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Westward! Ho! – Erinnerungen eines Trappers – Kapitel 3

Für viele Männer bedeutete das Leben in den Bergen Abenteuer, Freiheit, Unabhängigkeit, Naturverbundenheit, Härte und Gefahr. Um in der Wildnis überleben zu können, bedurfte es einiger Natur- und Sachkenntnisse sowie persönlicher Attribute. Ohne diese kam es vor, dass man sehr früh starb oder nach einer Saison entmutigt die Berge verließ. Theoretische und praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Schießen, Schwimmen, Bergsteigen, militärische Grundkenntnisse in Strategie und Taktik, Jagd, Reiten und andere waren notwendig, um in der Wildnis unter äußersten Witterungsbedingungen überleben zu können.
Wie war es damals, als unzählige Abenteurer ihr Glück in den Rocky Mountains suchten und dafür Entbehrungen und Strapazen auf sich nahmen? Es sind die Tagebuchaufzeichnungen der Expeditionen zu den Quellen der Flüsse Missouri, Columbia und Colorado von Februar 1830 bis November 1835, niedergeschrieben von Warren Angus Ferris, die uns einen Einblick in das raue Leben jener Zeit gewähren und nicht in Vergessenheit geraten sollen.

Wir befanden uns in einer äußerst unangenehmen Situation. Nass wie ertränkte Ratten und in tröstende Gedanken versunken, dass nicht ein Mann im Lager war, der einen trockenen Fetzen Stoff auf dem Leibe trug. Es tat gut zu wissen, dass der Nachbar mindestens ebenso schlecht dran war, wie man selbst.
Schwierigkeiten, die Männer am frühen Morgen zu wecken, traten nicht auf. Kaum einer hatte die vergangene Nacht geschlafen, sondern hockte an einem der vielen Feuer. Dicht gedrängt saßen die Männer, ständig die Sitzposition wechselnd, um sich selbst und die wenigen Habseligkeiten trocknen zu können. Das Bild, was sich mir bot, war unbeschreiblich. Kein einziges Lächeln huschte über die Gesichter der Männer. Alles wirkte in seiner spezifischen Art irgendwie gespenstisch auf mich.
Nach dem Frühstück sammelten wir die aufgestellten Fallen ein und setzten unsere Reise fort.

Seit mehreren Tagen beschäftigten uns die Maulesel erneut. Es blieb weiterhin ein Mysterium, woran es lag, dass sie sich so störrisch verhielten. Es lag bestimmt in ihrem Wesen als eine besondere Tierart begründet.
Fast täglich erblickten wir Rehe, manchmal sogar Elche. Wir stießen an den Seen und in der Prärie Illinois auf eine Vielfalt an Vögeln.
Unzählige kleine Flüsse kreuzten unseren Weg. Obwohl deren Untergründe teilweise morastig waren, fiel es uns und den Tieren nicht schwer, die Gewässer zu durchwaten.
Am 28. März entkamen wir nur mit knapper Not einem Disaster. Aufgrund einer Unachtsamkeit einer unserer Männer hätten wir beinahe unsere Pferde und fast die gesamte Ausrüstung verloren. Der Mann hatte ein Lagerfeuer angezündet und dieses für einen Moment unbeaufsichtigt gelassen. Während seiner Abwesenheit fing das Gras Feuer, und ein Windstoß entfachte eine solche Feuersbrunst, die das ganze Lager bedrohte. Wir eilten sofort hin, um das Gepäck und die Pferde zu retten. Zum Glück waren die Schießpulvervorräte in dicke Kuhhäute gehüllt, sodass sie den Flammen nicht zum Opfer fielen.
Der Verlust hielt sich in Grenzen. Zwei unserer Maulesel kamen im Feuer um. Einige unserer Sättel, ein paar Decken und andere Kleinigkeiten waren unbrauchbar geworden. Wir hatten Glück im Unglück. Es war schon erstaunlich, dass sich die Pferde trotz drohender Gefahr relativ ruhig verhielten und nicht das Weite gesucht hatten.
Unmittelbar nach diesem Ereignis setzten wir unsere Reise fort, überquerten am 31. März den Missouri mit Kielbooten bei Bellevue und versorgten uns in einem Warenhaus von Fontenelle & Dripps mit Zelten, die wir etwa eine Meile vom Fort entfernt am Ufer des Papillon Creek aufstellten. Unsere Pferde und Lasttiere – von den täglichen Strapazen abgemagert und erschöpft – grasten friedlich am Ufer des Flusses, an welchem sie reichlich Nahrung fanden.
Da wir eine längere Pause einlegten, verbrachten wir die Zeit mit Jagd und Fischerei, dem Erzählen von Geschichten sowie mit notwendigen Arbeiten, um unsere Reise fortsetzen zu können. Alles hing davon ab, wie schnell sich unsere Pferde erholten.

Ich möchte es nicht versäumen, eine Sache zu erwähnen, die wir am 1. April erlebten.
»Oh, Ferris!«, rief einer als Warnung. »Pass auf! Hinter dir ist eine große Copperhead!«
»Yeah, ich sehe den Kopf des Schlingels zwischen deinen Ohren.«
Die umherstehenden Männer lachten.
Plötzlich schrie einer: »Indianer! Indianer!«
»Wo? Wo?«, fragte einer, der die Warnung sichtlich für bare Münze nahm und griff nach seiner Rifle.
April! April! ertönte es von allen Seiten. Lautes Grölen und Gelächter waren zu hören. Ein Zeichen dafür, dass die Männer ihren Humor noch nicht verloren hatten und damit beitrugen, die Strapazen in der Wildnis ein wenig erträglicher zu machen. In jedem der Männer steckte noch ein wenig Kind. Und das war gut so. Vive la bagatelle! – Hurra for nothing!
Vier Wochen hielten wir uns bereits am Papillon Creek auf. Müde von der Monotonie des Alltages sehnten wir uns nach dem Tag, an welchem wir unsere Reise fortsetzen konnten. Wir hatten das Gefühl, dass sich die Tage in die Länge zogen und uns endlos vorkamen.
Um so erfreulicher war die Tatsache, als die Männer aufsitzen und die Gegend um Bellevue verlassen konnten. Ich sah in glückliche Gesichter der Knights of the cross und hatte Mitleid mit den Maultiertreibern, die sich unermüdlich durch Schlamm und Wasser kämpften und heruntergefallene Ladung zurück auf den Rücken der Packtiere hievten.
Die Nacht über campierten wir etwa zehn Meilen nördlich von Bellevue entfernt und dachten an die vielen ruhigen Stunden, die wir am friedlich dahinfließenden Papillon Creek verbracht hatten.

Fortsetzung folgt …

Quelle: Ferris, Warren Angus: Life in the Rocky Mountains, Salt Lake City, Utah, Rocky mountain book shop, 1940.

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