Old Wide West History – Eine Einführung
Die Geschichte des amerikanischen Westens – womit das Gebiet westlich des Mississippi gemeint ist – ist im Kern die Geschichte der Herausbildung der Vereinigten Staaten als Nation. Als Thomas Jefferson im Jahr 1803 den Erwerb des französischen Louisiana-Territoriums verhandelte, das sich über 820.000 Quadratmeilen erstreckte und für 80 Millionen Franc den Besitzer wechselte, vergrößerte sich das Staatsgebiet der jungen Republik schlagartig um 140 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt war Amerika noch ein vergleichsweise kleiner Staat.
Bei der Volkszählung von 1800 lebten etwa 5,31 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten, darunter fast eine Million versklavte Personen. Der geografische Mittelpunkt der Bevölkerung lag lediglich achtzehn Meilen südwestlich von Baltimore in Maryland. Die sogenannte Frontier verlief entlang des Mississippi: Östlich davon befand sich das Gebiet des Indiana-Territoriums, westlich davon das weitgehend unerforschte Louisiana.
Im Verlauf des folgenden Jahrhunderts durchliefen die Vereinigten Staaten eine tiefgreifende Umwälzung, die selbst die Revolution der Unabhängigkeit an Bedeutung übertraf. Aus einer überwiegend agrarisch geprägten, halbkolonialen Gesellschaft entwickelte sich eine mächtige Nation, die sich schließlich von einem Ozean bis zum anderen erstreckte. Hundert Jahre später war die Bevölkerung auf rund 76 Millionen Menschen angewachsen – eine Vermehrung um das Vierzehnfache. Der Bevölkerungsschwerpunkt hatte sich nach Westen verlagert und lag nun sechs Meilen südlich von Columbus in Indiana. Die einst menschenleeren Ebenen und Gebirge waren inzwischen von Städten und Siedlungen durchzogen, darunter Chicago, Milwaukee, St. Louis, Kansas City, Denver, Omaha, Seattle, Salt Lake City und Phoenix. Eisenbahnlinien verbanden Ost und West und die Frontier war endgültig verschwunden.
Eine vollständige und detailgetreue Darstellung dieser außergewöhnlichen Entwicklung würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen. Dennoch sollte jeder Artikel den Versuch unternehmen, einen Einstieg in das Leben der Menschen, Ereignisse, Abenteuer und Konflikte der gewaltigen Wanderbewegung zu geben, die Amerikaner und Europäer gleichermaßen nach Westen zog.
In dieser Kolumne werden zwar auch weniger bekannte Begebenheiten sowie übersehene Helden der Frontier erwähnt, doch es mag scheinen, als läge ein übermäßiger Fokus auf Persönlichkeiten, die ohnehin bereits viel Aufmerksamkeit erhalten haben. Dafür gibt es einen guten Grund: Leser, die sich erstmals mit dem Thema befassen – und an sie richtet sich diese Kolumne vor allem – interessieren sich meist stärker dafür, ob Geschichten aus Filmen oder Legenden tatsächlich wahr sind, als für Details wie die durchschnittliche Geburtenrate von Kälbern eines Viehzüchters in einem guten Jahr.
Ob Wild Bill Hickok, der in dieser Kolumne einen Platz finden wird, historisch bedeutsamer war als der unerwähnt bleibende Waffenproduzent Samuel Colt oder ob dem Sioux-Anführer Crazy Horse mehr Raum eingeräumt werden sollte als dem Eisenbahntycoon Leland Stanford, lässt sich kaum eindeutig beantworten. Welcher Historiker würde behaupten, dass die politischen Entscheidungen in Washington, die zu den Indianerkriegen führten, wichtiger waren als der Mut und die Entschlossenheit der Soldaten, die diese Kriege führten? Oder dass Billy the Kid eine geringere – oder größere – Bedeutung hatte als Präsident Rutherford B. Hayes, der zu Lebzeiten des Outlaws im Amt war?
Die Geschichte des Westens gleicht einem riesigen, vielschichtigen Mosaik aus zahllosen Einzelteilen, von denen nicht alle gleichermaßen fesselnd sind. Manche sind wertvoll, aber zwangsläufig unerquicklich: der entbehrungsreiche Alltag eines Siedlers in einer Sodhütte auf den Prärien Kansans, die harte Arbeit eines anonymen chinesischen Wäschers oder die melancholischen Pflichten eines längst vergessenen Totengräbers. Auch diese oft übersehenen Lebensrealitäten waren Teil des Ganzen. Dass sie in dieser Kolumne nicht in den Vordergrund gerückt werden, bedeutet nicht, dass sie unwichtig waren, sondern lediglich, dass es unmöglich ist, alles zu erzählen. Dasselbe gilt, wenn bekannte Namen wie Buffalo Bill Cody, ein Mann, der das Bild des Westens in der Welt wie kaum ein anderer prägte und im Geisterspiegel in der Rubrik Heftromane sowie in den Spannungswelten einen gebührenden Platz gefunden hat, nur am Rande erwähnt werden. Kein Werk kann jemals die vollständige Geschichte wiedergeben.
Der Westen ist ein Traum, ein Ziel, eine Hoffnung – nicht eines Einzelnen, sondern vieler. In den kommenden Artikeln begegnet der Leser einigen der Menschen, die diesen Traum Wirklichkeit werden ließen: Soldaten und Missionare, Outlaws und Kaufleute, Offiziersfrauen und Prostituierte, Briten, Franzosen, Deutsche und Schweden – manche mutig, andere töricht, einige berühmt, viele vergessen. Sie alle spielten auf edle oder fragwürdige Weise ihre Rolle bei der Erschließung der Frontier.
See you soon—same place, new topic …
Jordan Clark
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