen geformten Ufersaum her. An der Nordküste der Insel zieht sich ein niederes Riff von feinkörnigem dichtem Kalkstein hin, der unter dem Schlag des Hammers wie Stahl ertönt. Die durch den Weiterlesen →

Hannikel – 3. Teil

Christian Friedrich Wittich
Hannikel
oder die Räuber- und Mörderbande, welche in Sulz am Neckar in Verhaft genommen und daselbst am 17. Juli 1787 daselbst justifiziert wurde
Verlag Jacob Friderich Heerbrandt, Tübingen, 1787

Hannikel und seine Brüder Geuder und Wenzel kamen auch wirklich so weit abwegs, dass sie zuletzt Ungesittetheit und Rohheit vor Schnellkraft und Geistesstärke, Tücke für feine Klugheit, und das Bewusstsein, Böses getan zu haben, für edles Selbstgefühl hielten.

Sollte nun wohl der geneigte Leser, der vorläufig schon Hannikel und seinen Brüdern das Wiedervergeltungsrecht Weiterlesen →

Elbsagen 57

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

57. Friedrich der Weise und sein Bruder werden aus großer Lebensgefahr gerettet.

Einst fuhren die beiden sächsischen Fürsten, der Kurfürst Friedrich der Weise und sein Bruder, Herzog Johann, von Torgau auf der Elbe in einem Schifflein, kurz nachdem das Eis gebrochen war und während große Eisschollen gegen das Fahrzeug anrannte, nach Wittenberg. Wie sie nun dort an dem Wassergraben, der neben dem Schloss ist, anlangten und dort aus dem Schiff stiegen, da zerbrach es in mehrere Teile und zerschellte. Die Fürsten aber Weiterlesen →

Aus dem Wigwam – Die alte Eule

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Die alte Eule

in junger Delaware, der sich lange Zeit in den Jagdgründen aufgehalten hatte, ohne etwas Nennenswertes geschossen zu haben, fing zuletzt eine Eule, die in einer hohlen Eiche wohnte. Da das Wild damals überall selten war, so beschloss er, sie zu töten und seiner Liebsten zu bringen, die seit mehreren Tagen kein Fleisch gesehen hatte. Er band sie also an dem rechten Bein an einen Ast und schliff sein Messer auf einem Sandstein, der in der Nähe lag. Die Eule sah ihm mit großen Augen zu und fragte ihn, was er tue. Der junge Indianer, der nicht gewohnt war, zu lügen, antwortete, er mache sich fertig, ihr den Kopf abzuschneiden.

»Was!«, rief die listige Eule, »wie wird es meiner alten Frau, meinen großen Töchtern und unmündigen Kindern Weiterlesen →

Bisonjäger Teil 4

Das soziale Leben

Im ganzen Gebiet der Bisonjäger galt die Familie, d. h. ein Mann mit seiner Frau oder seinen Frauen und den aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kindern, als kleinste soziale Gruppe. In einer Kultur, in der viele Männer auf der Jagd und in Kriegszügen ausfielen, war Vielweiberei keine Seltenheit.

Diese beschränkte sich allerdings meistens auf die wirtschaftlich besser gestellte Schicht, wogegen der gewöhnliche Mann sich mit einer Frau zufriedengab.
Weiterlesen →