Archiv

Phänomene und Legenden

Oberhessisches Sagenbuch Teil 124

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Wunder am Karfreitag

In Sichenhausen, so erzählte einmal mein Ellerknänn, ist eine Frau gewesen, der war Sonntag wie Werktag und Werktag wie Sonntag. Darum machte die sich auch keine Gedanken darüber, am heiligen Karfreitag ihre Hulle (oder Kopfhaube) zurecht zu machen, zu waschen und zu stärken, um damit auf Ostern Hoffart zu treiben und in der Kirche zu prachtieren. Aber an so einem hehren Tag soll man sich nicht versündigen, das wies ihr unser Herrgott durch ein großes Wunder. Denn als sie eben die gewaschene Hulle in das blaue Stärkewasser eintauchte, siehe da, Weiterlesen

Aus dem Wigwam – Der Fluss der närrischen Frau

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Zwanzig Sagen
Mitgeteilt von Kah-ge-ga-gah-bowh

Der Fluss der närrischen Frau

or vielen Jahren kam ein weißer Mann in das Land der Crow und tauschte die Büffelfelle derselben gegen Farben, Bänder und Perlen ein. Er war sehr reich, denn er hatte einen großen Vorrat an Dingen, die den Indianern gefielen. Seine Hütte stand am Großen Bartfluss; derselbe wurde wegen des hohen Grases an seinen Ufern damals so genannt; späterhin aber hieß man ihn allgemein den Fluss der närrischen Frau.

Als der Händler alle Felle eingetauscht hatte, verließ er das Lager der Indianer und sagte, er würde nach einigen Monaten wiederkommen.

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Aus dem Wigwam – Das Sturmkind

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Zwanzig Sagen
Mitgeteilt von Kah-ge-ga-gah-bowh

Das Sturmkind

ie Herbstjagd der Crow war sehr erfolglos gewesen und der Winter stand mit seinen Schrecken vor der Tür. Nun kam eines Tages ein Jäger in das Dorf und teilte die freudige Nachricht mit, dass er einen Platz gefunden habe, wo es noch zahlreiches Wild gebe. Augenblicklich brach das ganze Dorf auf und fand den Bericht des Jägers bestätigt.

Als sie sich nun auf die Rückreise vorbereiteten, wurden sie von einem schrecklichen Gewitter überrascht. Zwei große Arme, die aus einer raben­schwarzen Wolke ragten, schienen etwas auf einen Berg zu legen. Sobald sich der Himmel wieder aufgeklärt hatte, gingen einige an die betreffende Stelle und fanden daselbst ein junges Kind von grasgrüner Farbe. Sie riefen nun gleich einige Squaws herbei, aber da keine von ihnen den Mut hatte, es anzurühren, so erbarmte Weiterlesen

Oberhessisches Sagenbuch Teil 123

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Strafe in der Heiligen Nacht

Wie anderwärts ist auch im ganzen Vogelsberg der Glaube verbreitet, dass in der Nacht der Allerheiligsten Geburt des ewigen Sohnes Gottes alles Wasser auf Erden in Wein verwandelt sei, wunderbarer Weise, wenn man auf den Glockenschlag zwölf dem fließenden Wasser nach schweigend aus dem Born schöpft.

Nun war ein frecher böser Bube in einem Dorf, der glaubte an nichts und wollte die Leute verhöhnen. Deshalb legte er sich um jene Stunde mit seinem Leib quer über den Born und rief: »Jetzt ist alles Wasser geworden zu Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 25

Sagen-der-mittleren-Werra

Vom Stahlberg bei Seligenthal

Einige Bergleute von Seligenthal hatten sich zusammengetan, um auf dem Stahlberg eine Grube auf Eisenstein anzulegen. Sie waren aber unglücklich und verloren durch das Unternehmen nach und nach ihr ganzes Vermögen. Da glaubte einer von ihnen, noch ein Kleidungsstück entbehren zu können, schlug es los und kaufte einige Talglichter dafür.
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