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Mountain Men Teil 3 – Frauen der Berge

Die Mountain Men waren ein sehr kleiner und einzigartiger kultureller Teil Amerikas zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie unterschieden sich vom Rest der Bevölkerung, indem sie die unberührte Wildnis zwischen St. Louis im Osten und dem spanischen Kalifornien im Westen erforschten und durchstreiften. Sie überwanden dabei reißende Flüsse und steile Berge, nahmen mit der meist indianischen Bevölkerung Kontakt auf, sahen Fantastisches unvorstellbaren Ausmaßes, überstanden zahlreiche Strapazen und erfuhren einige der unglaublichsten Abenteuer. Die Mountain Men waren aber auch Meister der »Lügen«, denn ihre Geschichten beinhalteten nicht nur wirklich Erlebtes.
Sie unterschieden sich nicht von Generationen von Pelzjägern, die es bereits in den frühen Jahren des 17. Jahrhunderts gab. Sie alle drangen tief in die Wildnis ein, um dem soft gold, dem Biberpelz, auf die Spur zu kommen. Sie ließen ihre Familien zurück, verzichteten auf den Komfort der Zivilisation und richteten ihr Augenmerk auf Anerkennung und Reichtum im Pelzhandel. In all den Jahren wurde das Leben der Mountain Men verklärt und falsch interpretiert. Doch der Mythos dieser Männer soll nicht in Vergessenheit geraten und in einigen ausgewählten Beiträgen unseren Lesern etwas näher gebracht werden.


Frauen der Berge

Für Männer und Frauen war das Leben Anfang des 19. Jahrhunderts sowohl in den Siedlungen als auch in der Wildnis äußerst brutal und hart. In jenen Zeiten lag die durchschnittliche Lebenserwartung einer Frau bei 25 bis 30 Jahre, beim Mann circa 35 Jahre.
Frauen europäischer Abstammung, welche im Pelzhandel tätig waren, gab es fast nicht. Es war nur eine kleine Anzahl Frauen von Geschäftsleuten der Hudson’s Bay Company und der Northwest Company, die ihre Männer zu den entlegenen Forts und Handelsposten begleiteten. Diese Frauen hatten es sehr schwer, sich an das Leben weitab der Zivilisation zu gewöhnen.
Bekannt als Tender Exotics traten bei vielen dieser Damen im Laufe der Zeit psychische Probleme auf, sodass die einzige Lösung darin bestand, sie zurück nach Europa oder zumindest in die Städte an der Ostküste Amerikas zu schicken. Eine klassische Erziehung im Sinne der britischen Gesellschaft jener Zeit genossen, erwartete man von den Frauen, dass sie nur mit Frauen ihres Standes Umgang pflegten. Doch dazu kam es der Wildnis kaum. Es war auch nicht gern gesehen, dass man mit Indianer- oder Halbblutfrauen verkehrte, selbst wenn man imstande war, mit ihnen zu kommunizieren. Außerdem bestand eine Aufgabe darin, das Personal bei der Erledigung der Hausarbeit zu beaufsichtigen. Die Frau eines Unternehmers musste für ihren Mann da sein und ihn unterhalten. Außerdem musste die Hausherrin bei Abwesenheit ihres Mannes dessen Geschäfte weiterführen. Und dies konnte mehrere Monate andauern.
Es ist kein Wunder, dass unter solchen Bedingungen der Isolierung und Einsamkeit an einen längeren Aufenthalt in den Forts und Handelsposten nicht zu denken war und es kaum eine Frau länger als ein Jahr in der Wildnis aushielt. Naturgesetze und gesellschaftliche Anforderungen waren die Hauptursachen, dass die Tender Exotics in der Wildnis einfach nicht überleben konnten.

In den nördlichen Plains und im Gebiet der Rocky Mountains brachten sich die Frauen der Indianer innerhalb des Stammes primär in die Haushaltsführung ein. Aus europäischer Sicht nahmen sie eine größere Rolle und damit verbunden eine höhere Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft größer als ihre Partner ein. Die Frauen waren für eine Vielzahl von Tätigkeiten verantwortlich. Dazu gehörten die Erziehung der Kinder, das Kochen, das Ausschlachten erlegter Tiere, die Weiterverarbeitung von Fellen und Häuten, das Sammeln von Brennholz, das Konservieren von Lebensmitteln, die Herstellung und Reparatur von Bekleidung und Schuhwerk sowie der Auf- und Abbau des Lagers.
Das Hauptaugenmerk wurde jedoch auf das Gerben und die Weiterverarbeitung der Büffelfelle gelegt, da sich damit Ansehen und Reichtum vergrößern ließ. Ein geschäftstüchtiger Indianer konnte dafür mehrere seiner Frauen einsetzen. Sehr oft wurden Frauen mehr oder weniger als persönliches Eigentum behandelt. Ein Freier musste dem Vater der Braut – oder dem ältesten Bruder, falls der Vater bereits verstorben war – Pferde, Gewehre, Decken, Kochkessel … als Entgelt für die Frau überreichen. Der Preis der Braut wurde auf den Wert festgelegt, der angebracht war, um den Verlust der Produktivität der Frau bei der Verrichtung der Hausarbeit auszugleichen.
Die Ehefrau eines Pelzhändlers zu werden, bot der Indianerin die Aussicht auf eine abwechslungsreiche Lebensweise, die häufig physisch und materiell leichter zu ertragen war. Eine solche Verbindung verlangte einige persönliche Veränderungen, da die indianische Frau gezwungen wurde, sich den patriarchalischen Ansichten über Haus und Familie unterzuordnen. Es ist überliefert, dass Cree-Frauen es als eine Ehre ansahen, durch einen Reisenden ausgewählt zu werden.
Eine Indianer-Frau, die einen Trapper oder Händler heiratete, konnte

  • weiterhin in ihrem Dorf bleiben, wo er sie regelmäßig besuchte,
  • mit ihrem Ehemann im Ford oder Handelsposten leben
  • oder ihn durch die Wildnis begleiten.

Es wird behauptet, dass die einzige Autorität, welche der freie Trapper anerkannte, die seiner indianischen Gattin war. Der Haushalt war effektiv das Eigentum der Frau, und bis zu einem gewissen Grad waren die Produkte ihrer Arbeit die ihrigen, über die sie frei verfügen konnte. In einigen Aspekten genoss die Indianerin mehr Rechte als ihr europäisches Gegenstück, was zuweilen zur beträchtlichen Verwirrung unter den patriarchalischen Händler und Trappern führte.
Ob sie in ihrem Dorf blieb oder ihren Mann begleitete, änderte kaum etwas an ihrem früheren Leben, außer dass sie Zugang zu Dingen hatte, die für viele andere Frauen nicht verfügbar waren. Frauen indianischer Abstammung erwarteten und erhielten großzügige Geschenke, weil sich ihre Männer bemühten, sie am besten gekleidet im Dorf oder beim Rendezvous mit anderen Trappern und Händlern präsentieren zu können.
Da es in den Bergen keinen Klerus gab, wurden die Ehen nach den Gepflogenheiten des Landes oder la facon du pays, nach dem Bedarf der Händler und Eingeborenen, geschlossen. Die Indianer förderten anfänglich die Eheverbindungen zwischen ihren Frauen und den Europäern. Sie sahen die Ehen in einem sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhang, wodurch eine Verbindung geschaffen wurde, welche dazu diente, die Wirtschaftsbeziehungen zu den Händlern aufrechtzuerhalten. Als Gegenleistung der Inanspruchnahme häuslicher und sexueller Rechte an den Frauen durch die Händler erwarteten die Indianer Privilegien im ungehinderten Zugang zu den Handelsposten und in der bevorzugten Bereitstellung von Handelswaren. Unter den Cree-Indianern war es üblich, ein oder mehrere Töchter den Händlern anzubieten.
Die Vorteile der Mischehen kamen auch den Händlern zugute. Einerseits sicherte die Ehe mit einer Tochter eines erfolgreichen Jägers oder Häuptlings deren Pelze, andererseits konnte man sich mithilfe der Ehefrau als Übersetzerin mit den Stämmen verständigen. Außerdem konnte sich der Ehemann auf die Jagd und den Pelzhandel konzentrieren und wusste die für ihn lästige Hausarbeit in der routinierten Obhut der Ehefrau.

Von den Trappern, Händlern und Frauen wurde die Ehe im Allgemeinen nicht als eine langfristige Bindung angesehen, obwohl es einige Beziehungen unter ihnen gab, bis dass der Tod sie schied.
Ein Mountain Man bzw. Händler konnte neben seiner Stadtfrau mehrere Indianerfrauen eines oder verschiedener Stämme besitzen, da die Wahrscheinlichkeit, dass sich Stadtfrau und Landfrau(en) begegnen würden, sehr gering war.
In vielen Fällen, in denen ein Mountain Man aus den Bergen wieder in die Zivilisation ging, ließ er seine Landfrau mit großzügigen Geschenken zurück. Diese kehrte in die Hütte ihres Vaters/Bruders zurück und verrichtete dort den Haushalt, bis ein neuer Freier um ihre Hand anhielt. Die Indianerfrauen erwarteten nicht, dass solche Beziehungen auf Dauer geschlossen wurden. Sie fühlten sich als Ware, die man nach Belieben wegwerfen konnte. Dieses Wegwerfen war in jener Zeit gleichzusetzen mit dem Führen eines Hundelebens unter jämmerlichen Bedingungen.
Eine Frau konnte so wie der Mann auch die Scheidung herbeiführen. Entschloss sie sich, diesen Schritt zu machen, brauchte sie nur die persönlichen Dinge ihres Mannes bei dessen Abwesenheit vor die Tür zu stellen. Dem zurückkehrenden Ehemann blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder er überzeugte seine Frau davon, was für ein sorgsamer Ehemann er war, oder er nahm seine Sachen und verließ seine Angetraute.
Einige der Männer, besonders Angestellte der Hudson’s Bay Company und North West Company stellten ihren Landfrauen eine Jahresrente zur Verfügung, jedoch viel zu viele verschwanden einfach aus dem Leben der eingeborenen Familien.
Es gab auch Fälle von Trennungen, bei denen versucht wurde, die Frau zu verkaufen, um den finanziellen und materiellen Verlust in Grenzen zu halten.
Der Arzt und Botaniker Friedrich Adolph Wislizenus notierte nach einem Treffen mit Trappern im Jahre 1839, dass einer der Männer eine Indianerin vom Stamm der Eutaws für 500 Dollar gekauft hatte und sie für die Hälfte des Kaufpreises weiterverkaufen wollte. Sie sei ein kleines, unförmiges, fettes Etwas, doch schien sie gute Qualitäten zu besitzen, da der Trapper die Frau als jung, sanft und erstklassig anpries. Dr. Wislizenus erwähnte in seinem Journal nicht, ob der Mann die Frau tatsächlich verkaufen konnte.
Natürlich war die Frau den gleichen Gefahren, Entbehrungen und Nöten ausgesetzt wie der Mann, wenn sie ihn zu einem Fort oder Handelsposten begleitete. Aus diesem Grund schätzten die indianischen Frauen europäische Technologien wie Kessel, Messer, Ahlen und Wollstoffe, um etwas Luxus im tristen Alltag genießen zu können.
In vielen Beispielen waren es Indianerinnen, die als Verbündete oder Friedensstifterin handelten, um den Pelzhandel mit den Indianerstämmen zu forcieren. Es gibt dokumentierte Fälle, wo sie sich aktiv gegen Indianerangriffe auf Händler einsetzten.
Eine der wohl bekanntesten Indianerinnen war Sacajawea von Stamm der Shoshoni, deren Mann Toussaint Charbonneau als Dolmetscher für Lewis und Clark arbeitete. Als inoffizielle Teilnehmerin an der Expedition der beiden Forscher erwies sie sich mehr als nützlich und erarbeitete sich den Status eines respektierten und akzeptierten Teammitgliedes. Nicht zuletzt sind die geografischen, wissenschaftlichen und kulturellen Erkenntnisse der Lewis-und-Clark-Expedition zum größten Teil ihr zu verdanken.

Text- und Bildquellen:

  • Bernard DeVoto: Across the Wide Missouri, First Mariner Books edition, New York, 1998
  • F. A. Wislizenus: A Journey to the Rocky Mountains in the Year 1839, Missouri Historical Society, 1912
  • www.northlandart.com

Copyright © 2012 by Wolfgang Brandt