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Im Original Johannes Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 86

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

108. Bertolf von Zähringen

Eines Tages wandelten ein paar Männer in der Gegend des Berges Giber, der, irren wir nicht, in Sizilien liegt und ein gewaltiger Vulkan ist, und hörten eine Stimme, die rief: »Macht den Ofen zurecht!« Dieser Ruf wurde noch zweimal wiederholt.

Nach dem dritten Mal fragte eine andere Stimme: »Wofür denn?«

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Deutsche Märchen und Sagen 85

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

107. Wie Graf Wilhelm von Jülich starb

Aus Ärger über eine ihm auf seinem Schloss Nideck widerfahrene Schande erkrankte Graf Wilhelm und wollte dann nach Köln. Unterwegs aber fühlte er die Kräfte seines Leibes wie seiner Seele schwinden und sprach: »O, ich sehe Köln nicht mehr wieder.«

Man ließ ihn nieder und der Arzt erklärte alsbald, der Tod stehe vor der Tür, fügte dann die Bitte hinzu: »Ich rate Euch, dass Ihr doch Eure Gemahlin wieder zu Euch nehmt; tut das.«
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Deutsche Märchen und Sagen 84

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

106. Von viel anderen, welche gleicherweise vor Gottes Gericht geladen worden

Im Jahr Christi 1003 wollte Meinwerkus, der zehnte Bischof von Paderborn, die sinkende Zucht im Kloster Korvei wiederum erheben und aufrichten, kam deshalb dahin und wollte des Reformierens einen Anfang machen. Es widerstand ihm aber darin der Abt Walo, der durchaus keine strengere Regel gestatten oder zulassen wollte. Der Handel kam vor den Kaiser und wurde die Sache so weit gebracht, dass der Abt seines Amtes entsetzt wurde. Nun getraute sich der Bischof, beharrlich in seinem guten Vornehmen von Neuem, eine andere Ordnung zu Korvei Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 83

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

105. Herzog Rudolph vor Gottes Richterstuhl gerufen

Herr Rudolph, Herzog zu Österreich stellte einen Ritter aufs Leben nach, den er auch gefangen und torquiert, in einen Sack schieben und ins Wasser hatte werfen lassen.

Ehe aber der Ritter ganz im Sack war, sah er den Herzog am Fenster und schrie ihm zu: »Herzog Rudolph, ich lade dich vor Christi Richterstuhl, damit du dort Rechenschaft ablegst, warum du mich unschuldiger Weise durch einen so üblen und tyrannischen Tod hinrichtest.«
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Deutsche Märchen und Sagen 82

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

101. Bischof Conrads von Würzburg Tod

Conrad Wilhelm, Bischof von Würzburg und Herzog von Franken, stellte im Jahre 1684 eine Lustfahrt zu Wasser an zu seinem Lusthof zu Veitshochheim. Als er an dem adligen Fräuleinkloster Unterzell vorbeifuhr, lag seine Schwester, die Priorin, gerade im Fenster und sah, wie im Schiff vor ihrem Bruder eine schwarz überdeckte Totenlade stand. Sie allein sah dieselbe und niemand außer ihr. Die Bedeutung dieses Gesichtes offenbarte sich am achten des Herbstmonats desselben Jahres. In der Nacht, welche dem Tag vorherging, fiel des Bischofs Leibpferd Weiterlesen