Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 64
Kosmogonie der Creek und der Muskogee
Da anfänglich die ganze Welt aus Wasser bestand, so schickte der Große Geist einst zwei Tauben aus, um Land zu suchen. Das erste Mal entdeckten sie weiter nichts als die Exkremente des großen Erdwurms. Beim zweiten Mal aber sahen sie schon ein grünes Grasplätzchen, und zwar jenes, aus dem sich allmählich die jetzige Erde entwickelte. Diese wurde den roten Männern zum Eigentum gegeben, und die Bleichgesichter mussten noch viele Jahrtausende in ihren großen Schiffen bleiben, ehe ihnen erlaubt wurde, das Festland zu betreten.
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Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 63
Ein Algonkin ging einst im Zwielicht am Begräbnisplatz seiner Großeltern vorbei und meinte zwei davon herumgehen zu sehen. Da es nun Sitte ist, nie die Toten zu passieren, ohne ihnen Speise und Trank anzubieten, damit einen die bösen Geister nicht gelegentlich ins Feuer stoßen, so lief er so schnell fort, wie er nur konnte, denn er hatte einen dickbauchigen Krug famosen Whiskeys bei sich, den er gern allein austrinken wollte.
Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 62
Mitschabu oder das große Licht
Mitschabu war der Gott des Wassers. Er hatte alle lebenden Kreaturen geschaffen und diese oft merkwürdig ausgestattet. Einige hatten zwanzig Füße, andere nur einen. Viele hatten hundert Augen und einige wieder gar keins. Er selbst hatte vier Beine, ebenso auch seine missgestalte Frau, die eben nahe daran war, mit dem tausendsten Kind niederzukommen.
Dieses Kind wollte sich aber nicht eher gebären lassen, als bis die Welt einen festen Boden habe, auf dem Weiterlesen
Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 61
Als der Große Geist die Flüsse, die Luft und den Wald geschaffen und sie mit allerlei Tieren belebt hatte, beschied er den roten Mann und seinen jüngeren Bruder, den weißen, zu sich in seine Wohnung und zeigte ihnen die vielen Büffel, Bären, Ottern, Biber usw.
»Seht«, sagte er, »diese meine Geschöpfe gebe ich euch zum Eigentum. Ihr sollt über sie herrschen, und sie sollen euch zur Nahrung dienen.«
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Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 60
Der Ewige Jude und die Seeflinte
Unter dem Ewigen Juden verstehen die Senecas einen großen Baumstamm, der schon seit einem halben Jahrtausend auf dem Seneca River herumschwimmt und dessen Ankunft jedes Mal durch einen gewaltigen Knall in der Luft – die Seeflinte – angezeigt wird.
Jener Baum meidet stets die Nähe der Dampfboote. Auch kein Tier kommt an ihn heran, und kein Feuer hat die Macht, ihn zu verbrennen. Er soll der Sage nach ein verholzter Senecachief sein, der zu unrechter Zeit Weiterlesen
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