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Vergessene Werke

Der Märkische Eulenspiegel 19

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauerts Pferde gefüttert worden und wie sie gesprungen sind

Einstmals, als Clauert in Jüterbog zu Markte war und seine Pferde bei sich hatte, ritt er dieselben zu Wasser. Als sie aber nicht saufen wollten, sagte er zu ihnen: »Fressen wollt ihr wohl, aber saufen mögt ihr nicht!«, während er sie doch dort noch in keinen Stall gebracht und ihnen auch weder Heu noch Hafer gegeben hatte. Des anderen Tages begegnete ihm dort ein guter Freund auf dem Markt, der es mit angesehen hatte, wie Clauert am vorigen Tag seinen Pferden hatte zu saufen und nichts zu fressen geben wollen.
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Kollektion Leo am Bruhl – Band 1

Dornbrunnen Taschenschmöker Sonderausgabe
Kollektion Leo am Bruhl – Band 1
Phantastische Geschichten von Leo am Bruhl
Gesammelt und herausgegeben von Lars Dangel
Der Höllengeiger

Kurzgeschichtensammlung, Paperback, Edition Dornbrunnen, Berlin, 2024, 164 Seiten, 9,95 EUR, ISBN 9783943275742
Klappentext:

Und dann … der Odem stockt mir jäh, Schauder treibt mir Tränen in die Augenwinkel … dann höre ich diese tappenden, schlurfenden Schritte nicht mehr aus der Höhlung des Lautsprechers, sondern … von draußen. Von draußen, von dem langen Flur vor meiner Tür. — Und ich weiß gut, dass ich allein im Hause bin — weiß, dass ich selbst vor zwei Stunden das Portal drunten verschlossen habe. — Das Heulen und Fauchen gefesselten Sturms!—Musik! — Oder rast der Wind draußen im Flur! — Ein Tasten, Kratzen, Scharren – als suche eine harte, eine knöcherne Hand die Türklinke! — Musik! — Nein, nein! — Auf meiner Stirn Weiterlesen

Der Märkische Eulenspiegel 18

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert der Vogelsteller des Hauptmanns Eustachius von Schlieben auf Zossen war und diesen zu Gast lud

Eustachius von Schlieben hatte Clauert als seinen kurz­weiligen Rat sehr gern bei sich. Deshalb nahm er ihn zu seinem Vogelsteller an, was Clauert auch sehr gut verstand. Einstmals bat er seinen Herrn auf dem Vogelherd zu Gast, jedoch so, dass der Hauptmann Essen und Trinken mitbringen sollte. Der Herr von Schlieben erbot sich, es zu tun und schickte am folgenden Tag ganz früh zu sieden und zu braten hinaus, dazu auch seinen Koch, der die Mahlzeit bereiten musste. Mittlerweile kam der Hauptmann selbst mit seiner Mutter Weiterlesen

Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland – Teil 2

Oskar Wächter
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland
Stuttgart, Verlag von W. Spemann, 1882

Erster Abschnitt
Zwei Erzählungen1

I. Auf roter Erde

Die üppigen Kornfelder reiften der Ernte ent­gegen. Auf den stattlichen Bauerhöfen, unter dem Schatten der Eichen und Linden entfaltete sich reges Leben. Es war zu Anfang Juli im Jahr 1425. Die hellstrahlende Morgensonne hatte schon den Tau von den Wiesen genommen, die Lerchen jubelten unter dem blauen Himmel.

Zwei Wanderer gingen raschen Schrittes auf der Landstraße zwischen Soest und Unna. Der Ältere, Hermann Grote, ein stattlicher Bauer, etwa sechzig Jahre alt, der Jüngere, Gerhard Struckman, Doktor der Rechte zu Soest, beide in eifrigem Ge­spräch.
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Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 8

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie der Kaiser Virgilius um Rat fragte, auf welche Weise er die Straßen von den Übeltätern und Nachtschwärmern reinigen solle

Diele Klagen waren zu des Kaisers Ohren gekommen über Diebe und Mörder, welche zur Nachtzeit die Straßen zu Rom sehr unsicher machten. Er erbat sich dieser bald den guten Rat des Virgilius und fragte ihn, was er tun solle, um solchem Unwesen zu steuern.

Da antwortete Virgilius dem Kaiser: »Ihr müsst ein Pferd von Erz machen lassen mit einem ehernen Reiter auf dem Rücken, der in der Hand eine eiserne Keule hält. Dieses Pferd lasst ihr vor dem Rathaus aufstellen und lasst ausrufen, dass in Zukunft abends um zehn Uhr mit einer Glocke geläutet werde, wer aber dann noch auf der Straße sei, würde totgeschlagen werden.«
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