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Adventskalender 2024 – 20. Türchen

Die alte Straßenlaterne

Hast du je die Geschichte von der alten Straßenlaterne gehört? So außerordentlich amüsant ist sie zwar nicht, jedoch einmal lässt sie sich schon anhören.

Es war eine recht ehrliche, alte Laterne, die viele, viele Jahre hindurch ihren Dienst versehen hatte, nun aber in Ruhestand ver­setzt werden sollte. Zum letzten Mal steckte sie auf dem Pfahl und leuchtete durch die Straße. Es war ihr zumute, wie einer alten Ballett-Figurantin, die zum letzten Mal tanzt und morgen vergessen auf ihrer Bodenkammer sitzt. Die Laterne hatte sehr große Angst wegen des anderen Tages, denn sie wusste, dass sie zum ersten Mal auf dem Rathaus erscheinen und vom Bürgermeister und Rat besichtigt werden sollte, ob sie noch zu fernerem Dienst brauchbar sei oder nicht.

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Die Kreuzfahrer – Erster Band – 5. Kapitel

Felix Dahn
Die Kreuzfahrer
Erzählung aus dem 13. Jahrhundert
Verlag Otto Janke, Berlin, 1884
Erster Band, Erstes Buch
Am Saum der Wüste
Fünftes Kapitel

»Ja«, meinte Walther, »damals ist es gar schön gewesen. Und so viel Jahre weniger grau war ich auch! Und dort weht ein besser Lüftlein als in diesem Land: Sie heißen es das Gelobte! Das Verfluchte sollten sie es nennen!«, schalt der Sänger.

»Was? Wie!«, riefen da Herr Hermann und Friedmuth zugleich.

»Ei, Herr Walther«, neckte der Erstere. »Widersprechen sich die Sänger so leicht, so bald?«

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Band 1 – Buffalo Bill, der Grenzlandkönig – Kapitel 6

Die Geschichten von Buffalo Bill
Originelle Geschichten von Buffalo Bills Abenteuern
Nummer 1
Buffalo Bill, der Grenzlandkönig
Eine Geschichte von Daring Deeds

Kapitel 6

Der Ansturm der beiden Kundschafter

Die Herzen der Beobachter in der Garnison schlugen bis zum Hals, und ein Schrei des Schreckens ertönte, als sie sahen, wie der Grenzkönig und Texas Jack ihre Pferde vom Schritt in den Galopp versetzten.

Die Indianer bemerkten die Handlung und verstanden sie nicht.

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Die drei Musketiere – Zwanzig Jahre danach – 11. – 14. Bändchen – Kapitel XXI

Alexandre Dumas
Zwanzig Jahre danach
Elftes bis vierzehntes Bändchen
Fortsetzung der drei Musketiere
Nach dem Französischen von August Zoller
Verlag der Frankh’schen Buchhandlung. Stuttgart. 1845.

Kapitel XXI. Der Geist und der Arm

Wenden wir uns nun von der Orangerie zum Jagdpavillon.

Im Hintergrund des Hofes, wo man durch einen von jonischen Säulen gebildeten Portikus die Hundeställe erblickte, erhob sich ein längliches Gebäude, das sich, wie ein Arm dem anderen Arm, dem Pavillon der Orangerie, einem den Ehrenhof einschließenden Halbkreis, entgegenzustrecken schien.
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Adventskalender 2024 – 19. Türchen

Der Teufel und der Riegenmeister

Es war einmal ein Riegenmeister, der saß und goss zinnerne Knöpfe. Da erschien der Teufel und sprach ihn an: »Guten Tag, mein Herr! Was machen Sie hier?« Der Riegenmeister erwiderte den Gruß und antwortete: »Ich gieße Augen.«

Daraufhin fragte der Teufel: »Könnten Sie eventuell auch mir neue Augen gießen?«

Der Riegenmeister erwiderte: »Natürlich, aber dafür benötige ich Augensalbe, und die habe ich momentan nicht.«

Der Teufel fragte weiter: »Könnten Sie es ein anderes Mal tun?«

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