Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 70

Die Schlangen von Bernau
Auf der Feldmark der Stadt Bernau findet man, so weit man das Läuten der Bürgerglocke hören kann, weder Schlangen noch Nattern. Als Grund dafür gibt man Folgendes an: Als vor alters jene Bürgerglocke gegossen wurde, spendeten die Leute nach damaligem Brauch allerlei Wertgegenstände dazu, wie Gold, Silber, Erz und Ähnliches. Da kam auch eine alte Frau herbei und sagte, sie habe zwar nichts von Geldwert, das sie für die Glocke stiften könne, wolle aber dennoch etwas dazugeben, was man nicht verachten solle. Damit ließ sie eine lebendige Schlange und eine Natter mit in den Guss hineinlaufen – mit dem Bemerken, dass sich danach die Schlangen und Nattern verlieren würden, die damals in der Gegend so häufig waren. Und so geschah es auch, sobald man mit der neuen Glocke zum ersten Mal zu läuten anfing.
Als die Glocke vor ungefähr 300 Jahren einen Riss bekam, sodass man nicht mehr mit ihr läuten konnte, stellte sich das Ungeziefer wieder ein. Es verlor sich aber sogleich wieder, als die Glocke im Jahre 1649 umgegossen wurde und nun zum ersten Mal wieder erklang.
Die Hussitenschlacht bei Bernau
Als im Jahre 1432 die Hussiten die Mark verwüsteten, kamen sie auch vor die damals sehr feste Stadt Bernau, die sie stürmen wollten. Sie wurden jedoch von den Frauen, als sie die Mauern erstiegen, mit heißem Brei und heißem Wasser, das man auf sie herabschüttete, zurückgetrieben.
Unterdessen hatte sich Kurprinz Friedrich mit sechstausend Mann vom Berliner Tor bis zum Mühlentor und von dort weiter bis auf halbe Höhe zum Steintor gelagert, um dort die Reichshilfstruppen zu erwarten. Nachdem diese eingetroffen waren, rückte er den Belagerern in den Rücken und griff sie von hinten an. Die Bürger in der Stadt sowie die dorthin Geflüchteten – unter denen sich allein 900 Knechte befanden – machten ebenfalls einen Ausfall und griffen die Feinde von vorn an. So wurden die Belagerer umzingelt und aufs Haupt geschlagen.
Dies geschah auf dem Feld, wo die Panke entspringt. In so gewaltigen Strömen floss das Blut der Feinde, dass der Boden dort bis auf den heutigen Tag rot gefärbt ist, weshalb das Areal den Namen Blutfeld oder rotes Land erhielt. Der Tag der Schlacht war der des heiligen Georg, der noch alljährlich in Bernau mit einem feierlichen Dankfest begangen wird.
In der Mark kam daraufhin der Spruch auf: »Der Bernauer heiße Brei macht die Mark hussitenfrei.«
Schreibe einen Kommentar