Major Gripps letzter Bericht
Oktober 1865. Mein Name ist Major Benjamin Gribb. Ich weiß, dass ich bald sterben werde. Aus diesem Grunde halte ich es für meine letzte Pflicht, einen Bericht über die Ereignisse abzufassen, die dazu geführt haben, dass Mr. Quint und ich an diesen sonderbaren, ja unerklärlichen Ort gelangten. Ich glaube nicht, dass es uns je gelingen wird, von hier wieder wegzukommen. Vielleicht findet jedoch eines Tages jemand einen Weg hierher. Demjenigen mögen diese Aufzeichnungen gewidmet sein.
Wir befanden uns auf dem Rückmarsch. Der Krieg, der Bruder gegen Bruder aufeinander hetzte, war endlich vorbei. Am frühen Morgen jenes sonnigen, doch kalten Tages sattelten meine Männer und ich die Pferde, um uns in unsere Heimat zurück zu begeben. Die Zeit des Kämpfens war vorüber. Dennoch lagen auf den Schlachtfeldern noch immer die Leichen unzähliger Weiterlesen
Rübezahl – Moderne Geschichten 1
Der Holzlaster im Riesengebirge
»Radio LFZ mit dem Verkehrsservice: Auf deutscher Seite ist alles frei, aber wir haben noch eine Meldung aus Tschechien. Bei Liberec ist die E 442 nach einem Unfall voll gesperrt. Da ist ein Tanklaster umgekippt und Diesel läuft aus. Die Strecke wird wahrscheinlich noch bis in die frühen Morgenstunden dicht sein. Auch die Nebenstrecken laufen langsam zu. Wer sich auskennt, sollte das Gebiet weiträumig umfahren oder sein Navi nutzen.«
Das Piepen kam und die CD mit Springsteen dröhnte wieder aus den Lautsprechern in der Volvo-Kabine.
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Die Stadt der lebenden Toten
»Sie sind überall«, flüsterte David seinem Freund Chris zu, der neben ihm in den Büschen des riesigen Parkgeländes kauerte und kaum zu atmen wagte.
Durch die Blätter und Zweige konnten sie beobachten, wie an diesem herrlichen Sommernachmittag Hunderte von Menschen wie seelenlose Puppen im strahlenden Licht der Sonne über die gepflegten Beete und Rasenflächen des Frankfurter Stadtparks wankten und sich mit starren, leblosen Augen und fahlen, bläulichen Gesichtern ziellos voranbewegten.
Chris´ Stimme zitterte. »Mein Gott. Ich glaube, dass es ein Fehler war, von Zuhause abzuhauen. Es sind schon zu viele von denen, und es werden immer mehr.«
»Im Radio haben sie aber ausdrücklich gesagt, dass wir auf gar keinen Fall in unseren Weiterlesen
Das Spiel der Schatten
Andy Perkins lief einen langen Eisenbahnschacht entlang. Er konnte seine Schritte in diesen monströsen, kalten Gängen widerhallen hören. Er war auf der Suche nach etwas – doch er wusste nicht genau, was es war. Die Gänge schienen kein Ende nehmen zu wollen, schienen ihm zu sagen, dass er weiterlaufen sollte. Doch wohin würde er laufen? Existierten diese Eisenbahnschienen überhaupt, oder bildete er sich das alles nur ein?
Perkins kam schließlich schweren Atems zu einer Biegung, die sich in zwei weitere Wege aufteilte. Doch nirgendwo befand sich ein Schild, welches ihm gesagt hätte, welchen Weg er Weiterlesen
Der Spiegel
Hätte Marc geahnt, was hier im Verborgenen lauerte, hätte er das verlockende Angebot mit Sicherheit ausgeschlagen.
Nun hing er mit der rechten Hand in etwas fest, was auf den ersten Blick wie ein Spiegel ausgesehen hatte. Ein antiker Spiegel, dem schweren Rahmen aus Ebenholz nach. Die gläserne Fläche, oder was auch immer es sonst war, hatte eine ovale Form, war etwa zwei Meter hoch und achtzig Zentimeter breit. Ein wolkiger Schleier lag auf dem Glas, was den jungen Mann veranlasst hatte, mit seinem Fensterleder einen Versuch zu unternehmen, einen makellosen Glanz herzustellen. So wie er die Fläche berührte, tauchte seine Hand in selbige ein und hing seitdem fest, wie genietet.
Das war nun schon eine halbe Stunde her. In den ersten Minuten kroch Marc Panik an, dann gewann Neugier die Oberhand. Der Weiterlesen



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