Deutsche Märchen und Sagen 127
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
166. Johannes Teutonicus
Johannes Teutonicus war von Bürgereltern geboren, wurde jedoch seiner hohen Gelehrtheit halber zum Chorherr in Halberstadt ernannt, ein Rang, der sonst nur Söhnen adliger Eltern werden konnte. Das verdross die anderen adligen Kanoniker und ließen es ihn oft und bitter fühlen. Müde der ewigen verachtenden Spöttereien, beschloss Johannes endlich, sich einmal recht empfindlich zu rächen. Er lud also alle Kanoniker zu einem köstlichen Abendmahl ein. Als dieses zu Ende war, da fragte er sie, ob sie nicht einmal ihre Ahnen zu sehen wünschten. Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 126
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
165. Klagende Stimme
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wohnte in der Gegend von Lüttich ein Bauer, der mit seiner Frau alle Tage eine klagende Stimme hörte, als ob jemand um Hilfe gerufen hätte. Wie oft er auch in seinem Haus herumsuchte, nie konnte er auch nur das Geringste finden. Dies stets dauernde, sommerliche Gerufe traf den Bauer und die Bäuerin so, dass sie krank wurden und langsam hinzehrten. Außer ihnen hörte kein Mensch die Stimme.
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Deutsche Märchen und Sagen 125
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
164. Feuer verrät die Hexe
Es ist noch nicht lange her, dass in Cerneghem eine Hexe auf die folgende Weise verraten wurde.
Die Kinder eines Bauern lagen krank und schienen nicht mehr genesen zu können. Was der Mann auch für Mittel anwenden mochte, die Krankheit nahm täglich mehr zu, sodass endlich kein Zweifel mehr blieb an einer Bezauberung der Kinder. Um sich inzwischen hiervon zu überzeugen und die Hexe zugleich kennen zu lernen, gab jemand den Rat, ein groß Feuer von Buchen-, Ulmen- und Eichenholz zu machen und wohl Sorge zu tragen, dass Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 124
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
163. Apfel bricht den Zauber
Zwei Leutchen in Kortryk hatten ein wunderschönes Kind. Eines Abends spät saß die Mutter noch bei der Wiege, als sie auf einmal – kloff, kloff, kloff – jemand mit Holzschuhen durch die stille Straße laufen hörte. An ihrem Haus hielt er an. Zu gleicher Zeit tat das Kind einen lauten Schrei und wand sich in der Wiege. Als die Mutter zusah, hatte es hinten und vorne einen Buckel. Kloff, kloff, kloff scholl es wieder von der Straße und der Jemand lief weg. Die Frau war in Angst und Not und lief überall hin, zu allen Doktoren, aber keiner konnte dem Kind helfen. Es war Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 123
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
162. Wie die Hexen erkannt werden
Wenn der Priester in der Messe Dominus vobiscum sagt, dann sieht er an einem besonderen Zeichen, welche Frauen Hexen sind.
Wenn man die Schuhe von Knaben mit Wagenschmiere oder mit Schweinefett bestreicht und sie alsdann in die Kirche schickt, dann kann keine Hexe heraus, bevor die Knaben heraus sind. Auch stellt man einen Besen umgekehrt an die Kirchtür, wenn man die Hexen zwingen will, zuletzt in der Kirche zu bleiben, um sie so zu Weiterlesen
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