Der Teufel auf Reisen 8
Carl von Kessel
Der Teufel auf Reisen
Erster Band
Ein humoristisch-satirischer Roman aus dem Jahr 1870
Drittes Kapitel – Teil 6
Faust und Gretchen
»Ich bin ruiniert«, murmelte er, »und bei der nächsten Ultimo-Rechnung bleibt mir nichts anderes übrig, als mir eine Kugel in den Kopf zu schießen oder durchzubrennen. Da ich zu dem Ersteren keine Lust habe, so wollen wir es mit Faust und Gretchen versuchen. Vielleicht reicht sie mir dann ihre Hand, oder tritt später die Ernüchterung ein, nun, so muss der so, so geht es so, mein Genie hat mich bisher ja noch nicht verlassen! Verdammt abenteuerlich ist der Plan, aber habe ich es nicht mit einer ebenso exzentrischen Person zu tun und steht mir dabei nicht eine Weiterlesen
John Tanner – Das Leben eines Jägers 10
John Tanner
Das Leben eines Jägers
oder
John Tanners Denkwürdigkeiten über seinen 30-jährigen Aufenthalt unter den Indianern Nordamerikas
Erstmals erschienen 1830 in New York, übersetzt von Dr. Karl Andree
Zehntes Kapitel
Nachdem wir uns einige Tage bei den Weißen aufgehalten hatten, reisten wir alle ab, um uns mit den Indianern zu vereinigen. Der Häuptling der Gruppe, welche in drei Hütten wohnte, war Wah-ge-kaut (Krummbein). Die drei besten Jäger hießen Ka-kaik (der kleine Sperber), Meh-ke-nauk (die Schildkröte) und Pah-ke-kun-ne-ga-bo (der sich im Rauch hält). Besonders war zu jener Zeit dieser Letztere ein ganz ausgezeichneter Jäger. Vor Kurzem war ihm zufällig Weiterlesen
Das Geheimnis des Medizinbeutels – Teil 9
Der Lappe und der Wolf leben wie Hund und Katze. Doch ist dieser Ausdruck noch viel zu zahm, um die erbitterte, hasserfüllte Todfeindschaft richtig zu bezeichnen, die der Lappe gegen das elende Graubein, den »gammal naudi«, den alten Räuber, hegt. Dieser Hass wird dem Lappenjungen schon in seinen frühesten Jahren – sozusagen mit der Muttermilch – von den Eltern eingeflößt, und er schlägt im Verlauf seines mühsamen Lebens durch manche bittere Erfahrung immer tieferer Wurzeln. Der arme Teufel, das stets von Hunger gepeinigte Graubein, ist im Grunde genommen der unschuldige und leidende Teil. Er ist von Natur aus gutmütig wie der treue Hund, zu dessen Stammvätern er gehört. Was kann er dafür, dass ihn Väralden-olmaj, der Gott des Samevolkes, der Hochfjällen, der weiten Heiden und Moore, nicht als Wiederkäuer erschaffen hat? Er ist einmal zum Fleischfressen bestimmt und muss seine Nahrung nehmen, wo er sie findet. Und die Rentiere sind leckere Bissen und geben aus. Wenn er einmal eins erwischt, kann er sich so recht knüppelsatt vollfressen. Das ist zu verführerisch!
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Shane Flannigan – Stunde der Rache
Shane Flannigan
Stunde der Rache
Der staubbedeckte Reiter auf dem hochbeinigen Morganwallach hielt auf der kleinen Anhöhe und starrte nach Westen, wo sich die Häuser von Coldwater abzeichneten. Die Sonne erreichte ihren höchsten Stand und ließ die Wasserpfützen verdunsten. Die regennasse Erde dampfte. Am Horizont zeigte sich ein farbenprächtiger Regenbogen und legte sich als schillernder Bogen über Coldwater.
Er nahm den Hut ab, unter dem dunkelblondes Haar hervorquoll, und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sein kantiges Gesicht mit den bemerkenswerten haselnussbraunen Augen blieb ausdruckslos, als er sich umblickte.
Das Holzschild mit dem Namen der Stadt war neu, ebenso wie viele Häuser. Zielstrebig ritt Shane Flannigan darauf zu. Vor dem Weiterlesen
Der kopflose Reiter 1
Thomas Mayne Reid
Der kopflose Reiter
Prolog
Der Hirsch von Texas, auf seinem mitternächtlichen Lager liegend, wird durch den Hufschlag eines Pferdes aus seinem Schlummer aufgeschreckt.
Er verlässt weder sein Versteck, noch richtet er sich auf. Sein Gebiet teilt er sich mit den wilden Rössern der Savanne, die nächtens umherziehen. Er hebt nur seinen Kopf und, mit dem Geweih das hohe Gras überragend, lauscht er auf die Wiederholung dieses Geräusches.
Erneut ist der Hufschlag zu hören, jedoch mit veränderter Intonation. Es klingt wie ein Metallring – wie ein Klirren von Stahl auf Stein.
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