Der Weg ins Unendliche
Eine lange Straße erstreckte sich vor meinen Füßen. Der Asphalt fühlte sich weder kalt noch warm an. Selbst die Luft schien weder Kälte noch Wärme zu besitzen. Am Straßenrand war nicht ein Grashalm, geschweige denn ein kleiner Baum zu sehen. Nur eine endlose Sandlandschaft, die durch diese eine Straße gespalten wurde. Es erinnerte mich ein bisschen an eine Wüste, in der man bei jedem Schritt auf einen Tropfen Wasser hoffte. Doch hier verspürte ich weder Erschöpfung, noch Hunger oder Durst. Ich schaute in den wolkenlosen Himmel. Keine Sonne, die mich blendete, kein Mond, der wie ein wachendes Auge auf mich herunter blickte. Ich lauschte in die einsame Stille, doch alles, was ich vernahm, waren die Stimmen, die in meinem Kopf umherschwirrten. Sie sagten mir, ich solle weiter die Straße Weiterlesen
Geisternächte
Die Glöckchen klirrten hell in der Nacht, als Spin, keinen Steinwurf von uns entfernt, endlich auftauchte und – um seine Ankunft zu bekunden – einen Salto in der Luft schlug. Als er wieder landete, versanken seine Füße in den spitzen langen Schuhen bis über die Waden im frischen spurlosen Schnee. Sein Grinsen schien noch blöder als sonst.
»Dann wären wir wohl vollzählig«, ließ sich Ignatius vernehmen.
Wir – das war eine Ansammlung von dreizehn Gestalten, deren Gesichter so bleich waren wie der kürzlich gefallene Schnee. Die Aufmerksamkeit aller war nun auf Spin gerichtet: Sein Weiterlesen
Bloody Piano
Eine Amsel auf dem Dach sang ihre Regenballade, und das Sirren und Summen der Insekten in der sommerlichen Luft verabschiedete den Tag. Die ersten kühlen Schatten des hereinbrechenden Abends krochen durch die offenen Fensterflügel in den edel eingerichteten Wohnraum. Transparente Organzavorhänge wehten in der leichten Brise. Große, mit Blumen befüllte Vasen schmückten das holzgetäfelte Zimmer, dessen Zentrum ein majestätischer, schwarzer Flügel einnahm. Ein Bouquet roter Rosen zierte den glänzenden Lack und bildete einen lebendigen Kontrast zu dem kalten Schwarz.
Wie jeden Tag um 18 Uhr wurde Alicia Morraine von der Haushälterin Katharina in das Musikzimmer gebracht. Ihre schlanken Finger brachten die weißen und schwarzen Tasten Weiterlesen
Rot und vorbei
Vorbei.
Bis vor wenigen Wochen verlief ihr Leben in geordneten Bahnen, doch nun war es vorbei. Obwohl sie es gehasst hatte, als sie noch Teil des täglichen Trotts war, sehnte sie ihn nun herbei.
Jeden Morgen der gleiche Ablauf; Wecker klingeln, Morgendusche, Zähneputzen, Kaffee kochen, Frisieren, Ankleiden, Kaffee trinken und dann fast in Panik geraten, dass man den Morgenbus verpasst.
Im Bus dann das übliche Geplänkel, die Morgennachrichten, Tipps zur Kindererziehung oder Kochvorschläge wurden ausgetauscht. Aussteigen, Stechkarte herauskramen und los ging Weiterlesen
Das Treffen
Das Schneetreiben wurde immer dichter. Berta und Kurt Siebrecht stapften mit den Füßen auf und klopften sich den Schnee von den Jacken. Schon die paar Meter vom Parkplatz hoch zu der einsam gelegenen Skihütte hatten gereicht, sie gänzlich mit der pulvrigen, weißen Masse zu bedecken. Sie betraten den kleinen Windfang, der nur durch eine Schiebetür von dem großen Wohnraum abgetrennt war. Der Durchgang war offen. Im Kamin am anderen Ende des Zimmers brannte bereits ein gemütliches Feuer. Aus der angrenzenden Küche drangen das Klappern von Besteck und das Klirren von Gläsern. Carolin, Bertas Schwester, war also schon hier. Die beiden Neuankömmlinge zogen ihre schweren Jacken, die Stiefel und die Handschuhe aus, um die Garderobe damit zu bestücken.

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