Aus dem Wigwam – Die drei Preiselbeeren
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880
Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol
Die drei Preiselbeeren
rei Preiselbeeren wohnten zusammen in einer Hütte. Die eine war grün, die andere weiß und die dritte rot. Sie waren Geschwister. Es lag Schnee, und da die Männer alle ausgegangen waren, fürchteten sie sich. Die eine sagte: »Was sollen wir tun, wenn der Wolf kommt?«
»Ich«, erwiderte die grüne, »werde die Pechtanne hinaufklettern.«
»Und ich«, sagte die weiße, »werde mich in dem Kessel mit Maisbrei verkriechen.«
»Ich«, sagte die rote, »werde mich unter dem Schnee verstecken.«
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Oberhessisches Sagenbuch Teil 98
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
IX. Tiere, Elemente, Pflanzen, Legendarisches und Historisches
Storch hilft löschen
Im Jahr 1597 in der Erntezeit ist in der Stadt Homberg an der Ohm ein Feuer aufgegangen und fast der halbe Teil gegen der Stadtpforten von der Untergasse an bis hinauf gegen das Schloss eingeäschert worden, wobei dann dieses besonders notabel, dass die Störche, in währendem Brand zu einem Haus, worauf sie ihr Nest gehabt haben, Wasser im Mund herbeigeführt und in den Brand abgespeit, gleichsam dadurch ihre Herberge zu salvieren.
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Sagen der mittleren Werra 4
Der Lombarde und die Hexe in Wasungen
Zu Wasungen lebte vor langen Jahren ein junger Zinngießer, der war aus Mailand in Italien. Der Welsche hatte sich vor seiner Reise nach Deutschland eine junge Frau genommen und die hatte ihm aus der Heimat geschrieben, dass sie gar bange über seine Abwesenheit sei, da sie jeden Tag ihrer Niederkunft entgegensehe. Darüber war nun der junge Ehemann recht sehr betrübt, hing den Kopf und ging viel in der Einsamkeit umher, denn er liebte seine junge Frau und dachte mit Angst und Bangen an die ihr bevorstehende schwere Stunde.
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Aus dem Wigwam – Der Waschbär und der Krebs
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880
Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol
Der Waschbär und der Krebs
a der Waschbär gern Krebse aß und beständig am Ufer auf der Lauer lag, so fürchteten sich die Krebse so sehr, dass sich keiner mehr an Land wagte. Dies war dem Waschbären nicht recht und er sann daher auf eine List. Da er wusste, dass die Krebse gern Würmer aßen, so suchte er sich faules Holz zusammen, worin sich viele Würmer befanden, und steckte sich dies in Mund und Ohren und legten sich wie tot an den Fluss.
Nach kurzer Zeit kroch ein alter Krebs aus dem Wasser hervor, und nachdem er den toten Feind gesehen hatte, rief er freudig aus: »Kommt her, Brüder und Schwestern; Aessibon ist tot! Kommt heraus und esst ihn auf!«
Oberhessisches Sagenbuch Teil 97
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Der Drache
Unterhalb Rainrod ist eine wüste Bergwand, nur hier und da mit Dorngestrüpp bedeckt. Da stand vor Alters ein hoher, heiliger Wald und haben die Heiden darin Kirche gehalten. Im Schoß des Berges sind viele Reichtümer versteckt, welche ein boshafter Drache behütet, der selten oder gar nicht ans Tageslicht kommt. Es ist eine kleine Höhlung noch jetzt sichtbar, die heißt das Drachenloch. Daraus soll das Ungetüm manchmal hervorkriechen in mitternächtiger Stunde, um in dem entfernten Mühlbach bei Eichelsdorf seinen brennenden Durst zu löschen. Weiterlesen

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