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Oberhessisches Sagenbuch Teil 38

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Alb gefangen

Das junge Volk war einmal in der Spinnstube beisammen und vertrieb sich die Zeit mit Erzählen von allerlei schaurigen Geschichten. So kam man, wie es zu geschehen pflegt, vom Hundertsten aufs Tausendste. Unter anderem brachte die Magd des Hauses das Gespräch auf das Abdrücken und beklagte sich sehr darüber, dass sie alsbald nach dem Einschlafen schwer davon zu leiden habe. Man wollte es ihr aber nicht glauben.

»Wartet«, sagte sie, »ich werde ihn euch fangen, wenn ihr euch nur eine halbe Stunde gedulden könnt!«

»Ja«, sagten sie alle, »geh hin und hol ihn her, wenn es wahr ist!«

Da ging die Magd hinauf in ihre Kammer und legte sich in ihren Kleidern aufs Bett, als ob sie schliefe.

Gleich kam der Alb und setzte sich auf sie. Hurtig schlug sie die Schürze übereinander und hielt ihn fest. Dann ging sie mit ihm die Treppe hinunter und ließ ihn, mitten unter ihren Kameraden, auf die Erde fallen. Neugierig drängten sich alle herbei, um ihn zu betrachten. Es war ein haariges Ding, zusammengerollt wie ein Igel und rührte sich nicht.

Da nahmen etliche Burschen Kienspäne vom Leuchter und brannten dem Alb aufs Fell. Ein mutwilliges Mädchensding aber zog eine lange Spinell aus dem Brustlatz und stach ihn mehrmals tüchtig damit. Als dies geschah, klopfte es plötzlich sehr stark von außen an das Fenster.

Ganz erschrocken wendete die ganze Versammlung ihre Augen dahin, sah aber niemand.

Nun rief eine laute Stimme von außen: »Alb, bist du drinnen?«

»Ja«, antwortete auf einmal das Ding auf dem Fußboden.

Dann hob dieselbe Stimme an, die sie zuerst gehört hatten. »Man sticht dich, man brennt dich! Erleide alles, sag aber doch nicht, für was die grüne Petersilie gut ist.«

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