Mörder und Gespenster – Band 1 – 6. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Werwolf
Kapitel 6
Mühsam keuchte das Pferd den Abhang hinauf, ängstlich hob sich die Brust des Metzgers und selbst die wütige Frau, die ihn auf dem kurzen Weg mit Scherzen abzulenken versuchte, begann jetzt, bange und fragend nach ihm hinzublicken.
»Hörst du es heulen?«, wisperte der Mann und hielt das Pferd mit einem kräftigen Ruck an, sodass der Wagen eine Strecke zurückrollte.
»Es ist nichts«, erwiderte die Frau mit einem Ton, der ihre Ruhe ausdrücken sollte, doch das Gegenteil verriet, »es ist nichts, es Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 5. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Werwolf
Kapitel 5
Während der Werwolf mit seiner leichten Beute eilig nach Hause trabte, setzte der Metzger seinen Weg ins Kloster über Stein und Stock fort. Es war noch nicht die gewohnte Stunde, als er dort anlangte; er hatte den Weg zurückgelegt, ohne sich Zeit zu lassen. Er musste den Pförtner wecken und tat dies mit so ungestümer Hast, dass dieser sich vom Lager aufraffte, in der Meinung, das Kloster stehe in Flammen. Er entsetzte sich, als er den todbleichen Mann vor sich stehen sah, der kaum sein »Gelobt sei Jesus Christus!« hervorzubringen vermochte.
Der Metzger betrat die Zelle des Pförtners und musste sich einige stärkende Tropfen erbitten, um seine Schwäche zu überwinden, Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 4. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Werwolf
Kapitel 4
Nach langer Zeit – es mochten einige Stunden vergangen sein – sank Simon, der Werwolf, erschöpft auf einen Steinhaufen. Die fieberhafte Aufregung, die ihn so plötzlich ergriffen hatte, war verflogen und hatte eine Erschöpfung zur Folge. Da lag nun das entsetzliche Gespenst am Weg, doch niemand war da, der sich vor ihm fürchten wollte. Selbst war es so hilfsbedürftig, von Hunger und inneren Schmerzen gefoltert. Er wollte sich an der Menschheit rächen, die ihn verstoßen und mit dem Bannfluch belegt hatte. In diesem Augenblick hätte ihm sein ärgster Feind entgegenkommen können, ohne dass er ihm etwas zugefügt hätte. Anstelle von Hass gegenüber anderen fühlte er Mitleid und Bedauern mit sich selbst. Stille Wehmut war in sein Herz Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 3. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Werwolf
Kapitel 3
Es war später Abend. Durch die kalte Winterluft hallte mancherlei Getöse scharf in seine Einsamkeit hinüber. Vom Kirchturm summte die Glocke neunmal. Der Wind pfiff durch die Ritzen seiner baufälligen Hütte, das Röhricht klapperte im Sumpf und dazwischen ertönte ein schriller Laut irgendeines verspäteten Tieres, gefolgt vom Bellen ferner Hunde.
Mit dem Licht des Tages waren ihm alle schönen Träume wieder entschwunden. Er fühlte sich wieder einsam und unglücklich, schauderte vor Kälte und der Hunger plagt ihn aufs Neue. Das wenige Reisig, das er in einer Ecke der Hütte angezündet hatte, ist nur noch ein Häufchen Asche und hier und da verglimmende Glut, in die er verzweifelt starrt. So sitzt er da. Da zieht ein Blitz des Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 2. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Werwolf
Kapitel 2
Ein harter Winter war über die Erde hereingebrochen. Nur die Alten und Kranken mussten zu Hause bleiben, um ihren Leib zu pflegen; nur die Wohlhabenden konnten es ihnen gleichtun. Aber wo waren die in unserem kleinen Dorf? Da niemand im Sommer Vorräte anlegen konnte, um sich in den harten Wintertagen davon zu ernähren, hieß es nun, tatkräftig Hand anzulegen, um sich einen Erwerb zu schaffen und nicht verhungern und erfrieren zu müssen.
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