Download-Tipps

Die drei Templer

Archive
Folgt uns auch auf

Aus dem Wigwam – Der Teufelssee in Wiskonsin

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Der Teufelssee in Wiskonsin

er Teufelssee in Sauk County bildet eine der prachtvollsten Szenerien in Mittel-Wiskonsin. Sein Wasser ist auffallend klar und durchsichtig, an einigen Stellen ist er l70 Meter tief und an manchen hat man mit dem Senkblei gar keinen Grund entdecken können. Er liegt ungefähr 22 Meter höher als der benachbarte Baraboo River. Weder Fluss noch Bach mündet in ihn, noch hat ein solcher seine Quelle in demselben. Die Umgegend war früher der Lieblingsaufenthalt der Indianer, denn es fehlte dort weder an Fischen noch an Wild, und das Bleichgesicht verirrte sich selten so weit. Nur ein waghalsiger Franzose gesellte sich einst zu dem dort lebenden Stamm und nahm an allen Jagdzügen und Abenteuern teil. Mit der Zeit verliebte er sich auch in eine reizende Indianerin. Und da er Gegenliebe fand, so beschloss er, sie zu heiraten. Doch als er darauf zu ihrem Vater ging, dessen Wigwam am Ufer des Teufelssees stand, um mit ihm in seiner Herzensangelegenheit Rücksprache zu nehmen, fand er zu seiner größten Überraschung , dass ihm ein anderer junger Mann bereits zuvorgekommen war, der allem Anschein nach die besten Aussichten auf Erfüllung seines Wunsches hatte.

Da aber der alte Häuptling das Verhältnis seiner Tochter zu dem Franzosen kannte und er sich nicht gern parteiisch zeigen wollte, so sprach er zu den beiden Heiratskandidaten: »Auf der anderen Seite des Sees steht eine Eiche, auf welcher sich ein Adlernest befindet. Derjenige, der mir daraus zuerst einen jungen Adler bringt, soll mein Schwiegersohn werden!«

Augenblicklich sprangen beide in ihre Kanus und ruderten dem anderen Ufer zu. Der Indianer betrat es zuerst, aber der Franzose war geschickter im Klettern und bedeutend eher beim Nest. Doch als er wieder heruntersteigen wollte, stieß ihn sein Nebenbuhler plötzlich von einem Ast. Er fiel hinab auf die steilen Felsen und kein Glied blieb ganz an ihm. Als dies die junge Indianerin, welche jedem Schritt der beiden mit großer Ängstlichkeit gefolgt war, sah, übermannte sie der Schmerz so sehr, dass sie mit lautem Ruf in den See sprang und nimmermehr zum Vorschein kam. Seit jener Zeit glauben die Indianer, dass die Stürme jenes Sees von der Seele des unglücklichen Mädchens geschickt würden, weshalb sie ihn auch mit dem Namen Geistersee belegt haben, aus dem dann die Bleichgesichter Teufelssee machten, da sie der Rothaut keinen guten Geist zutrauten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.