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Einsendeschluss 31.05.2021

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Gruselkabinett 150 – Herbert West, der Wieder-Erwecker

H. P. Lovecraft, Marc Gruppe
Gruselkabinett 150
Herbert West, der Wieder-Erwecker

Ursprünglich in sechs Teilen konzipiert und 1922 in der Zeitschrift Home Brew veröffentlicht, wurde Herbert West – Der Wieder-Erwecker von Lovecraft als Parodie auf Frankenstein geschrieben und auch, weil er Geld brauchte. Er hielt die Geschichte selbst für Geschwafel, für die Masse geschrieben. Lovecraft war im Allgemeinen mit dem Werk unzufrieden und schrieb es nur, weil er für jede Folge 5 Dollar bekam. Er musste im Gegensatz zu seinem normalen Stil schreiben, indem er jede Folge der Geschichte mit einem Cliffhanger beendete und jede Folge mit einer Wiederholung der letzten begann. Jeder, der Lovecrafts Werk schon einmal gelesen hat, wird feststellen, dass es tatsächlich von seinem üblichen Stil abweicht. Einige seiner anderen Geschichten wie In der Gruft und Der Außenseiter folgen einem einzigen Charakter und etwas, das sie auf alle Fälle überwinden müssen, und enden mit einer fast erwarteten, aber ansonsten voraussehbaren Wendung oder Entdeckung, im Gegensatz zu dem, was man in Herbert West – Der Wieder-Erwecker findet, wo zwei Charaktere eine Vielzahl von beängstigenden Ereignissen erleben, die alle in einer großen Erfahrung enthalten sind.

Der wahnsinnige Herbert West ist mit Sicherheit ein bewundernswerter Charakter. Trotz seiner Faszination für den Tod und seiner perversen, morbiden Experimente wird er phantastisch als kleiner, schlanker, bebrillter Jüngling mit zarten Zügen, zerzausten Haaren, hellblauen Augen und einer sanften Stimme beschrieben, wobei sein Bild dem West, an den wir uns gewöhnt haben, nicht als ein zerbrechlicher Mann der Wissenschaft, sondern als ein wahnsinniger Verrückter gegenübersteht. Es wäre jedoch falsch, ihn als Versager zu bezeichnen, denn sein Mittel funktioniert, nur nicht so, wie er es sich gewünscht hat. Er erschafft groteske Ungeheuerlichkeiten aus den Leichen, an denen er experimentiert, die mit keinem anderen Wort als Zombies zu beschreiben sind. Diese Monster terrorisieren ihn und die Stadt Arkham. Aber Dr. West gibt seine Bemühungen, den Tod zu besiegen, nicht auf und betrachtet diese Zombies als nichts anderes als Fortschritt. Seine Arroganz und Respektlosigkeit gegenüber Leben und Tod könnte sich jedoch als sein Verderben erweisen.

Großartig konzipiert und seiner Zeit weit voraus, ist Herbert West – Der Wieder-Erwecker eine unterhaltsame und zugleich erschreckende Kurzgeschichte, die zeigt, dass die Manipulation der Gesetze von Leben und Tod am besten nicht in die Hände eines Wissenschaftlers oder gar der Menschheit gelegt werden sollte. Im Gegensatz zum Rest von Lovecrafts Arbeit sticht Herbert West – Der Wieder-Erwecker wie ein erhobener Zeigefinger hervor. Es ist anders als sein üblicher Stil, und das ist ziemlich auffällig. Aber er schafft es dennoch, das Grauen und die Angst, die mit seinen anderen Werken verbunden ist, zu vermitteln.

Wie nicht anders zu erwarten, beweist Marc Gruppe mit der 150. Gruselkabinettfolge erneut, dass aus der Lovecraft’schen Vorlage ein Extrakt entsteht, welches vom Anfang bis zum Ende überzeugt. Auch wenn einiges dem Schnitt zum Opfer fiel, blieb der tragende Inhalt erhalten und wurde durch die Sprechercrew exzellent umgesetzt. Positiv zu erwähnen ist die Soundkulisse, in welcher verschiedenartige Geräusche feinfühlig und der Handlung entsprechend gut positioniert zu hören sind. Genau mit diesen gelingt es Marc Gruppe und Stephan Bosenius vortrefflich, eine gespenstische und bedrohliche Stimmung zu erzeugen, so wie es H. P. Lovecraft mit Worten vermittelt hat.

Hört jemand, der dem Horrorgenre normalerweise nicht angetan, wird Herbert West – Der Wieder-Erwecker für ihn seltsam sein und etwas, das man normalerweise beim Hören kaum wahrnimmt. Auf der anderen Seite empfehle ich es jemandem, der Horrorgeschichten liebt und vielleicht schon einige von Lovecrafts literarischen Werken gelesen hat, da es für ihn produziert wurde – für jemanden, der es genießt, Angst zu haben.

Einige Informationen zum Hörspiel

Synopsis: Arkham 1904: Zwei Studenten der medizinischen Fakultät der Miskatonic University wagen sich trotz eines ausdrücklichen Verbotes an höchst umstrittene Forschungsarbeiten: Sie wollen mit einer Injektion chemischer Flüssigkeiten kürzlich Verstorbene ins Leben zurückholen. Doch die Toten zeigen eine ganz unerwartete Reaktion auf ihre Wiedererweckung …
Buch: Marc Gruppe
Produktion und Regie: Stephan Bosenius und Marc Gruppe
Aufgenommen im Titania Medien Studio, bei Adventunis und in den Planet Earth Studios
Gemischt von Kazuya c/o Bionic Beats
Mastering: Michael Schwabe, Monoposto
Illustration: Ertugrul Edirne
Layout: Doreen Enderlein
Sprecher: Clyde Simcox – Martin May, Herbert West – Patrick Bach, Allan Halsey – Horst Naumann, Vermieterin – Martina Linn-Naumann, Officer – Rolf Berg, Friedhofswärter – Marc Gruppe, Italienerin – Claudia Urbschat-Mingues, Italiener – Rainer Gerlach, Robert Leavitt – Peter Weis, Major – Rainer Gerlach, Wärter – Bodo Primus, Detectiv – Sascha von Zambelly, Inspektor – Matthias Lühn
Hörprobe:

(wb)