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Im Original Johannes Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 132

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

172. Unschuldige gehängt

In einem Wirtshaus hatte die Tochter heimlich unerlaubten Umgang mit einem Mann und die Folge davon war, dass sie ein Kind gebar. Weil die Mutter welche ein böses und heimtückisches Weib war, nun fürchtete, das möge unter die Leute kommen, tötete sie das Kind und legte die Leiche ins Bett der Magd. Als diese nun abends schlafen gehen wollte und ihr Bett aufdeckte, da schrie sie laut auf vor Schrecken ob des Kindes.

Da lief die Wirtin nebst ihrer Tochter herbei und sie riefen: »O du Teufelin, du Mörderin, du bringst unser Haus in Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 131

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

171. Hecke und Alene

In der Zeit, als noch die Heiden in Brabant waren, wohnte zu Dilbeek, einem zwei Stunden von Brüssel gelegenen Dorf, ein grausamer Heidenkönig, der hieß Hecke, und hatte eine überaus schöne Frau, die er auch innig liebte, und die hieß Alene. Diese hörte eines Tages erzählen von einem Christenprediger, der auf der anderen Seite von Brüssel, im Forst, das Wort Gottes verkündigte. Sie beschloss zur Stunde, einmal den Predigten des Apostels beizuwohnen. Das wurde ihr umso leichter, als ein unterirdischer Gang von ihrem Schloss aus unterhalb Brüssel Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 130

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

169. Duns Scotus

Duns Scotus hatte gelobt, die Heilige Schrift zu übersetzen, ohne einige Speise zu sich zu nehmen, denn er gedachte, bei solchem heiligen Werk dürfe ihn kein irdisches Bedürfnis stören. Das führte er auch aus. Als er aber kaum den letzten Buchstaben seiner Übersetzung niedergeschrieben hatte, da fiel er hin und war tot.

170. Doktor Faust

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Deutsche Märchen und Sagen 129

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

168. Albertus Magnus rettet den Papst

Bruder Albert war wohl bekannt mit dem Papst. Es geschah aber, dass er mit demselben lustwandelte. Sie wollten in einem Schifflein auf der See fahren, nahmen nur wenige von des Papstes Dienern mit sich. Nicht lange danach sah der Papst wohl sieben Schiffe mit Kriegsvolk, das war wohl geharnischt und wohl bewehrt. Der Papst begann zu verzagen und das mochte er wohl mit Recht, denn sie umringten sein Schiff und kamen näher, um ihn zu fangen. Von Sizilien waren sie und Manfred (Kaiser Friedrichs II. Bastardsohn) hatte sie gesandt, weil der Papst Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 128

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

167. Wie Albertus Magnus gelehrt und wieder dumm geworden war

Albertus Magnus war schon früh in den Orden des heiligen Dominicus getreten, aber es dauerte nicht lange, da gefiel ihm das geistliche Leben nicht mehr, denn er meinte, dass es ihm an Kopf mangele, um die Tiefen der Gottesgelehrtheit zu ergründen. Darum beschloss er, aus dem Kloster zu fliehen. Er setzte also eines Abends eine Leiter an die Gartenmauer, um da hinüberzusteigen und fortzulaufen. Da aber sah er urplötzlich vier Frauen von ehrwürdigem Wesen vor sich stehen, davon stießen zwei ihn zu wiederholten Malen von der Leiter. Er hatte aber Weiterlesen