Deutsche Märchen und Sagen 173
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
228. Geist verfolgt
In Konstanz wohnte ein Buchdrucker und in dessen Haus war es nicht geheuer. Zu einer Zeit hörte man in einer Ecke der Druckerei wie schwere Seufzer. Die Druckergesellen lachten darüber, aber nicht für lange, denn es blieb bald nicht mehr bei dem Seufzen. Sie hörten wiederholt starke Schläge an die Mauer jener Ecke. Gesellen und Lehrburschen erhielten Ohrfeigen von unsichtbarer Hand und ihre Mützen und Hüte wurden zur Erde geworfen. Der Herr des Hauses ging endlich zu den Kapuzinern und die kamen und beschworen den Geist, der auch drei Tage lang sich ruhig verhielt. Am vierten begann er aber sein Treiben noch ärger denn früher, er warf selbst die Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 27

Der Lietzensee und allerhand Spuk in Charlottenburg
Der Lietzensee, der übrigens früher ein schöner Waldsee war, wie der Grunewalder, ist grundlos, das hat auch Herr von Witzleben gemerkt, der hat in demselben nämlich eine Insel anlegen wollen, aber so viel er auch Schutt und Erde hat hineinwerfen lassen, er hat doch keinen Grund bekommen. Früher erzählten sie immer, es sollte einmal ein Dorf in ihm versunken sein. Einige meinen geradezu, das alte Dorf Lietzow solle dort untergegangen sein, es sei auch dort noch alles eigentlich Lietzower Feldmark, die Charlottenburger hätten sich da nur so angebaut. Manchmal sollen auch in alter Zeit die Fischer Weiterlesen
Die wundersamen Märlein vom Berggeist Rübezahl – 12. Kapitel
Heinrich Döring
Die wundersamen Märlein vom Berggeist Rübezahl
Verlag C. F. Schmidt, Leipzig, ca. 1840
Zwölftes Kapitel
Wie es dem Glashändler Hans erging auf der Riesenkoppe und wie er aus einem armen Mann ein reicher wurde
Es begab sich aber, dass Rübezahl, lange umhergespäht nach dem Glashändler Hans, den sein Weg, wie er wusste, über die Riesenkoppe führte, ihn einherschreiten sah, gar lustig und guter Dinge, einen Kasten auf dem Rücken, voll der schönsten Tafeln böhmischen Glases, die er um einen gar billigen Preis gekauft hatte. Die Sonne brannte sehr, und erschöpft setzte er seinen Kasten auf einen Baumstamm und warf sich hin auf den Rasen, die müden Glieder behaglich ausstreckend. Als er nun so dalag, seinen vorteilhaften Einkauf überdachte Weiterlesen
Sagen der mittleren Werra 55
Vom Burgberg bei Brotterode
Dicht über dem unteren Teil von Brotterode, wo heute das Badehaus steht, erhebt sich der Burgberg, der besonders an seiner Südseite steile Felsenhänge hat. Auf dem Berg stand die Brunosburg, von der heute kaum noch einige Spuren sichtbar sind. Sie soll von einem Grafen Namens Bruno erbaut worden sein.
1. Auf der Brunosburg herrschte einmal eine sehr stolze und heftige Gräfin, der es ihr Gesinde nicht leicht recht machen konnte. So hatte sie eine Magd, welcher bloß das Amt oblag, der schönen Herrin das üppige goldene Haar zu strählen. Dieser war von einer gütigen Fee die Erfüllung dreier Wünsche zugesagt worden.
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Deutsche Märchen und Sagen 172
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
227. Kind im Keller
Am 11. Juli des Jahres 1646 fiel ein dreijähriges Kind zu Freiburg durch ein Kellerloch in den Keller des Stadtgefängnisses. Mit sehr großer Betrübnis suchten die Eltern drei Tage lang, doch nirgends war das Kind zu finden; kein Mensch hatte es gesehen. Am 15. endlich wurde ein Soldat, der sich gegen die Hauptwache zur Wehr gesetzt und dabei einen Offizier verwundet hatte, zum Gefängnis gebracht. Die, welche ihn bewachten, hörten des Nachts die Stimme eines Kindes, nicht weinen oder klagen, sondern nur »Vater!« rufen und um etwas zu trinken bitten. Zur Stunde öffnete man den Keller, aus dem die Stimme drang und der seit langer Zeit zugemauert war. Man fand das Weiterlesen

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