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Im Original Johannes Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 168

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

222. Der Kuhkopf zu Altenberg

In Altenberg starb einmal einem Bauer alles Vieh an einer bösen Seuche und der Mann wusste sich nicht mehr zu raten und zu helfen. Endlich hörte er von einem alten Hirten ein Mittel und das wandte er auch alsbald an. Er ergriff nämlich die letzte Kuh, welche ihm geblieben war, schnitt der den Kopf ab und legte ihn auf den Söller. Das Vieh, welches er von da an kaufte, starb ihm nicht mehr, selbst einmal nicht, als das ganze Dorf angesteckt war. Es geschah aber eines Tages, dass ein Knecht den Kuhkopf auf dem Boden fand und ihn durchs Fenster auf den Mist warf. Am selben Tag jedoch fiel ein Ochse und ein Kalb, und der ganze Stall wäre leer geworden, hätte der Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 167

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

221. Die weißen Frauen necken

Ein Bauernknabe bei Born in Twenthe hatte mit seinem Meister gewettet, er wolle in der Mitternacht zu den nahen Beltern (kleine Erdhöhen) gehen und die weißen Frauen necken. Wie gesagt, so getan. Der Bauer lieh ihm sein Pferd und als der Mond sich hinter Oldenzaal erhoben hatte, ritt der Junge schnurstracks auf die Belter los und stach mit frevelnder Hand ein spitzes Eisen in einen derselben. Im nämlichen Augenblick stiegen aus diesem und all den anderen Hügeln alle weißen Frauen heraus, welche da wohnten, um den Vermessenen zu zerstückeln. Er wartete aber ihre Kunst nicht ab, sondern ritt, so schnell das Pferd laufen konnte, dem Hof wieder Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 166

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

218. Nixenfrau

Auf einer Brücke zu Brügge ist es nicht richtig. Es geht da um und mancher, der abends da vorbeikam, hat schon sonderbare Dinge erfahren. So kam einmal ein ehrbarer Bürger, der nur ein bisschen angetrunken war, gegen zwölf Uhr und wollte über die Brücke. Auf der Mitte fand er ein Weibsbild, die dasaß und, ich weiß nicht was, tat. Der brave Mann wollte auf sie zugehen, aber das bekam ihm schlimm, denn sie gab ihm einen harten Backenstreich und sprang ins Wasser, wo sie verschwand. Man sagt, dass es die Frau eines Wasserteufels gewesen sei.

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Deutsche Märchen und Sagen 165

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

216. Spuk am grünen Teich

Am grünen Teich an der Straße, die zu dem Saß van Gent führt, hörte man alle Nächte jemand seufzen und kärmen und die Vorübergehenden fragen: »Wo muss ich liegen? Wo muss ich liegen?«

Da kam einmal ein Trunkenbold vorbei, der hörte auch das Ge­rufe und antwortete lachend: »Ei, so leg dich auf des Teufels Nacken!«

Da brauste es plötzlich in der Luft und gleich darauf war es ganz still. Seit der Zeit hat man die Stimme nicht mehr gehört.
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Deutsche Märchen und Sagen 164

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

214. Gespenst erscheint dem Attila

An dem Kloster der Minnen-Brüder zu Augsburg wird an einem Turm ein Gemälde gesehen, welches eine Geschichte vorstellt, die zu Augsburg durch eine mündliche Erzählung von alten Zeiten hergebracht ist. Als nämlich Attila, der Hunnenkönig, mit seiner Armee bei Augsburg über den Lech gehen wollte, ist eine Frau in fürchterlicher Gestalt und auf einem Pferd reitend ihm entgegengestürzt und hat ihm mit grimmiger Stimme dreimal zugerufen: »Zurück Attila! Zurück Attila! Zurück Attila!« Dadurch war er dermaßen erschrocken, dass er auf der Stelle mit seiner Armee umkehrte.

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