Ausschreibung

Dark End

Story-Tipps

Starke Gefühle

Download-Tipps

Timetraveller 35

Archive
Folgt uns auch auf

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 33

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Des Drechsler Lufts Ehefrau findet ein Goldstück und Folgen davon.

Im Jahr 1789 fand des Drechsler Lufts Ehefrau zu Stadt Bürgel im Fürstentum Weimar auf einem von dem Tischler Christ. Fr. Martin daselbst gepachteten Fleckchen Land ein Goldstück. Dieses gab Gelegenheit, bei Zusammenkünften von vergrabenen Schätzen und Lichtern zu sprechen, die sich dabei sehen gelassen haben. Gedachter Tischler Martin erzählte unter anderen dem Schneidermeister Heinrich Schreiber, dass er als ein Knabe von etwa 10 Jahren in einem Garten am Jenaischen Wege die Hofstatt genannt, welcher neben seinem Acker liege, wo die Luftische Ehefrau das Goldstück gefunden, dergleichen Lichter zur Nachtzeit gesehen hatte. Es lebten viele Leute, die dies noch bekräftigen konnten. Diese Lichter und der Fund, den die Luftin gemacht hatte, waren für diese Leute, die es für das höchste Erdenglück hielten, ohne Mühe reich zu werden, ein hinreichender Beweis, dass auf dem Martinschen Acker ein Schatz liegen müsse. Beide, Martin und Schreiber, dachten nunmehr eifrig auf Mittel und Wege, ihn zu heben. Der Scharfrichter Finster in Droyßig schien ihnen der rechte Mann zu sein, bei dem sie sich dieserhalb Rat zu holen hätten. Sie säumten nicht, ihm ihr Anliegen zu eröffnen. Dieser Finster, der ohne Zweifel schon vorher im Ruf stand, Geister zitieren und bannen zu können, rechnete es sich eben nicht zur Pflicht, diesen Leuten ihren Wahn zu nehmen. Vielmehr bestärkte er sie darin und versprach, ihnen nächstens etwas zu geben, wodurch sie unfehlbar in den Besitz des Schatzes gelangen könnten, wenigstens dachte er sein Heberlohn dabei gewiss zu verdienen. Binnen acht Tagen kam der Wundermann zur Stadt Bürgl und brachte den Schatzlustigen einen halben Bogen Papier, auf welchem ein großes Kreuz mit mancherlei unleserlichen Buchstaben sowie ein Totenkopf gekritzelt war, und verlangte einen Dukaten dafür. Da aber Martin und Schreiber keinen Dukaten einwechseln konnten, so ließ er sich mit zwei Laubtalern begnügen. Sobald diese bezahlt waren, machte er ihnen den Gebrauch seines Wischs bekannt. Er sollte nämlich in eine Büchse gesteckt und auf dem Acker, wo der Schatz liegen sollte, gesetzt werden. So wie das geschehen sei, würde sich das Geld, wenn nämlich dergleichen auf dem Acker stehe, nach und nach von selbst auswerfen. So wusste der Schalk sich einen freien Rückzug zu versichern, ohne einmal den Glauben der Betrogenen zum Lückenbüßer zu machen. Die beiden Leute befolgten seine Vorschrift pünktlich, mögen auch wohl öfters nach ihrer Büchse gesehen haben, wie wohl ohne die mindeste Wirkung des darin befindlichen Papiers zu spüren, währenddessen Meister Finster seine zwei Laubtaler in Ruhe verzehrte. Ihr Glaube an seine Kunst war so stark, dass sie diesen misslungenen Erfolg ihm nicht einmal zur Last legten, sondern sie gerieten vielmehr auf die Vermutung, es müsse die Büchse nicht auf dem rechten Fleck stehen. Man müsse vermittelst einer Wünschelrute erst den Standort des Schatzes ausfindig machen. In dieser Verlegenheit erinnerte sich der Schneider Schreiber, dass der Tagelöhner Taubert zu Stadt Bürgl, welcher vor einigen Jahren erst dahin gezogen war, ihm bei einem Besuch erzählt habe, wie sein Vater, der sich in dem kursächsischen Dorf Großenbocka niedergelassen hatte, die Wissenschaft verstehe, Brunnen mittelst der Rute aufzuspüren. Es wurde also eine Reise dahin gemacht, nachdem Taubert befragt worden war, ob es sich wirklich so verhalte. Schreiber eröffnete dem alten Taubert die Veranlassung ihres Besuchs. Dieser fragte nach etwas Erde von dem Acker, wo sie die Rute schlagen lassen wollten. Da weder Schreiber noch Martin damit versehen waren, so schickte er diese ohne Rute wieder fort, versprach aber nächstens selbst nach Bürgl zu kommen und eine Rute mitzubringen. Sein Sohn kam darauf in nähere Bekanntschaft mit den Schatzlustigen und behandelte nun die ganze Sache auf Kosten des Tischler Martins. Die Begierde nach dem eingebildeten Schatz war so heftig, dass Schreiber die Ankunft des alten Taubert nicht erwarten, sondern einen Teil Erde von dem Martinschen Acker nach Großenbocka tragen wollte, als er von dem jungen Taubert erfuhr, dass die sehnlichst erwartete Wünschelrute angekommen sei. Dieser ging nun mit ihm auf den Acker und ließ sie schlagen, zeigte auch den Fleck an, wo der Schatz liegen sollte.

Der Tag zum Einhacken wurde festgesetzt, nachdem noch eine vierte Person, der Schneider J. D. Zink, von Taubert zum Mitgenossen ausersehen worden war. Nunmehr wurde gemeinschaftlich beredet, was beim Einhacken zu beachten sein möchte.

Taubert nahm die Miene des Sachverständigen an, unterrichtete seine Konsorten von der Lage des Schatzes und wie derselbe nur eine halbe Elle tief in einem Kessel stehe, der an einer eichenen Säule verwahrt sei. Er warnte sie auch, sich durch Umsehen nicht unglücklich zu machen. Mit Hacken und Schaufeln versehen, gingen sie denn an den Ort, wo die Wünschelrute geschlagen haben sollte, und hackten ein. Wie nun das Loch eine halbe Elle tief gemacht war und weder ein Kessel noch eine eichene Säule, noch sonst etwas zum Vorschein kam, so gab Taubert vor, sie dürften nun nicht länger hier verweilen, weil etwas vorgegangen war, wodurch ihr Unternehmen auf heute vereitelt worden sei. Sie ließen also ab und gingen nach Hause.

Drei Tage darauf erzählte Taubert, in verwichener Nacht sei unter dreimaligem Anpochen ein Geist vor seinem Fenster erschienen. Auf seine Anrede Alle gute Geister loben Gott, den Herrn. Was tust du? habe er geantwortet: »Ich auch.«

Auf Befragen: »Was ist dein Begehren?«

Geist: »Ich will erlöst sein.«

Frau: »Wodurch willst du erlöst sein?«

Geist: »Morgen auf dem Abend sollt ihr es erfahren.«

Taubert beteuerte diese Erscheinung und machte seinen Konsorten die Notwendigkeit begreiflich, dass sie zusammenhalten und den Ausgang der Sachen abwarten müssten. Außerdem koste es ihnen allen binnen Jahr und Tag das Leben. Der Geist würde selbst auf dem Acker sein und angeben, was zu seiner Erlösung geschafft werden sollte.

Den anderen Tag versammelten sich diese Leute in der Martinschen Wohnung und gingen nachts voller Erwartung wieder zu dem Acker zu. An der Gartenecke beim Jenaischen Fahrweg mussten der Tischler Martin und die beiden Schneider, Schreiber und Zink, stehen bleiben. Taubert begab sich allein zu dem noch 50 Schritte davon entfernten Loch. Jenen prophezeite er das größte Unglück, falls sie einen Schritt weiter tun oder sich umschauen würden. Er für seine Person habe nichts zu fürchten, er sei fest. Wie er nun beim Loch stand, so sahen die Zurückgebliebenen etwas Weißes um ihn, das sie anfangs für Schnee hielten, bis es in die Höhe flatterte. Sie hörten Taubert auch mit jemanden sprechen, dessen Stimme ganz weich und klar wie eine Frauenstimme gewesen sein soll. Sie waren völlig überzeugt, dass dies niemand anderes als der Geist gewesen sein könne. Taubert bekräftigte solches bei seiner Rückkehr und erzählte, der Geist hieße Maria Magdalena Tümpling und wolle den Schatz, welcher in vier Millionen bestehe, hinbringen, wohin sie ihn haben wollten, wenn binnen zweimal 24 Stunden 25 Stück Kronentaler, womit dieser Schatz versetzt sei, geschafft würden. Außerdem müsse er noch 20 Jahre liegen. Taubert drang auf die Beischaffung dieser Summe, sonst müssten sie alle binnen Jahr und Tag sterben.

Da nun keiner diese Münzsorte kannte, so trat der Schneider Zink, der ehedem kaiserlicher Soldat gewesen war, auf und sprach, es würden wohl Laubtaler darunter zu verstehen sein, denn er erinnere sich, dass man im Österreichischen die französischen Laubtaler Kronentaler genannt habe.

Erfreut über diese Auskunft ließ sich der Tischler Martin, der unter ihnen der Einzige war, der 25 Stück Laubtaler zu verschaffen vermag, und dem die Übrigen vorläufig drei Millionen auf seinen Anteil des Schatzes versprachen, einfältigerweise bereden, am Freitag vor Palmarum des Jahres, diese 25 Laubtaler in Jena-Löbnitz zu borgen. Seine Konsorten erhielten sogleich Nachricht davon. Abends 10 Uhr waren sie wie abgesprochen bei ihm ver­sammelt. Nach Tauberts Vorschrift musst nun Martin das Geld auf ein Papier zählen und in einen neuen leinwandenen Mannsärmel, der noch nicht zugenäht war, einknüpfen, auch einen drei Ellen langen Haselnussstock herbeischaffen. Damit gingen sie zum Loch. Bei der Gartenecke am Jenaischen Weg mussten Schreiber und Zink Halt machen, Martin aber mit dem Geldsäckchen dem vorausgehenden Taubert zum Loch folgen. Ungefähr sechs Schritte davon blieben sie stehen. Martin erblickte den Geist – eine ganz weiße Figur von beinahe Menschengröße, am oberen Teil spitz ohne Arme und Beine. Taubert nahm ihm das Geldsäckchen ab, hängte es an den Haselstock und übergab es dem Geist, worauf Martin die Worte hörte: Morgen um 12 Uhr. Er sah zwar nicht, ob und wie der Geist das Geld zu sich genommen hatte, weil Taubert bei dessen Hinreichung vor ihm gestanden hatte. Taubert aber versicherte es ihm und sagte, des Geistes Hand sei schneeweiß gewesen.

Den anderen Tag nachts zwölf Uhr fand sich nun die Gesellschaft unter Tauberts Voraustritt auf dem Acker ein. es war aber weder der Geist noch ein Schatz zu sehen. Taubert schaute in das Loch und ging ohne ein Wort zu reden mit starken Schritten gerade zur Martinschen Wohnung zurück. Die Übrigen folgten ihm schweigend nach. Nun lamentierte Martin wegen seiner 25 Laubtaler und fürchtete, darum betrogen worden zu sein. Taubert tröstete ihn, schob alle Schuld auf den Scharfrichter in Droyßig, der ihnen einen Possen gespielt haben müsse, und machte ihm Hoffnung, dass derselbe hierherkommen und ihnen den Schatz verschaffen werde. Da er aber nicht kommen wollte, so gingen dem betrogenen Tischler endlich die Augen auf. Er behautete, seine Laubtaler steckten unter seinen drei Schatzgenossen. Doch diese leugneten es. Er drang darauf, dass sie, wenn sie ein gutes Gewissen hätten, mit ihm zum Scharfrichter Finster gehen sollen. Sie taten es, trafen aber den Schlaukopf nicht an. Die missßlungene Schatzgräberei wurde nach und nach bekannt. Alles lachte über den armen betrogenen Martin. Er zeigte darauf die Schelmerei dem dasigen Fürstlichen Justizamt an. Sogleich wurde wegen Verhaftnehmung der Schatzgräber das Nötige verfügt. Aber diese sauberen Vögel waren schon ausgeflogen, nebst noch einem Bürger namens Gottfried Thiele, welcher den Geist gespielt hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.