Windnacht
Es regnete.
Es regnete in Strömen.
Es floss aus den dunklen Wolken, die die frühe Dämmerung bis fast in die Mittagszeit vorverlegt hatten und die für niemanden einen Sonnenstrahl durchließen. Es ließ die Straßengullys überlaufen und Weiterlesen
Das verräterische Herz
Warum hält mich jeder für verrückt? Ich weiß, was ich gehört habe. Ich höre es immer noch. Wenn ich versuche zu schlafen, schleicht es sich hinterhältig und erbarmungslos in meinen Kopf. Unmerklich, fast zärtlich, beginnt es zu pulsieren. Doch dann beginnen die Schläge zu wachsen, steigern sich stetig zu einem voluminösen Pochen. Das bringt mich zur Raserei. Ich laufe in meiner Zelle auf und ab und trommle mit den Fäusten gegen die Wände. Die Mauern bleiben unbeeindruckt, meine Hände bluten. Das Pumpen wird lauter, immer lauter und ebenso meine Schreie. Die Tür geht auf! Ich werde von starken Händen gepackt und zu Boden gedrückt. Ein kleiner Stich, und alles um mich herum wird ruhig, so herrlich ruhig.
Ich kann nicht erklären, wann dieser Verdacht in mir entstand. Doch einmal geboren, fraß er sich in meine Gedanken, verbreitete sich wie ein unheilbarer Krebs und quälte mich Tag und Nacht. Meine Frau betrügt mich!
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Das verschneite Dorf
Er saß in der Höhle, um Schutz vor dem Schneesturm und möglichen Beobachtern zu suchen. Die Bewohner der Höhle sind aufgrund seines Auftauchens geflohen, vom kleinen Wurm bis zum mächtigen Bär. Außer ihm war nur eine weiße Schneefledermaus anwesend. Sie und ihre Vorfahren hatten ihm treu gedient. Er wartete mit ihr auf seinen Schatten. Die Fledermaus schlief, während er in die Ferne blickte und vergangene Zeitalter sah.
Einst war er ein grausamer Kriegerkönig gewesen. Er hatte seine Untertanen gefoltert, misshandelt und ausgebeutet. Reichtum und Land konnte er nie genug haben. Auf dem Schlachtfeld war er ein gefürchteter Kämpfer gewesen, der vor keinem Gegner Angst hatte, doch was er fürchtete, war der Tod. Als er aber von einer neuen Rasse hörte, die angeblich unsterblich sei, suchte er die ganze Welt nach ihnen ab. Damals hießen sie noch Vampyre. Schließlich aber fand er sie, die Vampyr-Mutter, den Ursprung seiner Rasse. Er gab ihr sein kostbares Blut und seine Weiterlesen
Der Fackelzug
So sehr der Schmerz auf die Lider drückt,
so sehr mich der Gedanke an das Leben.
Wie lange hatte ich für diese zwei Zeilen schon gebraucht? Ich wusste es nicht, ein Blick zur Uhr, deren Sekundenzeiger mit einem höhnischen Klickeklack von Sekunde zu Sekunde schnellte, wollte oder konnte mir keine Antwort geben.
Mann, reiß dich zusammen! Du bist Schriftsteller! Romane unter 300 Seiten schreibst du gar nicht erst und versagst bei diesen simplen Versen? Herzschmerz und Trauer zum Ausdruck bringen, das sollte doch wohl ein Klacks sein, versuchte ich mich anzufeuern. Doch so sehr Weiterlesen
Zwei Leben, ein Schmerz
Ich weiß, was ich getan habe, und ich weiß, dass es für mich keinen anderen Ausweg gibt.
Ich befinde mich augenblicklich im Angesicht des Momentes der letzten und wichtigsten Entscheidung meines Seins.
Am besten beginne ich mit meiner Erzählung am Anfang. Ich entschied mich für diesen Weg, weil es für mich der einzig Richtige war. Ich wurde von einer Motivation angetrieben, die ich mittlerweile nicht mehr verstehe. Ich wuchs in einer großen Familie als Zweites von drei Kindern auf. Ich war also zu alt, um behütet zu werden, und zu jung, um selbstständig Entscheidungen zu treffen. Ich war auch nie so besonders wie meine Geschwister. Ich hatte Weiterlesen



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