Nick Carter – Band 20 – Ein Kindesraub – Kapitel 7
Nick Carter
Amerikas größter Detektiv
Ein Kindesraub
Ein Detektivroman
Kapitel 7
Eine Partie Poker
In der Lobby eines Hotels in Port Jervis saß ein junger Mann. Die Hände hatte er entspannt im Schoß gefaltet, die Füße nach amerikanischer Ungezwungenheit bequem auf einen zweiten Stuhl gelegt. Der Kopf war weit zurückgelehnt, und zwischen den Lippen klemmte eine erloschene Zigarre.
Dieser junge Gentleman, der nach außen hin wie ein Müßiggänger erster Güte wirkte, war in Wahrheit Nick Carters unermüdlichster Spürhund: kein anderer als unser junger Freund Patsy, der sich diesmal unter dem Decknamen F. H. Bentley ausgab.
Es war kurz vor Mitternacht. Seit einer halben Stunde hielten sich in der Empfangshalle und dem kleinen, durch eine Schranke abgetrennten Hotelbüro nur noch zwei Personen auf: der demonstrativ gelangweilte Mr. Bentley und der noch erheblich müdere Nachtportier des Hauses.
Gähnend rieb sich der Portier den Schlaf aus den Augen. Der letzte Zug aus New York war eben eingetroffen, und er war gespannt, ob sich noch späte Gäste im Hotel einfinden würden.
Er war kurz davor, die Hoffnung aufzugeben, als die Außentür aufgemacht wurde und ein Mann hastig eintrat. Schon auf zwanzig Schritte Entfernung sah man ihm den typischen Handelsreisenden an, der in Öl oder Schmierseife machte.
Er trug zwei riesige Koffer bei sich, die er mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung vor dem Empfangstresen abstellte. Das Geräusch war jedoch nicht laut genug, um Mr. Bentley aus seinen tiefen Gedankengängen zu reißen.
»Well, ich brauche ein Zimmer für die Nacht. Das beste im Haus, aber bitte nicht teurer als 75 Cent! Und das Bett muss sauber und ungezieferfrei sein.«
»Natürlich«, brummte der Nachtportier. »Garantieren können wir für etwaige Wanzen zwar nicht, aber wir verlangen dafür immerhin keinen Aufpreis. Bleiben Sie länger?«
»Das hängt von den Geschäften ab, die ich in diesem Nest abwickle«, antwortete der Reisende herzhaft gähnend.
Der Hotelangestellte trug ihn als Mr. Nixon ins Register ein und fragte, ob er sich gleich auf sein Zimmer begeben wolle. Der Reisende bejahte, woraufhin der Nachtportier die schwere Aufgabe übernahm, die beiden gewichtigen Musterkoffer ins obere Stockwerk zu tragen. Als er an die Rezeption zurückkehrte, fand er Mr. Bentley damit beschäftigt, sich gähnend zu strecken und zu recken.
»Mitternacht!«, äußerte der junge Gentleman mit einem Blick auf die Uhr. »Ich habe so angestrengt nachgedacht, dass ich darüber eingeschlafen bin. Geben Sie mir meinen Zimmerschlüssel!«
Seltsamerweise drängte es Mr. Bentley keineswegs in sein eigenes Zimmer. Stattdessen begab er sich mit dreister Unbefangenheit zu dem Raum, der dem neuen Hotelgast zugewiesen worden war, und klopfte leise an die Tür.
Der Handlungsreisende öffnete ebenso leise, ließ Mr. Bentley eintreten und schloss die Tür wieder behutsam hinter ihm.
»Guten Abend, Meister«, sprach der Eingetretene ohne Umschweife. »Unser Mann befindet sich hier im Hotel.«
»Was du nicht sagst, Patsy. Seit wann denn?«
»Er ist kurz nach neun Uhr angekommen.«
»Er hat doch hoffentlich keinen Verdacht geschöpft und beargwöhnt dich?«
»Nein, auf keinen Fall. Wenn ich recht informiert bin, spielt er Karten.«
»Poker?«, erkundigte sich der Detektiv.
»Jedenfalls ein Spiel dieser Art, Meister – da lässt sich schließlich am leichtesten gaunern.«
»Wie viele spielen mit?«
»Außer ihm noch drei andere. Allerdings kenne ich nur den Namen von einem. Der Portier redete ihn mit Harry an, und Groble nannte ihn Mr. West. Er ist Bankangestellter hier in Port Jervis.«
»Ein leichtsinniger Bursche, was?«
»Kann ich nicht sagen, Meister. Aber viel kann an ihm nicht dran sein, sonst würde er sich nicht mit Groble und seinen Genossen einlassen. Die stehen ihrem Anführer in nichts nach – das sind ganz durchtriebene Kerle.«
»Nun, wenn mich nicht alles täuscht, ist dieser Bankangestellte Harry West das Lamm, das geschoren werden soll«, brummte der Detektiv.
»Gut möglich, Meister.«
»Es würde mich reizen, dem Spiel ein wenig zuzusehen. Ich schaue mal, was sich machen lässt«, erklärte Nick.
»All right. Mein Zimmer ist die Nummer 54. Gute Nacht, Meister – und viel Vergnügen!«
Damit begab sich Patsy auf sein Zimmer, während der Detektiv sorgfältig seine Revolver überprüfte und anschließend wieder hinunter in die Lobby ging.
»Zufrieden mit Ihrem Zimmer, Mr. Nixon?«, empfing ihn der Nachtportier.
»Einfach großartig. Aber zum Schlafen habe ich noch keine Lust. Ist denn gar nichts mehr los? Das Billardzimmer ist wohl auch schon geschlossen?«
»Hier im Hotel sicherlich. Die Leute in Port Jervis gehen früh schlafen. Übrigens«, setzte der Angestellte nach kurzer Überlegung hinzu, »falls Sie Lust auf ein kleines Spielchen hätten …«
»Poker?«, unterbrach ihn der Detektiv mit einem Augenzwinkern.
»Darauf läuft es wohl hinaus.«
»Nun, das wäre genau das Richtige für meines Vaters einzigen Sohn! Kann ich mich beteiligen?«
»Nachfragen kostet nichts – ich sehe mal nach, ob sich da was machen lässt.«
»All right. Sie müssen aber nicht gleich sagen, dass mir so viel am Mitspielen liegt … Es reicht schon, wenn ich ein Stündchen zusehen darf, nur um mir die Zeit zu vertreiben!«, rief Nick dem Sich-Entfernenden hinterher.
»All right, ich frage Mr. Groble.«
Wenige Minuten später kehrte der Portier mit der Nachricht zurück, dass es den Herren recht sei, wenn Mr. Nixon zuschauen oder mitspielen wolle – ganz nach seiner Wahl.
Er führte den Detektiv zu einem gewöhnlichen Hotelzimmer. Dort saßen vier Männer um einen Tisch, der mit Karten, Spielmarken, Flaschen und Gläsern übersät war.
Drei von ihnen erkannte Nick Carter auf den ersten Blick: Es waren Groble sowie zwei seiner Handlanger, die am Parktor Wache gestanden hatten und dort Cal und Alec genannt worden waren. Alec wurde dem Detektiv nun als Mr. Macdougal vorgestellt, Cal als Mr. Armstrong und der vierte, ihm noch unbekannte Mitspieler – ein schmächtiger Mann Anfang zwanzig – als Mr. West.
»Wollen Sie sich am Spiel beteiligen?«, erkundigte sich Groble nach der Begrüßung und lächelte den vermeintlichen »Musterreitenden« gewinnend an.
»Nun«, erklärte der Detektiv freimütig, »für meine Verhältnisse scheint mir Ihr Einsatz etwas zu hoch zu sein. Ich schaue am besten erst einmal zu. Vielleicht gestatten mir die Herren, in der Zwischenzeit eine gute Flasche Wein zu bestellen?«
»Vor einem guten Glas Wein bin ich noch nie davongelaufen«, brummte Cal trocken.
Nick bedeutete dem Nachtportier, eine Flasche Champagner zu bringen.
Nachdem die Flasche entkorkt und die Gläser gefüllt worden waren, wurde das Spiel fortgesetzt. Gespielt wurde »Jackpot«, eine Variante des amerikanischen Nationalspiels. West saß Groble gegenüber, und Nick rückte seinen Stuhl so zurecht, dass er diesem über die Schulter schauen konnte.
Der Grundeinsatz betrug 20 Dollar; jeder Spieler zahlte diesen Betrag in Jetons ein, bevor die Karten gemischt und ausgegeben wurden.
Groble war mit Geben an der Reihe. Cal, der zu seiner Rechten saß, passte. West hatte zwei Könige auf der Hand und eröffnete mit 20 Dollar. Die übrigen Mitspieler trieben den Einsatz in die Höhe, bis schließlich 160 Dollar im Pot lagen.
»Ein recht ordentlicher Einsatz für einen Bankangestellten, der vermutlich kaum 80 Dollar im Monat verdient!«, ging es dem Detektiv durch den Kopf.
Jeder Spieler tauschte drei Karten. Keiner schien sich verbessert zu haben, bis schließlich einer der Gegenspieler ein Paar Asse zusammen hatte.
West setzte eine weiße Spielmarke, bevor er seine gezogenen Karten ansah, und nahm sie erst auf, als auch die Mitspieler gesetzt und getauscht hatten. Nun erhöhte Alec den Einsatz um 5 Dollar. Groble brütete eine Weile über seinen Karten und bot schließlich 100 Dollar. Cal stieg aus.
Dann sah sich West seine Karten an. Er hatte zwei Zehnen gezogen. Da es ihm zu schade erschien, seine beiden ursprünglichen Könige aufzugeben, begann er seinen Jetonvorrat zu zählen. Er reichte nicht aus, um die geforderten Einsätze mitzugehen, weshalb er in die Tasche griff, um frisches Geld hervorzuholen.
»Ich muss wohl wieder meiner Mutter schreiben«, meinte er mit einem matten Lächeln.
Alec erhöhte den Einsatz um weitere 100 Dollar.
Der Detektiv begriff, dass die beiden Gauner ihr Lamm scheren wollten, und erwartete, dass Groble den Einsatz noch weiter treiben würde. Zu seinem Erstaunen geschah das jedoch nicht.
Sichtlich nervös holte der junge Bankangestellte einen Hundert-Dollar-Schein aus der Tasche und warf ihn in den Pot.
Nun wurden die Karten aufgedeckt. Gegen Wests Könige hatte Alec drei Vieren aufzuweisen, während Groble zwei Paare hielt.
»Kleine Hausnummer, hat aber gereicht!«, meinte Alec lachend und strich den Inhalt des Pots ein.
Mit zusammengepressten Lippen lehnte sich West in seinem Stuhl zurück.
»Haben Sie genug?«, fragte Groble spöttisch. »Wollen Sie aufhören?«
»Eher lasse ich mich aufhängen – jetzt fängt das Spiel erst richtig an!«, rief der Bankangestellte in wilder Erregung. »Das Glück wird schon wieder auf meine Seite wechseln!«
Mit einem gezwungenen Lächeln wandte er sich an den Detektiv: »Vor einer Stunde hatte ich noch über 500 Dollar gewonnen!«
»Tatsächlich?«, brummte Nick gespielt erstaunt.
Eigentlich verspürte er den Drang, den jungen Mann vor dem Weiterspielen zu warnen; doch letztlich war es nicht seine Aufgabe, einen törichten Spieler vor unvermeidlichen Verlusten zu bewahren.
West kaufte Jetons im Wert von 500 Dollar, woraufhin Cal die Karten mischte und austeilte. Diesmal hatte West ein Paar Buben, womit er den einfachen Einsatz gewann. Beim nächsten Geben, das er selbst übernahm, erzielte er das gleiche Ergebnis. Schließlich war Alec mit Austeilen an der Reihe, und nach kurzer Zeit lagen bereits 240 Dollar im Pot.
Cal eröffnete mit 50 Dollar. West hatte drei Siebenen auf der Hand und erhöhte auf 100 Dollar. Daraufhin stieg Alec aus, und Groble war am Zug.
West zog eine Karte, die anderen jeweils drei. Cal wettete eine weiße Marke, woraufhin West die von ihm gezogene Karte ansah. Er hatte eine vierte Sieben gezogen und hielt nun ein Viererpack.
»Ich erhöhe um 100 Dollar!«, erklärte er ruhig.
Augenblicklich legte Groble seine Karten ab, und nach kurzer Überlegung folgte Cal seinem Beispiel.
»Nun«, meinte West auflachend, während er seine Karten vorzeigte und den Gewinn einstrich, »das sieht doch schon besser aus! Nur schade, dass keiner von Ihnen mitgegangen ist – diesmal hätte ich Sie alle in der Tasche gehabt!«
Immer deutlicher erkannte der Detektiv, dass dies das raffinierteste Pokerspiel war, das er je beobachtet hatte. An sich waren die Einsätze nicht exzessiv, aber doch genauso hoch angesetzt, wie die drei Schurken es dem jungen Bankangestellten zutrauen konnten. Zu Beginn hatten sie ihn gewinnen lassen, und um ihn in trügerischer Sicherheit zu wiegen, gestatteten sie ihm auch jetzt wieder kleine Gewinne. Sie wollten ihn lediglich in Anspannung versetzen und zu unbedachten, hohen Einsätzen verleiten, um ihn anschließend völlig auszunehmen.
Schon die folgende Runde bewies, wie recht Nick hatte.
West hielt zwei Asse und setzte 100 Dollar. Dann waren die anderen an der Reihe. Beim Tauschen erhielt West ein drittes Ass. Jeder seiner Mitspieler zog drei Karten – nur Cal begnügte sich mit einer einzigen.
Erneut wettete West 100 Dollar, doch die anderen hielten dagegen. Der Einsatz schraubte sich so lange in die Höhe, bis der Bankangestellte auch seinen allerletzten Dollar gesetzt hatte.
Als die Karten aufgedeckt wurden, zeigte sich, dass Alec und Groble jeweils drei niedrige Karten hielten, Cal hingegen ein kleines »Full House« vorweisen konnte. Damit gewann er die Runde und strich den gesamten Pot ein.
West begann plötzlich wie Espenlaub zu zittern, und sein Gesicht wurde leichenblass.
»Ich muss aufhören«, murmelte er mit heiserer Stimme und schob die Karten von sich.
»Tut mir leid«, erklärte Groble. »Aber wer weiß – beim nächsten Mal haben Sie vielleicht mehr Kartenglück. Möchte sich jetzt vielleicht Mr. Nixon beteiligen?«
»Na, na«, brummte der Angesprochene mit einem Schmunzeln, »ich habe wenig Lust, meiner Firma telegrafieren zu müssen, damit sie mir Geld für die Hotelrechnung schickt. Aber einen kleinen Versuch kann ich ja wagen.«
»All right, nehmen Sie Mr. Wests Stuhl.«
»Da sitze ich ja bereits«, erwiderte der Detektiv. »Aber merken Sie sich eines, meine Herren: Gerate ich zu sehr ins Hintertreffen, steige ich sofort aus.«
»Selbstverständlich! Sie können jederzeit aufhören, wann immer es Ihnen beliebt«, beeilte sich Groble zu versichern.
Unterdessen schritt West unruhig im Zimmer auf und ab.
»Sie wollen doch nicht jetzt schon gehen?«, rief Groble ihm zu. »Wenn wir fertig sind, essen wir noch gemeinsam etwas!«
»Um Gottes Willen, mir würde jeder Bissen im Halse stecken bleiben!«, wehrte der junge Mann verstört ab.
»Bleiben Sie nur ganz ruhig hier«, schaltete sich nun auch Nick ein. »Sollte ich Glück haben, helfe ich Ihnen womöglich aus – und vielleicht wendet sich das Blatt auch für Sie noch einmal!«
»Nun gut, ich werde noch ein Weilchen zusehen«, meinte der Bankangestellte gedrückt und ließ sich auf den Stuhl sinken, den zuvor der Detektiv besetzt hatte.
Das Spiel ging weiter. Zunächst hielten sich die Einsätze in bescheidenem Rahmen, und es wurden keine großen Summen umgesetzt.
Natürlich – jetzt spielen sie ehrlich, um herauszufinden, wie viel bei mir zu holen ist, dachte Nick Carter ironisch.
Er gewann ein paar Dollar von Groble und verlor eine ähnliche Summe an die anderen Mitspieler. Als Alec und Cal die Karten gaben, erhielt Nick keine ausreichend guten Karten, um einzusteigen, und passte daher.
Als Groble wieder mit Geben an der Reihe war, lag der Detektiv leicht gegenüber den übrigen Mitspielern zurück. Diesmal passte Cal, da er keine verwertbaren Karten besaß. Nick hatte zwei Buben, ein Ass, einen König und eine niedrige Karte auf der Hand. Er eröffnete die Wette mit 100 Dollar.
Sofort stiegen Alec und Groble ein.
»Aha! Sie glauben wohl, das nächste Lamm auf der Schlachtbank zu haben!«, feixte Nick Carter im Stillen.
Als es zum Ziehen kam, da warf Nick seine Jungen und die niedere Karte fort und behielt nur Ass und König.
West, der ihm über die Schulter schaute, vermochte sich nur mühsam zurückzuhalten, um ihn nicht auf den vermeintlichen Irrtum aufmerksam zu machen. Wohlweislich hütete sich der Detektiv indessen, den jungen Menschen anzuschauen, damit dieser nicht unwissentlich seinen Plan durch plumpe Einmischung zerstören konnte.
Auch die anderen Männer zogen je drei Karten.
Die Reihe zu wetten, war an Nick. Ohne seine gezogenen Karten anzusehen, legte er eine weiße Marke auf den Tisch. Alec erhöhte um fünfzig Dollars und nach langem Zögern setzte Groble weitere hundert Dollars.
Das nämliche alte Spiel, dachte der Detektiv. Ist mir das Glück nur ein wenig günstig, dann habe ich die Absicht der Burschen richtig erraten!
»Ich sehe«, versetzte er laut unter einem behaglichen Lächeln, »dass jeder von Ihnen sein Paar verbessert hat. Sollte mir das gleiche Glück beschieden sein, so dürfte es lustig werden!«
Damit nahm Nick seine gezogenen Karten auf. Es waren zwei weitere Asse, sowie ein Sechser.
»All right«, meinte er schmunzelnd, als er seine Karten verdeckt niederlegte. »Ich habe mich bedeutend verbessert, ich erhöhe die Wette um 500 Dollar!«
»Da kann ich nicht mit«, erklärte Alec kleinlaut.
Nunmehr war die Reihe an Groble. Es nahm ihn geraume Zeit in Anspruch, über das weitere Spiel schlüssig zu werden. Dann schob er die sämtlichen vor ihm liegenden Spielmarken in die Tischmitte.
»Alles geht!«, erklärte er schnell.
Es waren, wie Nick schnell feststellte, weitere 350 Dollar, um welche der Einsatz erhöht wurde.
Er legte die gleiche Summe auf den Tisch.
»Alright, ich fing eine andere Königin«, erklärte Groble lachend, indem er die Hand nach dem Pot ausstreckte.
»Nicht gut«, versetzte der Detektiv kaltblütig, indem er nun auch seine Karten auflegte. Fest den Blick auf die Mitspielenden gerichtet, entging es ihm nicht, dass diese sich verdutzt anschauten und nicht wussten, was sie sagen sollten, als sie die drei Asse plötzlich vor sich erblickten.
»Ok!«, brummte Groble endlich.
Nick nahm den Pot an sich, der zumeist Banknoten enthielt. Dann zählte er die Spielmarken auf und erklärte: »Herrschaften, lösen Sie gefälligst die Marken ein, denn ich habe für heute Nacht genug gespielt!«
Während er sprach, hatte er die Hand am Revolvergriff unter dem Rock, er war völlig darauf vorbereitet, dass die Burschen nunmehr ihren wirklichen Charakter entpuppen würden.
Einen Augenblick schien es auch so, als ob sie ungemütlich werden wollten; doch dann griff Groble schweigend nach einer kleinen Handtasche und entnahm dieser eine dicke Banknotenrolle. Langsam zählte er den Betrag auf, welcher zur Einlösung der Spielmarken nötig war.
»Nun, wollen Sie Mr. West aushelfen?«, erkundigte sich Groble schließlich mit süßsaurer Miene.
»Fällt mir nicht im Traume ein!«, scherzte der Detektiv, sich erhebend. »Jeder für sich und alles für mich! Das ist mein Motto. Gute Nacht, Herrschaften!«
Ehe die Anwesenden sich noch von ihrem grenzenlosen Staunen zu erholen vermochten, hatte der Detektiv auch schon das Zimmer verlassen.

Schreibe einen Kommentar