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Das Pferdeei

Das Pferdeei

Es war einmal ein Bauer, der hieß Bartel; der ging zu Markte in die Stadt. Wie er so in der Stadt herumschlenderte, sah er da einen Händler sitzen, der hatte ein pfiffiges Gesicht und guckte so schief und schabernäckisch und hatte dazu seinen alten Filzdeckel so schief auf dem rechten Ohr, dass Bartel wie gebannt stehen blieb und den braunen Wetterkerl anstarrte.

»Grüß dich Gott, Nachbar«, schnarrte der Geselle und zeigte lachend die weißen Zähne unter dem pechschwarzen Bärtchen. »Eine Prise gefällig?«

Er streckte ihm mit der braunen Hand eine Horndose hin. Bartel, der am liebsten weitergegangen wäre – er wusste nicht, warum –, langte zu. Er wusste wieder nicht, war­um, nieste und schnäuzte sich umständlich und grinste dann, um was zu sagen.

»Was hast du feil, guter Freund?«

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Des Teufels Reise durch einen Teil des Protestantismus 05

Des Teufels Reise durch einen Teil des Protestantismus
Aufzeichnungen einer hochgestellten Person
Verlag von Wilhelm Jurany. Leipzig. 1847

Neue Musterung einiger Schriften

In diesem stillen Augenblick langte Eminenz nach der evangelischen Kirchenzeitung von Herrn Professor Doktor Hengstenberg. Es war das Septemberheft 1844 hingelegt. Er blätterte eine Weile, fasste Seite 561 den rechten Standpunkt ins Auge, las, die Stirn faltete sich, die Mundwinkel verzogen sich und aus tiefer Seele kam der Seufzer: »Wenn er Guerike!« Er schlug das Blatt um, überschaute Seite 571. »Ha! Er­klärung aus Köthen gegen die Rede des Pastors Wislicenus. Ich will doch sehen, was die Bürger in Köthen, wo ich früher einen so guten Freund und Anhänger hatte, unter dem 20. August geschrieben haben.« Er las still und eifrig. »Das verfluchte Sachsen, in diesen Worten macht sein Zorn sich endlich laut. Es ist doch immer ein sonderbares Wespennest gewesen. Jetzt halten sie dort sogar Volksversammlungen! Und das geht von dem Uhlich aus? Ich will doch Näheres über diese Sache einziehen. Ei, hier Seite 577 ist ja wieder etwas über Wislicenus. Ich muss doch Herrn Hengstenberg alle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er ist so sorgfältig Weiterlesen

Die Gespenster – Vierter Teil – 24. Erzählung

Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Vierter Teil

Vierundzwanzigste Erzählung

Der betende Mönchsgeist

Ein Prediger im Halberstädtischen – so er­zählen die für Volksaufklärung und Menschenwohl so tätigen Herausgeber der dortigen neuen gemeinnützigen Blätter, unter dem 28. Ju­li 1793 – wurde vor mehreren Jahren zuweilen von einem Offizier besucht, mit dem er Bekanntschaft hatte. Eines Abends, als dieser zum Besuch bei ihm war, fiel das Gespräch auch auf Er­scheinungen und Gespensterfurcht. Der Offizier, der von keiner Furcht zu wissen versicherte, und durch die Art, wie er dies tat, eben nicht be­wies, dass Weiterlesen

John Strobbins – Eine mysteriöse Flucht

José Moselli
John Strobbins Buch 1
Eine mysteriöse Flucht

Mr. James Mollescott, Polizeichef von San Francisco, drehte sich eine dünne Zigarette aus Opiattabak, zündete sie an und nahm einen Zug. Dann legte er sie in einen eleganten Metallaschenbecher, lehnte sich in seinem Ledersessel zurück und drückte mit ausgestreckter Hand den Knopf einer elektrischen Klingel. Der Abend brach an, das violette Licht der Straßenlaternen der Kentucky Avenue drang bereits durch das angelehnte Fenster. James Mollescott betätigte einen Schalter, der die in grünes Porzellan gehüllte Glühbirne über dem breiten Mahagonischreibtisch zum Leuchten brachte. Im selben Moment klopfte es.

»Herein!«

Leise öffnete sich die schwere Ledertür und der Sekretär des Polizeichefs trat ein.

»Keine Neuigkeiten, Morsith?«
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Catherine Parr Band 1 – Kapitel 9

Luise Mühlbach
Catherine Parr
Erstes Buch
Historischer Roman, M. Simion, Berlin 1851

IX.

Der Lendemain

Die große Cour war vorüber! Neben dem König auf dem Thron sitzend, hatte Catherine die Glück­wünsche ihres Hofes empfangen. Der lächelnde Blick des Königs und die halblauten zärtlichen Worte, welche er dann und wann an die Königin richtete, hatten den klugen und gewandten Hofleuten bewiesen, dass der König in seine junge Gemahlin heute noch ebenso verliebt sei, wie er es gestern in seine Braut gewesen war! Man beeiferte sich daher, der Königin zu gefallen, jeden ihrer Blicke, jedes Lächeln, welches sie hierhin und dorthin leuchten ließ, aufzufangen, um den zu sehen, an welchen es gerichtet war, damit man vielleicht danach die künftigen Favoriten der Weiterlesen