Florian Wacker – Falsche Versprechen
Florian Wacker – Falsche Versprechen
Es ist Nacht in Frankfurt am Main. Ein Mann namens Schota hat einen Mord an einem Unternehmensberater gesehen und ist nun auf der Flucht.
Er weiß nicht genau, wo er ist und was er tun soll. Er denkt, dass er Gabriel finden muss, einen Bekannten, der sich als Chef aufgespielt hat und nun – wie er selbst – Angst hat und verschwunden ist.
Schota weiß, dass sie ihn suchen, und erinnert sich an den Mord, den Toten und all das Blut. Er sieht die Leiche überall und rubbelt an seinen Händen, seiner Hose und seiner Jacke, um das Blut loszuwerden, das er dort vermutet und das niemand sehen darf, damit niemand denken kann, dass er mit der Sache etwas zu tun hat.
Schota denkt an Nia, eine hübsche Frau aus seiner Vergangenheit, die ihn immer beruhigen konnte. Sie musste dazu gar nicht brüllen, sondern ihn nur ansehen und fragen, ob er noch bei Verstand sei. Sie musste ihm nur sagen, er solle sie anschauen und sich wieder einkriegen.
Nun hat sich der Flüchtige wieder beruhigt und denkt, er werde zu Gabriel gehen und sich bei ihm Geld besorgen, denn dieser schulde ihm noch etwas. Dann will er verschwinden. Er fährt mit der Tram zur Werkstatt, wo er Gabriel vermutet.
Irgendwo läuft leise Musik, aber die Werkstatt ist geschlossen. Er kann im Dunkeln irgendwelche alten Schrottautos sehen. Sie bauen dort noch einige alte Teile aus, die sie als Ersatzteile verkaufen.
Schota denkt manchmal, dass er es auch mit einem legalen Job versuchen sollte. Er hat dies auch schon einmal getan, Nia zuliebe. Aber er will nicht wieder herumkommandiert werden, auf sein Geld bis zum Monatsende warten und aufpassen müssen, dass man ihn nicht betrügt.
Er nähert sich der Werkstatt, die völlig dunkel ist. Gabriel schläft wahrscheinlich schon. Er sucht Gabriel im Gebäude, aber der ist nicht dort. Dann hört er eine Bewegung vor sich im Gang und sieht einen Schatten. Er drückt die Tür zu einem Raum auf. Drinnen steht ein Mann, aber es ist nicht Gabriel. Sie haben auf ihn gewartet. Sie wussten, dass er kommen würde.
Er rennt aus der Werkstatt hinaus und flüchtet erneut. Hinter sich hört er Stimmen, dann auch Schritte. Er rennt weiter, aber nicht zur Straße, sondern durch die Autowracks hindurch zu einem Gebüsch, hinter dem sich Gleise befinden.
Zwei laute, peitschende Geräusche sind zu hören. Man schießt auf ihn! Schota erreicht das Gebüsch und wirft sich hinein. Dann wendet er sich nach links, rutscht einen Hang hinunter und hetzt weiter.
Unten bewegt er sich im Zickzack zwischen Waggons. Ist er entkommen? Er rührt sich nicht vom Fleck und macht sich ganz klein. Vielleicht gehört Gabriel zu seinen Verfolgern und hat ihn verraten. Schota begreift, dass da niemand mehr ist, der ihm hilft, ihn beschützt, will, dass er lebt.
Schota denkt wieder an Mia und an seine Großeltern. Er kann nicht bleiben, wo er ist. Eigentlich gibt es für ihn keinen sicheren Ort mehr. er schaut sich um. Niemand ist zu sehen. Er geht zwischen den Containerwaggons entlang. Es beginnt, zu regnen.
Dort hinten leuchtet ein Schild. Er kennt es. Da weiß er, was er tun muss. Alles geschieht wie von selbst. Er klingelt, tritt in den Gang und vor den Schalter. Dort sitzt eine Frau in Uniform.
»What do you want?«, fragt die Frau.
»Please arrest me«, antwortet Schota. »I’ ve killed someone.«
Florian Wacker schreibt mit Falsche Versprechen einen aktuellen Thriller, der die Herstellung grünen Wasserstoffs für die Energiewende zum Thema hat, genauer gesagt, die Probleme bei der Herstellung grünen Wasserstoffs.
Neben dem energiepolitischen Inhalt der Geschichte beschreibt der Autor einige sehr unterschiedliche Charaktere, allen voran Kommissar Uwe Fähndrich, seine gute Freundin Greta Vogelsang, Staatsanwältin im Bereich Umweltkriminalität, und den marokkanischen Ingenieur Medhi, der in seinem Werk Unterlagen entdeckt, die sein deutscher Chef dort versteckt hat und die darauf hinweisen, dass der grüne Wasserstoff, der angeblich in Marokko hergestellt wird, die Fördergelder aus der EU nicht verdient, weil er gar nicht so grün ist, wie die beteiligten Firmen versichern.
Die Geschichte ist sehr spannend erzählt und findet auf verschiedenen Kontinenten statt. Sie endet nicht, wie der Leser es gewohnt ist, mit der Verhaftung der Mörder, sondern ein wenig offen, auch wenn abzusehen ist, dass der Kommissar und die Umwelt- Staatsanwältin in naher Zukunft die Bösen zur Strecke bringen können.
Fazit:
Der Autor schreibt einen spannenden, hochaktuellen Thriller, der einen wichtigen Aspekt der Energiewende bespricht und dabei nicht nur Schwierigkeiten bei der Herstellung grünen Wasserstoffs aufdeckt, sondern sogar von kriminellen Machenschaften der beteiligten Betriebe erzählt.
Ich kann diesen Roman demjenigen Leser empfehlen, der gerne eine spannende Kriminalgeschichte in Verbindung mit einem aktuellen energiepolitischen Thema konsumieren möchte.
Florian Wacker wurde 1980 in Stuttgart geboren. Er machte eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger und studierte dann Heilpädagogik und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Er arbeitete in der Behindertenhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Jugendhilfe.
Für seine Romane, Erzählungen und Theaterstücke erhielt er mehrere Auszeichnungen. Sein Roman Zebras im Schnee stand 2024 auf der Spiegel- Bestsellerliste. Neben Falsche Versprechen erschienen zwei weitere Krimis bei Kiepenheuer & Witsch. Wacker lebt mit seiner Familie in Frankfurt am Main und arbeitet als freier Autor und Webdesigner.
Quellen:
• Florian Wacker, Falsche Versprechen, Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co.KG, Köln, 1. Auflage 2025.
• de.wikipedia.org
• autorendock.de
Bilder:
• Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung von Kiepenheuer & Witsch.
• Foto des Autors. © Melina Mörsdorf. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung von Kiepenheuer & Witsch.
(ww)

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