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Michael Peinkofer – Das Zauberer-Handbuch

Ich habe es selbst schon oft beobachtet, jeder, der mal eine Lesung besucht hat, kennt es auch. Am Ende werden Autoren immer gefragt, ob man das Schreiben lernen kann, wie man Schriftsteller wird, was man für eine gute Geschichte braucht, wie man einen Verlag findet usw.

Auch Michael Peinkofer musste sich immer wieder diesen Fragen stellen und begann irgendwann damit, all die Fragen und insbesondere die Antworten darauf aufzuschreiben und zu sammeln. So entstand nach und nach das Zauberer-Handbuch, ein Leitfaden für angehende Autoren.

Den Rahmen für all die praktischen Tipps bildet fast schon eine eigene Geschichte, der Autor nimmt den Leser mit auf eine Entdeckungsreise durch den Alltag der Schriftstellerei. Der Leser ist der Hauptprotagonist und begibt sich auf die Suche nach Antworten. Und die bekommt er, auf so ziemlich jede Frage, die irgendwann schon einmal zum Thema gestellt wurde. Michael Peinkofer hat die Fragen und Antworten im Zauberer-Handbuch chronologisch geordnet, sodass die Antworten auf die Fragen zur Entstehung einer Geschichte eben eine eigene Geschichte erzählen.

Während der Frankfurter Buchmesse 2012 hatte ich Gelegenheit, mich mit dem Autor über das Zauberer-Handbuch zu unterhalten. Denn obwohl das Buch viele Antworten enthält, stellten sich mir dann doch wiederum ein paar Fragen. So zum Beispiel die, ob er nicht befürchtet, dass jemand nun aufgrund der vielen Tipps erfolgreicher sein könnte als er selbst. Michael sieht das ganz gelassen. Er verglich das mit einem Kochbuch, wo jeder das gleiche Rezept verwendet und bei jedem schmeckt es dann doch anders.

Auch wenn das Zauberer-Handbuch sich auf den ersten Blick mit dem Schreiben von Fantasy-Geschichten befasst, so muss ganz deutlich gesagt werden, dass die Regeln für das Schreiben für jedes andere Genre ebenso gelten. Und insbesondere auch die Kapitel, die sich mit der Verlagssuche und Agenturen befassen. Literaturagenten beispielsweise sind heutzutage wichtige Mittelsleute zwischen Autor und Verlag, da die Vermarktung durch die multimediale Verwertung von Texten mit unglaublich komplexen Verträgen und Rechtsvorschriften verbunden ist. Will ein Autor sich damit allein auseinandersetzen, so bliebe ihm weniger Zeit für seine eigentliche Tätigkeit.

Das Zauberer-Handbuch ist, wie eingangs erwähnt, chronologisch aufgebaut. Im ersten Teil verrät Michael Peinkofer, wie ein Held geboren wird. Anhand von Beispielen, eigene Bücher des Autors aber auch solche, die er für geeignet hält, um seine Tipps und Hinweise zu untermauern, aber auch anhand von Textbeispielen erklärt Michael Peinkofer, wie einem Helden Leben eingehaucht werden kann. Im zweiten Teil gibt er Tipps zum Handlungsaufbau der Heldenreise und zu den Charakteren, die für eine spannende Geschichte unerlässlich sind. Denn was wäre ein Held ohne einen Gegner, ohne Freunde, ohne Lehrer und Helfer. Dabei weist er auch darauf hin, dass es von der Idee bis zum Schreiben ein weiter Weg ist und dass ein Exposé dafür sehr ratsam ist.

Im dritten Teil geht es dann schon um sehr praktische Tipps zum Schreiben, so z. B., wie man eine Szene eröffnet bzw. welche Erzählperspektive für welche Geschichte am geeignetsten sein kann. Gerade diesen Teil hat Michael Peinkofer mit vielen wertvollen Textbeispielen belegt.

Im vierten Teil des Buches widmet sich Michael Peinkofer den Freunden und Feinden eines Autors und zeigt auf, wer zum Gelingen einer Veröffentlichung des fertigen Buches unerlässlich ist, aber auch, wen man als angehender Autor eher meiden sollte.

Im finalen Konflikt gibt es dann zu guter Letzt Hinweise für den Alltag eines Berufsschriftstellers, die Bandbreite reicht von der Verlagsauswahl bis zum Thema Steuern. Alles Dinge, über die sich ein angehender Schriftsteller wahrscheinlich am Beginn seiner »Heldenreise« noch keine Gedanken gemacht hat, doch wenn der Erfolg sich einstellt, kann man sich eben im 5. Teil des Zauberer-Handbuches schlau machen, was man in seinem neuen Beruf alles zu beachten hat.

Zum Thema Schreiben habe ich in der Vergangenheit schon in einige Ratgeberbücher reingelesen, bin aber nie weit vorgedrungen, weil mich die Vielzahl an Tipps und Tricks meist überwältigt hat. Lediglich Stephen King hat es in Das Leben und das Schreiben schon einmal möglich gemacht, künftigen Autoren wertvolle Hinweise auf unterhaltsame Weise zu vermitteln.

Michael Peinkofer hat es mit der Art, das Wissen im Rahmen einer Geschichte zu vermitteln, geschafft, den Beruf des Schriftstellers in allen Licht- und Schattenseiten zu offenbaren. Dass es am Ende hell bleibt, war zu erwarten, denn auch dieser Beruf ist wie viele andere eine Berufung, in der man die Schattenseiten kennen sollte, aber auch wissen muss, wie man mit ihnen umzugehen hat.

Für mich war das Zauberer-Handbuch eine unterhaltsame und lehrreiche Lektüre, die mir für meine Arbeit am Geisterspiegel wertvolle Hinweise gegeben hat. Jedem Leser, der sich mit dem Gedanken trägt, eine eigene Geschichte zu schreiben, würde ich das Buch empfehlen.

Das Zauberer-Handbuch ist erschienen im Piper-Verlag mit der ISBN: 9783492267915 und kostet 12,99 Euro.

Copyright © 2012 by Anke Brandt