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Interview mit Oliver Hoffmann – Verlag Feder&Schwert

Der Mannheimer Verlag für phantastische Literatur und Rollenspiele wurde im Jahr 1989 gegründet. Zunächst lag der Schwerpunkt auf Horror, Science Fiction und Fantasy, doch schon bald wurde Feder & Schwert bekannt wegen seiner Rollenspielprodukte, die er in deutscher Übersetzung auf den Markt brachte. Als Beispiel seien hier Welt der Dunkelheit und Vampire: Die Maskerade genannt. Letzteres wurde auch als Computerspiel umgesetzt und als Fernsehserie adaptiert. Aber zu den bekanntesten Rollenspiellizenzen, die den Verlag populär machten, gehören unumstritten wohl Dungeons & Dragons (2004-2008) sowie Warhammer/Warhammer 40 k (seit 2005/ 2008).

Neben Rollenspielbüchern verlegt Feder & Schwert aber auch Romane zu den Spielewelten Ebberon und Die vergessenen Reiche.

Wie der Name des Verlages schon sagt, verbindet Feder & Schwert das Rollenspiel mit der Erzählkunst. Dennoch geht der Verlag auch immer neue Wege.

Im Jahr 2001 produzierte Feder & Schwert ein multimediales Spieleereignis. Mit Engel erschienen mehrere Produkte gleichzeitig, die Comic, Literatur und Spiele in sich vereinten.

Seit 2007 beschreitet Feder & Schwert nun noch einen neuen Weg abseits des Rollenspiels. In der Reihe origin erscheinen phantastische Romane, die sich jenseits des Mainstreams bewegen. Romane mit phantastischen Elementen »in der alten Tradition des Geschichtenspinnens und des gehaltvollen Erzählens« (www.feder-und-schwert.com). Alle Romane in der Reihe origin sind deutsche Erstveröffentlichungen. Gleich der erste Roman der Reihe Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew von Oliver Plaschka gewann den Deutschen Phantastikpreis als bester Debütroman. In diesem Jahr konnte dieser schöne Erfolg durch Ju Honischs Roman Das Obsidianherz wiederholt werden.

Auf der Homepage des Verlages www.feder-und-schwert.com gibt es zu allen Autoren Portraits, die Bücher werden allesamt sehr ausführlich vorgestellt, wichtige Termine wie Neuerscheinungen oder Events stehen unter den neuesten Nachrichten und ein eigener Onlineshop rundet das virtuelle Erscheinungsbild des Verlages ab.


 Interview mit Oliver Hoffmann

Geisterspiegel: Hallo Oliver, der Verlag Feder & Schwert feierte im letzten Jahr seinen 20. Geburtstag, Grund für mich, dir ein paar Fragen zur Geschichte des Verlages und zum aktuellen Programm zu stellen.
Wie fing das damals alles an? Wer hatte die Idee für die Gründung des Verlages?

Oliver Hoffmann: Es begann eigentlich mit einer regelmäßigen Rollenspielrunde, in der wir fast ausschließlich selbst geschriebene Abenteuer spielten. Irgendwann hatte ich die Idee, diese einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Geisterspiegel: Wie kam es zu dem bezeichnenden Namen Feder & Schwert, der mit zwei Worten ein ganzes Programm ausdrückt?

Oliver Hoffmann: Die Namensidee hatte unser mittlerweile ausgeschiedenes Gründungsmitglied Marco Mantar. Wir saßen in Ludwigshafen um einen Spieltisch herum und warfen einander Ideen an den Kopf, und irgendwann sagte er ganz unvermittelt: »Oder wie wär’s mit Feder&Schwert?« Dabei blieb es dann.

Geisterspiegel: Feder & Schwert hat verschiedene Rollenspiele in Deutschland sehr populär gemacht. Ein großer Teil des Verlagsprogramms besteht aus Rollenspielbüchern. Einige Spiele wurden in Computerspielen umgesetzt oder in Film und Fernsehserien adaptiert. Woher rührt das große Interesse deinerseits und inwieweit bringst du deine eigenen Rollenspielerfahrungen ins Programm ein?

Oliver Hoffmann: Rollenspiele, vor allem die aus der Welt der Dunkelheit, haben sicher das Gesicht unseres Verlags lange geprägt. Vampire hat in den 90ern ja im Grunde jedes Genre erobert. Allerdings liegen die Schwerpunkte heute deutlich anders, nämlich bei phantastischer Literatur. Aber wir alle sind nach wie vor begeisterte Rollenspieler, und mein persönlicher Geschmack hat sicher stets bei der Programmauswahl eine Rolle gespielt, wenn das Wortspiel erlaubt ist.

Geisterspiegel: Wer trifft die Auswahl bei den Rollenspielen, die ihr vermarktet und unter welchen Aspekten werden sie ausgewählt?

Oliver Hoffmann: Ich bin für das Programm verantwortlich, treffe aber Entscheidungen nicht autokratisch, sondern stimme sie – wie alles, was bei uns geschieht – mit meinen drei Mitgesellschaftern ab. Wie gesagt nimmt der Rollenspielanteil unseres Verlagssortiments derzeit eher ab; ENGEL, unser Eigenprodukt, ist nahezu abgeschlossen, WARHAMMER und WARHAMMER 40.000 befinden sich im Programm, weil mein Kollege Oli Graute und ich die Warhammer-Welt sehr lieben … und KLEINE ÄNGSTE, das wir demnächst limitiert neu auflegen, ist uns ohnehin ein besonderes Anliegen.

Geisterspiegel: Im Jahr 2001 startete Feder & Schwert mit Engel ein multimediales Spieleereignis, welches laut Website wieder eingestellt wurde. Möchtest du an dieser Stelle Engel noch einmal kurz aufleben lassen und uns etwas darüber erzählen?

Oliver Hoffmann: Engel wurde nicht eingestellt, sondern wird Ende dieses Quartals durch einen Abschlussroman aus Olis Feder zu Ende gebracht. Es handelt sich um ein von Anfang an als finit angelegtes Erzählspiel, das neben den klassischen Rollenspielpublikationen auch als Comic und Roman erlebbar wurde, zu dem es einen Soundtrack der britischen Band In The Nursery gab und einiges mehr. Es gab zudem eine spanische und eine US-amerikanische Lizenzausgabe.

Geisterspiegel: Neben dem Rollenspiel hat der Verlag auch von Anfang an Romane herausgegeben. Nicht irgendwelche Romane, sondern oftmals rollenspielbezogene. Dabei verspricht der Verlag immer spannende Unterhaltung. Was unterscheidet eure Romane nun eigentlich genau von denen anderer Verlage? Was macht sie so besonders?

Oliver Hoffmann: Auch das ist nicht ganz richtig; unser erster Roman Sonja Blue: Racheengel von Nancy A. Collins erschien 1997, da waren wir schon zehn Jahre alt. Danach haben wir ein Weilchen nur spielbezogene Belletristik gemacht, um unsere Rollenspiellinien zu unterstützen. Aber wir waren zweifellos auch der deutsche Verlag, der lange vor dem Vampir-Boom mit Tanya Huff und Charlaine Harris Autorinnen verlegte, die diesen Trend, heute hässlich »Romantasy« genannt, begründeten.

Geisterspiegel: Seit 2007 bringt Feder & Schwert in der Reihe origin phantastische Romane in deutschen Erstveröffentlichungen auf den Markt. Fernab des Mainstreams sollen sie sein, doch wo zieht ihr da genau die Grenzen?

Oliver Hoffmann: Wir versuchen, Phantastik im weitesten Sinne abseits ausgetretener Pfade zu präsentieren. Bei uns wird es keine Völker-Fantasy oder, um es mit Kai Meyer zu sagen, »Trash-Fantasy« geben.

Geisterspiegel: Bisher sind drei Romane unter dem Label origin erschienen, allesamt von deutschen Autoren. Waren Manuskripte aus Amerika beispielsweise nicht originell genug für die origin-Reihe oder heißt origin auch, dass keine Übersetzungen dafür infrage kommen?

Oliver Hoffmann: Es sind mittlerweile fünf – die beiden mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichneten Titel Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew (Oliver Plaschka) und Das Obsidianherz (Ju Honisch), außerdem Ulrich Drees‘ Das Spiel des Asen und die beiden Folgebände von Ju, Salzträume 1 und 2. Für origin würde ich zwar grundsätzlich Übersetzungen in Betracht ziehen, aber die deutsche Phantastik-Szene ist reichhaltig genug, um nicht in die Ferne schweifen zu müssen, wenn das Gute so nah liegt.

Geisterspiegel: Euer Programm ist zwar sehr rollenspiellastig, dabei aber auch ungeheuer facettenreich. Welche Rubrik gefällt dir am besten und was würdest du aus heutiger Sicht noch einmal genau so machen oder auch völlig anders?

Oliver Hoffmann: Nun ja, der Schwerpunkt liegt mittlerweile schon eher auf der Literatur. Mir persönlich liegt origin am meisten am Herzen. Und ich denke, ich kann für alle Entscheidungen, die ich getroffen habe, sagen, dass sie mir zum Zeitpunkt, da ich sie fällte, gut und richtig erschienen.

Geisterspiegel: Wie siehst du die Zukunft des Rollenspiels und vor allem den Zusammenhang von Buch und Spiel aus heutiger Sicht im Vergleich zu den Anfängen des Verlages?

Oliver Hoffmann: Rollenspiel hat in seiner klassischen Form keine Zukunft, ganz anders als in der Goldgräberzeit, als wir anfingen.

Geisterspiegel: Zum Schluss möchte ich dich bitten, uns noch einen kleinen Blick in die Zukunft des Verlages zu geben. Momentan triumphiert die Fantasy auf dem Buchmarkt, was Feder & Schwert sicher auch zu spüren bekommt. Habt ihr einen Plan für die »Zeit danach«?

Oliver Hoffmann: Wir werden sicher der Phantastik treu bleiben. Einen neuen Schwerpunkt wird Steampunk bilden; das begann mit Ju Honischs Salzträumen und wird mit Dru Pagliasottis Das mechanische Herz nicht aufhören. Im Rollenspielbereich arbeiten wir derzeit an einer komplett überarbeiteten Neuauflage unseres Überraschungserfolgs Kleine Ängste.

Geisterspiegel: Welche Neuerscheinung möchtest du unseren Lesern noch empfehlen und warum gerade diese?

Oliver Hoffmann: Da liegen mir zwei Dinge am Herzen. Zum einen unser neuer Charlaine-Harris-Roman Stummer Zorn, weil er ein mutiger Krimi ganz ohne Vampire ist, der sich, ohne sensationsheischend zu sein, schonungslos offen und aus weiblicher Sicht dem Thema Vergewaltigung nähert. Zum anderen ist da der mittlerweile siebte Band unserer Nightside-Reihe um den okkulten Ermittler John Taylor, Höllenärger – denn wer ihn liest, wird ihn lieben und dann hoffentlich die Bände 1-6 nachholen. Diese Reihe von Simon R. Green hätte endlich mehr Aufmerksamkeit verdient, denn sie ist ein echter Knaller!

Geisterspiegel: Ich danke dir für das Interview und wünsche dem gesamten Team von Feder & Schwert alles Gute für die Zukunft.

Die Fragen stellte Anke Brandt

Copyright © 2010 by Anke Brandt

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