Der silberne Bilderrahmen
I
Es klingelte. Martha Weiser ging zur Haustür und öffnete.
»Guten Tag, Frau Weiser! Mein Name ist Mertes, und dies ist Frau Czerny von der Allgemeinen. Ich selber bin Hauptkommissar bei der hiesigen Polizei. Dürfen wir reinkommen?«
Martha Weiser schaute sich die beiden Leute, die sich gerade vorgestellt hatten, genauer an. Hauptkommissar Mertes war etwa fünfundvierzig Jahre alt, groß, schlank, trug eine Nickelbrille und kurzes angegrautes Haar. Frau Czerny von der Zeitung hatte langes braunes Haar, war mittelgroß, schlank, hatte braune Augen und war höchstens fünfunddreißig Jahre alt.
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Arthur von Schneefels
Die folgende Geschichten handelt von Sorgen und Nöten junger Autoren und davon, wie man nicht damit umgehen sollte. Handlung und Personen sind frei erfunden und jedwede Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder tatsächlichen Handlungen wären purer Zufall und nicht beabsichtigt.
Sie stand auf der Brücke, das Seil lag locker um ihren Hals. Das andere Ende hatte sie schon fest an einem Pfeiler angeknotet und sich mehrfach davon überzeugt, dass der Knoten auch halten würde.
Es war das dritte Mal in ihrem kurzen Leben, dass sie sich in eine Lage hineinmanövriert hatte, aus der sie keinen anderen Ausweg sah, als ihr Leben beenden zu wollen.
Und dabei fing doch alles einmal so gut an.
Francis stand da und verstand nicht, warum sich alles gegen sie gewendet hatte. Wirklich alles! Wie schon die beiden Male zuvor war sie fest davon überzeugt, dass sie selbst keine Schuld traf. Nur der Neid all der Menschen, die ihr den Erfolg missgönnten, war es, der sie seit geraumer Zeit immer wieder in die Verzweiflung trieb. Begonnen hatte alles damit, dass sie Arthur von Schneefels aus ihrer Phantasie entlassen und zu Papier gebracht hatte.
Vor ihrem geistigen Auge liefen in Sekundenschnelle all die Dinge ab, die sie hierher geführt hatten.
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In the Wilderness – Teil 2
In den Morgenstunden des folgenden Tages erreichte die Yellow Stone Kansas, ungefähr 500 Meilen von der Mündung des Missouri entfernt. Hier verließen Heartford und Griffin das Schiff, nahmen ihre Ausrüstung auf und begaben sich zu einem guten alten Bekannten, Colonel Stanford, der bereits sein Blockhaus als Unterkunft für die beiden Männer herrichten ließ. So brauchten sie nicht in einer Taverne die Nacht verbringen und sparten obendrein einige Geldstücke. Mit einem Fuhrwerk brachen Steve und Quincy nach Westport auf, in der Hoffnung, dort Maulesel und Pferde für die bevorstehende Reise beschaffen zu können.
Es war ein bemerkenswert frischer und schöner Maimorgen. Die üppigen Wälder, durch welche ihr Weg führte, wurden von Sonnenstrahlen durchdrungen, und einige Vögel Weiterlesen
Wird es wieder wie früher?
»Wird es wieder so wie früher?«, fragt Daniel.
»Wenn wir uns an den Plan halten«, sage ich, nehme den Speer und marschiere runter ins Dickicht.
Eisiger Wind, der nach Schnee riecht, stürmt durch die Fichten. Die Luft schmeckt jetzt anders, wie aus einer Filtermaschine. Ist so, seit die Soldaten aufgekreuzt sind.
Daniel sieht mich an. Seine Augen leuchten smaragdgrün, voller Spannung.
Ich schätze ihn auf Mitte zwanzig. Seine strohblonden Haare stehen in alle Richtungen ab, als Weiterlesen
In the Wilderness – Teil 1
Mit dem Frühling 1846 begann in St. Louis die Hauptsaison des Jahres. Aus allen Teilen des Landes trafen täglich Auswanderer ein, um sich auf eine Reise nach Oregon und Kalifornien vorzubereiten. Eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Händlern belud ihre Wagen mit notwendigen Ausrüstungsgegenständen und Handelswaren für Santa Fe. Unter den Auswanderern befanden sich gut betuchte und ranghohe Männer, die sich in besonderer Weise mit dem Land Kalifornien verbunden fühlten. Die Hotels der Stadt verfügten über kein einziges freies Zimmer mehr, alle waren schon seit längerer Zeit ausgebucht. Die Büchsenmacher und Sattler hatten jede Menge Arbeiten zu verrichten, um die Wünsche der Reisenden rechtzeitig und zufriedenstellend zu erfüllen. Eine gute Bewaffnung sowie eine solide Ausrüstung waren gefragter denn je. Fast jeden Tag verließen Dampfschiffe den Hafen Weiterlesen

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