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Oskar Ludwig Bernhard Wolff

Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 9

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie Virgilius eine immer brennende Lampe machte

Zum Besten des gemeinen Wesens baute Virgilius auf einem großen und mächtigen Pfeiler von Marmor eine Brücke, die bis an den Palast reichte. Dieser Palast und der Pfeiler standen mitten in Rom und auf diesen Pfeiler setzte er eine Lampe von Glas, die immer brannte, ohne auszugehen. Niemand war, der sie auszulöschen vermochte. Diese Lampe erleuchtete ganz Rom, von einem Ende zum anderen dermaßen, dass es auch in dem kleinsten Winkelgässchen so hell war, als ob dort zwei schöne Fackeln brannten. Auf den Giebel des Palastes aber stellte er eine Figur von Metall, die wie ein Bogenschütze aussah. Diese Figur hielt einen gespannten Bogen mit einem Pfeil darauf, beständig so auf die Lampe gerichtet, als wolle sie dieselbe durch einen Schuss aus­löschen. Allein die Lampe brannte beständig und versah ganz Rom zur Nachtzeit mit dem nötigen Licht.
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Der Märkische Eulenspiegel 19

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauerts Pferde gefüttert worden und wie sie gesprungen sind

Einstmals, als Clauert in Jüterbog zu Markte war und seine Pferde bei sich hatte, ritt er dieselben zu Wasser. Als sie aber nicht saufen wollten, sagte er zu ihnen: »Fressen wollt ihr wohl, aber saufen mögt ihr nicht!«, während er sie doch dort noch in keinen Stall gebracht und ihnen auch weder Heu noch Hafer gegeben hatte. Des anderen Tages begegnete ihm dort ein guter Freund auf dem Markt, der es mit angesehen hatte, wie Clauert am vorigen Tag seinen Pferden hatte zu saufen und nichts zu fressen geben wollen.
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Der Märkische Eulenspiegel 18

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert der Vogelsteller des Hauptmanns Eustachius von Schlieben auf Zossen war und diesen zu Gast lud

Eustachius von Schlieben hatte Clauert als seinen kurz­weiligen Rat sehr gern bei sich. Deshalb nahm er ihn zu seinem Vogelsteller an, was Clauert auch sehr gut verstand. Einstmals bat er seinen Herrn auf dem Vogelherd zu Gast, jedoch so, dass der Hauptmann Essen und Trinken mitbringen sollte. Der Herr von Schlieben erbot sich, es zu tun und schickte am folgenden Tag ganz früh zu sieden und zu braten hinaus, dazu auch seinen Koch, der die Mahlzeit bereiten musste. Mittlerweile kam der Hauptmann selbst mit seiner Mutter Weiterlesen

Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 8

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie der Kaiser Virgilius um Rat fragte, auf welche Weise er die Straßen von den Übeltätern und Nachtschwärmern reinigen solle

Diele Klagen waren zu des Kaisers Ohren gekommen über Diebe und Mörder, welche zur Nachtzeit die Straßen zu Rom sehr unsicher machten. Er erbat sich dieser bald den guten Rat des Virgilius und fragte ihn, was er tun solle, um solchem Unwesen zu steuern.

Da antwortete Virgilius dem Kaiser: »Ihr müsst ein Pferd von Erz machen lassen mit einem ehernen Reiter auf dem Rücken, der in der Hand eine eiserne Keule hält. Dieses Pferd lasst ihr vor dem Rathaus aufstellen und lasst ausrufen, dass in Zukunft abends um zehn Uhr mit einer Glocke geläutet werde, wer aber dann noch auf der Straße sei, würde totgeschlagen werden.«
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Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 7

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie Virgilius Salvatio Romae machte

Der Kaiser fragte Virgilius, wie er Rom glücklich machen könne und wie er es einrichten könne, dass ihm viele Länder untertan seien und er es augenblicklich wisse, wenn eines dieser Länder sich dagegen aufzulehnen gedenke. Virgilius aber antwortete dem Kaiser: »In kurzer Zeit will ich solches ins Werk setzen.«

Und er baute einen Tempel auf dem Kapitol, wo das Rathaus von Rom war, und schmückte ihn mit Bildsäulen und steinernen Bildnissen und stellte alle Götzen, die in Rom angebetet wurden, hinein. Jedes Götzenbild aber hatte eine Schelle in der Hand, und in die Mitte aller setzte er das höchste Götzenbild, das in Rom angebetet wurde. Diese aber nannte er Salvatio Romae, was so viel heißt wie Weiterlesen