Das Weihnachtswunder
Wir schreiben das Jahr 1418. Auf dem Feld vor der kleinen Kapelle liegt Schnee. Gern möchte ich ihn mit beiden Händen fassen, in die Luft werfen, jauchzen und dazu tanzen, wie es die jungen Leute im Dorf tun.
Doch ich kann es nicht. Ein Fluch hält mich gefangen. Also ziehe ich mich wieder ins Gebälk des kleinen Heiligtums zurück und warte auf Erlösung. Seit 200 langen Jahren.
Nein, ich habe nicht gesündigt. Man tat es mir an, weil ich menschlich war. Menschlich inmitten der Gräueltaten der Schlacht. Wäre ich ein Sünder, dann böte mir auch diese Kapelle keinen Schutz. Sie triebe mich mit der Kraft des geweihten Kreuzes davon.
Der Totenwirt und seine Galgengäste 3
Der Totenwirt und seine Galgengäste
Eine abenteuerliche und höchst wundersame Ritter-, Räuber-, Mörder- und Geistergeschichte aus der grauen Vorzeit, um 1860
Rechtfertigung
In diesem Augenblick trat ein Diener in das Gemach mit der Meldung, dass die Obmänner von sechs gräflichen Dorfschaften dringend um Gehör bitten lassen.
»Was wollen sie?«, fragte der Graf unwillig.
»Ich erkundigte mich schon danach, Herr Graf. Aber die Männer sagten, sie könnten nur Euch anvertrauen, was Weiterlesen
John Tanner – Das Leben eines Jägers 21
John Tanner
Das Leben eines Jägers
oder
John Tanners Denkwürdigkeiten über seinen 30-jährigen Aufenthalt unter den Indianern Nordamerikas
Erstmals erschienen 1830 in New York, übersetzt von Dr. Karl Andree
Einundzwanzigstes Kapitel
Kurze Zeit nach meiner Rückkehr erfuhr ich, dass die Assiniboine sich überall damit groß taten, sie hätten mir mein Pferd gestohlen. Als ich eben Vorbereitungen traf, um es ihnen wieder abzunehmen, gab mir ein Chippewa, welcher mehrmals in mich gedrungen war, ich sollte dergleichen doch nicht tun, ein Pferd, unter der Bedingung, Weiterlesen
Die sechs schlafenden Jungfrauen 13
Die sechs schlafenden Jungfrauen oder: Der schreckliche Zweikampf
Eine furchtbare Ritter- und Geistergeschichte von Wilhelm Bauberger erzählt
Kapitel 13
Die Heimkehr
Außer einem kühnen Gefecht, das die Flüchtlinge, als sie bereits die Gebirge hinter sich hatten und auf flachem Land sich befanden, mit mehreren sie angreifenden Arabern bestanden, und wobei sowohl Alfred als auch die sechs Jünglinge mit ausgezeichneter Tapferkeit kämpften und die Araber teils erschlagen, teils verwundeten und in die Flucht trieben, ereignete sich für unsere Reisegefährten nichts Besonderes, bis sie nach einigen Tagen Jerusalem erreichten. Hier forderte das Geschick aus der Zahl der Flüchtlinge ein schweres Opfer. Leider war es die schöne und liebenswürdige Tochter des Sultans, die Alfreds Herzen fast zu teure Adelma, welche durch ein Weiterlesen
Im fernen Westen – Der junge Auswanderer 2
Der junge Auswanderer
Kapitel 2
Als Herr Levering auf die Straße trat, verriet sein Gebaren nichts von der Unentschiedenheit oder Unschlüssigkeit, womit ein müßiger, junger Mann einen Abendspaziergang in einer fremden Stadt anzutreten pflegt. Er schien im Gegenteil einen ganz besonderen wohlerwogenen Zweck zu verfolgen, denn er überschritt, ohne gerade übermäßige Eile zu zeigen, den Broadway, ging die Wall Street hinab, schlug dann wieder eine andere Durchfahrtsstraße ein und erreichte nach längerer Wanderung Gem Street, von wo er in ein anderes Häuserviertel einbog und endlich in ein Haus von wenig einladendem Aussehen trat. Mancher Fremde würde vielleicht gezaudert haben, nach Einbruch des Abends die Straße zu betreten, worin dieses Haus lag, und noch mehr, sich in dieses Haus hineinzuwagen. Nicht so Levering, dessen Züge ja länger einen desto finsteren und entschlosseneren Weiterlesen

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