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Storys & Lyrik

John Tanner – Das Leben eines Jägers 2

John Tanner
Das Leben eines Jägers
oder
John Tanners Denkwürdigkeiten über seinen 30-jährigen Aufenthalt unter den Indianern Nordamerikas
Erstmals erschienen 1830 in New York, übersetzt von Dr. Karl Andree

Zweites Kapitel

Am anderen Morgen wurde ich zu einem mit Pfahlwerk umgebenen Platz geführt, zu dessen beiden Seiten sich ein baumloses Terrain weithin erstreckte. Dort setzten sich alle Indianer nieder. Die Familie und die Freunde des Alten nahmen auf der einen Seite Platz, die Fremden auf der anderen. Die Freunde hatten Geschenke an Zucker, Mais, anderem Getreide, Tabak und dergleichen mitgebracht. Bald darauf fingen die Indianer, welche mich dorthin geschafft hatten, an Weiterlesen

One shot for Sloan – Teil 2

One shot for Sloan – Eine Kugel für Sloan
Teil 2

Die Sonne stand tief im Westen, als die Reiter ihre Pferde auf dem schmalen Hügelrücken zügelten. Ihre Silhouetten hoben sich drohend gegen den blutroten Abendhimmel ab. Zwei von ihnen hatten ein Gewehr quer vor sich im Sattel liegen, die anderen die Hände um die Griffe ihrer Revolver gelegt. Aus kalten Augen starrten sie in das Tal zu der kleinen Farm aus hellen Adobelehmbauten herunter. Eine feine Rauchsäule stieg aus dem Kamin auf.

Ihr Besitzer, ein untersetzter, rothaariger Ire, stand am Hauklotz auf dem Hof und hackte Holz. Er blickte auf, als er hinter sich das Schnauben und Stampfen der Tiere vernahm. Im Licht der untergehenden Sonne sahen die Reiter aus wie reitende Teufel. Er schlug die Axt in den Klotz, griff mit der Rechten nach dem Gewehr, das daran lehnte, und Weiterlesen

Das Geheimnis des Medizinbeutels – Teil 1

Das Geheimnis des Medizinbeutels – Teil 1
Eine Erzählung von Fr. Daum
Um 1925 erschienen im Verlag von A. Anton & Co. in Leipzig

»Alle Wetter – mit dem eigensinnigen Kerl ist nichts anzufangen, er weigert sich hartnäckig, mir den Inhalt seines Medizinbeutels zu zeigen«, rief der junge Naturforscher James Allan ärgerlich aus, sein Pferd neben das starkknochige Maultier des reckenhaften Trappers lenkend. Ben Gibson, unter dem Kriegsnamen Rifle Ben wegen seiner Schießfertigkeit am nördlichen Missouri bekannt und gefürchtet, lachte lustig über den Eifer des jungen Gelehrten.

»Ich habe Euch ja vorausgesagt, dass es so kommen würde«, meinte er gelassen.

»Zwei Pferde und eine neue Büchse mit der dazugehörenden Munition habe ich ihm dafür geboten – aber der störrische Esel will Weiterlesen

John Tanner – Das Leben eines Jägers 1

John Tanner
Das Leben eines Jägers
oder
John Tanners Denkwürdigkeiten über seinen 30-jährigen Aufenthalt unter den Indianern Nordamerikas
Erstmals erschienen 1830 in New York, übersetzt von Dr. Karl Andree

Erstes Kapitel

Meine früheste Jugenderinnerung, die ich mir noch jetzt deutlich vergegenwärtigen kann, ist der Tod meiner Mutter. Ich war damals erst zwei Jahre alt, allein mehrere Umstände, welche sich zu jener Zeit ereigneten, machten auf mich einen so tiefen Eindruck, dass ich sie nie wieder vergessen habe. Wie der Ort hieß, wo wir wohnten, weiß ich nicht mehr, man hat mir aber gesagt, er habe am Ufer des Kentucky River, weit entfernt vom Ohio gelegen.
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One shot for Sloan – Teil 1

One shot for Sloan – Eine Kugel für Sloan
Teil 1

Die Abenddämmerung senkte sich über Chadron und tauchte den Himmel in eine metallfarbene Front, hinter der das letzte flammende Rotgelb der Sonne verschwand. Nach tagelangem Reiten unter der heißen Sonne Texas’ hoffte Sloan auf ein wenig Abkühlung in der Nacht. Er spürte die Blicke, die sich in seinen Rücken bohrten. Er war genauso staubbedeckt wie sein hochbeiniger Brauner, der müde im Schritt ging, den Kopf gesenkt. Sloan tätschelte den Hals des Pferdes. Er ritt die Mainstreet entlang, genau auf die Menschentraube zu, die mitten auf der Straße stand und sich um einen Verletzten versammelte. Ihm hatte wahrscheinlich der Schuss gegolten, den Sloan vor wenigen Augenblicken gehört hatte.

»Tut mir leid.« Der Mann klappte seine Arzttasche zu und erhob sich.
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