Archiv

Mythen & Wirklichkeiten

Hannikel – 8. Teil

Christian Friedrich Wittich
Hannikel
oder die Räuber- und Mörderbande, welche in Sulz am Neckar in Verhaft genommen und daselbst am 17. Juli 1787 justifiziert wurde
Verlag Jacob Friderich Heerbrandt, Tübingen, 1787

Weil nun Hannikel und Wenzel in dem Verhör über den von ihnen verübten und eingestandenen Mittelbronner Einbruch und Diebstahl, jener sieben Bürger, als der nach einem Schreiben aus Pfalzburg angegebenen Mitschuldigen und bereits auf das bloß Angeben der Juden unverantwortlich verurteilten mit keiner Silbe gedacht und solche allem Ansehen nach ganz unschuldig justiziert worden waren, so fand man durch Veranlassen des im Ludwigsburger Zuchthaus befindlichen Gauners Schinder-Peterle für nötig, Hannikel und seinen Bruder Wenzel Weiterlesen →

Aus dem Wigwam – Awaschank

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Awaschank

ine faulere und hässlichere Jungfrau als Awaschank gab es sicherlich nicht auf der ganzen Erde. Sie schielte mit beiden Augen und ihre Nase war so lang und dünn, dass sie wie ein in das Gesicht gesteckter Stock aussah. Ihre Zähne standen weit aus dem schief geschnittenen Mund hervor und ihre Ohren waren so lang, dass sie ihr bis auf die Schultern hingen. Ihre Arme waren nichts als fleischlose Knochen und ihre Beine waren so krumm wie ein straff gespannter Bogen. Wo sie sich nur sehen ließ, wurde sie ausgelacht und verhöhnt. Aber eine Eigenschaft hatte sie, in der ihr niemand gleichkam: Sie konnte außerordentlich schön singen.

Oft saß sie tagelang auf ihrem Lieblingsplatz, einem kleinen Hügel im Wald, und sang. Ihre liebliche Stimme hallte so Weiterlesen →

Elbsagen 68

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

69. Der heilige Norbert und die weiße Kutsche

Der heilige Norbert, der dreizehnte unter den Erzbischöfen zu Magdeburg, war in seiner Jugend ein leichtsinniger Mensch. Er war in der Nähe des Niederrheins geboren und lebte dort in Saus und Braus, bis ihn einst, als er gerade von einem Zechgelage kam, ein Donnerschlag vom Pferd stürzte. Über eine Stunde lang lag er bewusstlos am Boden, da rief ihn eine Stimme aus der Wetterwolke an und ermahnte ihn, sich zu bessern. Er wachte auf, Weiterlesen →

Aus dem Wigwam – Der Feuergeist

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Der Feuergeist

ls einst die Nansemond mit den Erie Krieg führten, sahen sie sich unverhofft in einem Engpass gefangen. Auf beiden Seiten waren unübersteigbare Berge. Vor ihnen lag ein See und hinter ihnen befanden sich die blutdürstigen Feinde. Da die Nansemond sonst allgemein als schlaue und verschmitzte Krieger bekannt waren, so wird es wohl manchem unerklärbar er­scheinen, dass sie sich in diese Falle locken ließen; aber sie waren einigermaßen dadurch zu entschuldigen, dass es ein mächtiger Manitu, nämlich der Geist des Feuers, gewesen war, der ihnen diesen Streich gespielt hatte.

Kurz nach Anbruch der Nacht hatten sie einen großen Feuerball vor sich gesehen. Da sie ihn für den Wegweiser Weiterlesen →

Elbsagen 67

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

68. Bischof Odo zu Magdeburg

Zu Magdeburg ging ein Knabe, namens Odo, in die Schule. Dem wurde das Lernen sehr schwer, und alle Strenge seiner Lehrer blieb ohne Früchte. Als er nun einst seiner Unwissenheit wegen in der Schule geschlagen wurde, ging er in die Kirche des heiligen Mauritius, betete voll Andacht zu dem Heiligen und zur Jungfrau Maria, sie möchten ihm einen helleren Verstand verleihen. Über dem Gebet entschlief er, und die Jungfrau erschien ihm im Weiterlesen →