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Storys & Lyrik

Lina Maria Charlotte Rapunzel Justus

Lina Maria Charlotte Rapunzel Justus

»Geh Rapunzeln holen!«, wiederholte Lina wütend den Befehl ihrer Mutter und stapfte in den Garten.

Nur weil sie das verflixte Märchen nicht hatte vorlesen wollen. – Ihr Bruder kannte es doch sowieso auswendig!

Genau genommen kannte er jedes Märchen auswendig. Er war eine wandelnde Märchenmaschine, die noch nicht stubenrein war.

Linas schlechte Laune schaffte es, noch schlechter zu werden, als ihr einfiel, dass sie nicht die geringste Ahnung hatte, was Rapunzeln überhaupt waren.
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Drachen! Drachen!

Drachen! Drachen!

Es geschah zu einer Zeit, da Drachen noch häufig waren und die Menschen regelmäßig in Angst und Schrecken versetzten, ihre Felder verwüsteten, ihr Vieh stahlen und sie ihrer Jungfrauen beraubten. Zu dieser Zeit gab es einen eigenen Berufsstand, der sich Drachentöter nannte. Es handelte sich dabei um fahrende Ritter, die sich auf das Beseitigen von lästig gewordenen Drachen spezialisiert hatten. Was der Kammerjäger für das etwas kleinere Ungeziefer ist, das war der Drachentöter für die Drachen.

Auch das Dorf Halenborg wurde seit einiger Zeit immer wieder von einem Drachen heimgesucht. Man schickte Boten in alle Teile des Landes, um einen Drachentöter herbeizurufen, aber trotz der großzügigen Belohnung war es gar nicht so einfach, einen zu finden. Das Beseitigen von Ungeziefer, das einen Mann mit einem einzigen Atemzug töten konnte, war eine gefährliche Sache. Viele, die es gewagt hatten, hatten dabei den Tod gefunden und diejenigen, die es überlebt Weiterlesen

Kybele

Kybele

Erde fiel dumpf auf das Holz. Panik stieg in Sabelina auf. Sie wollte schreien, doch kein Laut drang aus ihrer Kehle. Wieder erklang das bedrohliche Geräusch, als weitere Erdbrocken niederprasselten.
Sabelina wollte nicht sterben!
Sie wollte sich bemerkbar machen und mit bloßen Händen gegen den Sargdeckel hämmern. Doch sie war nicht in der Lage, sich zu bewegen. Ihr Körper versagte ihr den Dienst. Wie so oft in diesem schrecklichen Albtraum, der sie Nacht für Nacht heimsuchte. In dem sie lebendig begraben wurde und der nun wahr wurde.
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Der verfluchte Berg

Der verfluchte Berg

Es war eine Taverne im Nirgendwo, wo sich verirrte Wanderer trafen, umherziehende Händler und verruchte Söldner, die auf der Reise nach einem neuen Auftraggeber einen Unterschlupf für die Nacht suchten.
Außerhalb der schmuddeligen Herberge tobte ein Sturm am heutigen Abend. Schon drei Tage hielt der Regen an, jetzt goss es wie aus Kübeln. Dicke Wolken wälzten sich am Himmel, Blitze zuckten am Horizont. Die kleinen Bäche und Flüsse waren angeschwollen und drohten das Land zu überschwemmen. Auf den wenigen Straßen plagten sich die Wagen durch den Schlamm, durch den die Pferde knöcheltief wateten.
Im Inneren der Herberge, wo sich die Straßen kreuzten und durch breites Wiesenland hindurch in die Städte des Ostens und des Südens führten, zechten Männer und Frauen gleichermaßen und verfluchten das Unwetter. Kasim, der dickleibige Wirt, zwar erfreut über die zahlreichen Gäste, fühlte sich aber fast überfordert, weil aus jeder Ecke jemand nach ihm schrie.
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Der verfluchte Berg

Der verfluchte Berg

Es war eine Taverne im Nirgendwo, wo sich verirrte Wanderer trafen, umherziehende Händler und verruchte Söldner, die auf der Reise nach einem neuen Auftraggeber einen Unterschlupf für die Nacht suchten.

Außerhalb der schmuddeligen Herberge tobte ein Sturm am heutigen Abend. Schon drei Tage hielt der Regen an, jetzt goss es wie aus Kübeln. Dicke Wolken wälzten sich am Himmel, Blitze zuckten am Horizont. Die kleinen Bäche und Flüsse waren angeschwollen und drohten das Land zu überschwemmen. Auf den wenigen Straßen plagten sich die Wagen durch den Schlamm, durch den die Pferde knöcheltief wateten.

Im Inneren der Herberge, wo sich die Straßen kreuzten und durch breites Wiesenland hindurch in die Städte des Ostens und des Südens führten, zechten Männer und Frauen gleichermaßen und verfluchten das Unwetter. Weiterlesen