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Secret Service Band 4 – Kapitel 12

Francis Worcester Doughty
Secret Service No. 4
Old and Young King Brady Detectives
Der geniale Bluff der Bradys
Oder: Ihre Verfolgungsjagd zur Rettung einer Erbin
Eine interessante Detektivgeschichte aus dem Jahr 1899, niedergeschrieben von einem New Yorker Detective

Kapitel 12
Ein missglückter Betrugsversuch

»Alles klar, Vater!«, antwortete Myndert und verschwand.

Die Mienen der Betrüger hellten sich auf. Die Aussichten besserten sich zusehends, und es schien sicher, dass sie die 60 000 Dollar doch noch erhalten würden. Allerdings hätten sie sich im Zweifelsfall auch mit 30 000 Dollar begnügt, anstatt gänzlich leer auszugehen.

Einige Zeit verstrich. Mister Schwartz erwies sich als angenehmer Gesprächspartner und unterhielt seine Gäste, bis unerwartet ein Mann den Laden betrat. Er war zwar etwas kleiner als Mr. Schwartz, jedoch ebenfalls niederländischer Herkunft: Es handelte sich um Mister Breitstein.

Nach einer kurzen Vorstellung schilderte Mr. Schwartz die angebliche Notlage der Witwe und legte Breitstein den Wechsel zur Einlösung vor.

»Ach, du meine Güte!«, rief dieser aus und schlug die Hände zusammen. »Über so viel Bargeld verfüge ich derzeit nicht, Mr. Schwartz. Ich kann Ihnen lediglich einen Verrechnungsscheck der New Amsterdam Bank über 120 000 Dollar anbieten.«

»Darf ich den Scheck sehen?«, schaltete sich Wellington Hall, der vorgebliche Banker, ein.

Mister Breitstein zog eine umfangreiche Lederbörse hervor und reichte den Scheck weiter. Die Betrüger prüften das Dokument eingehend und hegten keinerlei Zweifel an dessen Echtheit. Es erschien ihnen nicht einmal ungewöhnlich, dass diese scheinbar einfachen Kaufleute mit derart hohen Summen hantierten; ihnen war bekannt, dass Angehörige dieses Standes ihr Vermögen häufig horteten und selbst die bescheidensten Händler zuweilen beträchtlichen Reichtum besaßen.

Für die Schwindler schien das Geschäft vollkommen abgesichert. Mr. Schwartz blickte sie über den Rand seiner Brille hinweg mit sanftmütiger Miene an.

»Nun, meine Herren«, fragte er, »was sagen Sie zu diesem Scheck?«

»Er ist absolut tadellos«, entgegnete Hall. »Wir akzeptieren ihn.«

Mister Breitstein wirkte unschlüssig. »Aber Mr. Schwartz«, wandte er ein, »ich schulde Ihnen doch lediglich 60 000 Dollar.«

Tatsächlich tat sich hier für die Betrüger eine unerwartete Komplikation auf: Um den Scheck über 120 000 Dollar annehmen zu können, mussten Breitstein 60 000 Dollar Differenz erstattet werden.

Sie sahen Schwartz an, dieser erwiderte ihren Blick. Schließlich sah Hall auf die Uhr: Es war bereits nach vier Uhr nachmittags, und die Banken hatten geschlossen. Eine Einlösung am selben Tag war ausgeschlossen.

»Warten Sie bis morgen«, schlug Schwartz vor. »Dann erhalten Sie Ihr Geld.«

Den drei Betrügern war das Risiko einer Verzögerung jedoch bewusst. Bis zum nächsten Tag konnte viel geschehen, und das Vorhaben drohte zu scheitern; bei unredlichen Transaktionen war schnelles Handeln unerlässlich, da Entschlüsse im Laufe einer Nacht leicht revidiert werden konnten.

Hall wandte sich an die angebliche Mrs. Miller: »Ich denke, wir sollten die Angelegenheit noch heute regeln. Meine Zeit ist knapp bemessen, und ich kann morgen nicht erneut nach Yonkers reisen.«

»Doch heute ist das nicht möglich«, entgegnete Schwartz. »Ich muss Mr. Breitstein den Restbetrag auszahlen.«

»Wäre er nicht zu einem Aufschub bereit?«

»Das ändert nichts an der Lage. Sie erhalten den Scheck über 120 000 Dollar, sofern Sie die Differenz von 60 000 Dollar bar begleichen.«

Breitstein zeigte sich ungeduldig, und die Betrüger tauschten vielsagende Blicke aus. Hall prüfte das Dokument nochmals.

»Es liegt zwar außerhalb meiner eigentlichen Pflichten«, sagte er schließlich, »doch um Mrs. Miller entgegenzukommen, werde ich die 60 000 Dollar vorstrecken.«

»Ausgezeichnet! Damit ist die Sache geregelt«, erwiderte Mr. Schwartz erleichtert.

»Zuvor möchte ich jedoch kurz ungestört mit Mrs. Miller sprechen«, verlangte Hall.

Die beiden zogen sich in eine Ecke des Raumes zurück. Nach ihrer Rückkehr zählte Hall 60 000 Dollar in Banknoten auf den Tisch – exakt dieselben Scheine, die ihm zuvor bei der New Yorker Bank auf Moores Scheck hin ausgezahlt worden waren. Breitstein zählte den Betrag gewissenhaft nach.

Anschließend wurden die Dokumente zur Übertragung der Gas-Anleihen auf Mr. Schwartz ausgestellt. Breitstein verabschiedete sich mit einer Quittung, und die Formalitäten schienen ordnungsgemäß abgeschlossen. Nachdem Mrs. Miller Schwartz gedankt hatte, verließen die Betrüger mit dem Scheck über 120 000 Dollar das Geschäft.

Ein außergewöhnlicher Erfolg, wie sie meinten: 60 000 Dollar reiner Gewinn für vollkommen wertlose Papiere. Aufgrund der sprichwörtlichen Bedächtigkeit der holländischen Kaufleute rechneten sie damit, dass Schwartz den Schwindel womöglich erst zur nächsten Dividendenzahlung in einigen Monaten bemerken würde. Der Scheck sollte sogleich am folgenden Morgen bei Banköffnung eingelöst werden.

»Was sagst du dazu?«, gluckste Corcoran amüsiert.

»Das beste Geschäft unseres Lebens«, pflichtete Hardy bei.

»Habe ich die bedauernswerte Witwe nicht überzeugend gespielt?«, fragte Ann.

So scherzten sie auf der Rückfahrt nach New York. Doch unmittelbar nach ihrem Aufbruch wendete sich das Blatt im Ladenlokal: Mister Breitstein, der das Gebäude eben erst durch den Haupteingang verlassen hatte, kehrte sogleich durch die Hintertür zurück. Die beiden scheinbaren Kaufleute lachten herzlich und zählten das Geld: Die Betrüger waren auf ihre eigene List hereingefallen.

»Ein wahres Meisterstück!«, konstatierte Old King Brady zufrieden. »Wir haben sie mit ihren eigenen Mitteln geschlagen.«

»Ich befürchtete bereits, sie würden den Köder nicht schlucken«, bemerkte Young King Brady, der sowohl in die Rolle Mynderts als auch in die des Mister Breitstein geschlüpft war.

»Hervorragend!«, rief Old King Brady. »Mr. Moores Geld ist gesichert. Nun gilt es, die Gauner dingfest zu machen.«

»Die Beweise reichen aus, um sie für zwanzig Jahre hinter Gitter zu bringen!«

»Zweifellos. Diesen Einsatz – und den Bluff der Bradys – werden sie so schnell nicht vergessen.«

Old King Brady trat an das Sprachrohr zum Obergeschoss und betätigte die Pfeife: »Mr. Sharpley!«

»Ich höre!«, meldete sich der eigentliche Ladeninhaber.

»Unser Einsatz ist beendet. Sie können Ihr Geschäft wieder übernehmen.«

Eine Stunde später befanden sich die beiden Ermittler bereits auf dem Weg nach New York. In jener Nacht arbeiteten sie die Zugriffsstrategie aus: An der New Amsterdam Bank wurden Beamte postiert, um Corcoran bei Vorlage des gefälschten Schecks festzunehmen, während weitere Polizisten das Gebäude in der 44th Street abriegelten.

Am folgenden Vormittag warteten die Detektive getrennt – einer an der Bank, der andere am Wohnhaus. Gegen Mittag erschien schließlich ein Laufbursche am Schalter der Bank und schob ein Päckchen durch das Gitter.

Der Kassierer, der von Old King Brady instruiert worden war, öffnete das Schreiben und fand den auf 120 000 Dollar ausgestellten, angeblich von ihm selbst unterzeichneten Scheck vor. Dem Schriftstück lag folgende Anweisung bei:

An den Kassierer: Bitte händigen Sie dem Überbringer den entsprechenden Betrag aus. Er führt eine Ledertasche mit sich, die Sie bitte verschließen und versiegeln wollen. Hochachtungsvoll, Wellington Hall

Auf ein Zeichen des Kassierers hin wurde der Junge in ein Büro geführt. Bei der Vernehmung stellte sich seine Aussage rasch als plausibel heraus: Der Empfangschef des North River Hotels in der West Street hatte ihn an einen bärtigen Mann vermittelt, der ihm lediglich den Botengang zur Bank aufgetragen hatte.

Old King Brady erkannte die Lage ernüchtert: Corcoran hatte Verdacht geschöpft, den Jungen aus sicherer Entfernung observiert und beim Eintreffen der Polizei umgehend die Flucht ergriffen. Auch der Versuch, den Boten mit einer präparierten Tasche zum Hotel zurückzuschicken, blieb erfolglos; der Verdächtige war spurlos verschwunden.

Brady eilte umgehend zur 44th Street. Die Durchsuchung des observierten Hauses bestätigte den Verdacht: Zwar war das Mobiliar noch vorhanden, die Bewohner jedoch waren entkommen.

Bei der Spurensuche stieß der Detektiv schließlich auf die Fluchtroute: Etwa fünf Fuß unterhalb eines Regenrohrs an der Gebäuderückseite stand ein Fenster offen. Offenkundig hatten die Flüchtigen eine Strickleiter genutzt, um das Nachbargebäude zu erreichen.

Nach kurzem Zögern schwang sich Brady über das Dachgesims, stieg über die Strickleiter hinab und gelangte durch das geöffnete Fenster in das dahinterliegende, vollkommen finstere Gebäude.

Trotz der potenziellen Gefahr in der Dunkelheit verhielt er sich zunächst regungslos und lauschte. Als alles still blieb, entzündete er seine Taschenlaterne und leuchtete den Raum aus.

Das Zimmer war regulär möbliert – mit Tisch, Stühlen, einer Kommode sowie einem Bett, in dem eine Gestalt lag. Der Schein der Laterne erfasste das Gesicht eines Mannes, den Brady noch nie gesehen hatte; offenbar handelte es sich um einen Hausbewohner.

Als dem Ermittler auffiel, dass der Liegende weder atmete noch Lebenszeichen von sich gab, trat er näher heran und stellte die grausige Ursache fest: Auf der Bettdecke zeichnete sich eine geronnene Blutlache ab, aus der das Heft eines Dolches ragte, der dem Mann bis zum Anschlag in die Brust gestoßen worden war.

Trotz seiner langen Diensterfahrung wich Brady erschüttert zurück. Ob der Mann ermordet worden war, um die Flucht zu sichern, oder ob ein Raubmord vorlag, blieb unklar. Als er die Stirn des Toten berührte, war diese noch warm – die Tat lag erst wenige Minuten zurück.

In diesem Augenblick näherten sich leise Schritte vor der Zimmertür, und die Klinke senkte sich herab.

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