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Guido von Scharfenstein – Kapitel V

Guido von Scharfenstein, der mächtige Bezwinger der Zauberer und Hexen, und die wunderbare Rose
Eine Ritter- und Zaubergeschichte aus guter alter Zeit
J. Lutzenberger Verlag Burghausen

V.

Ritter Guido und seine Begleiter ritten eben durch einen Wald, an dessen Ausgang sie eine Herberge zu finden hofften, wo sie die letzte Nacht zubringen wollten; denn morgen, ehe es Mittag würde, meinte Bruno, müssten sie das Raubnest des Zauberers Gundelbart erreichen. Plötzlich vernahm Guido ein ängstliches Hilfegeschrei und das Geklirr von Schwertern dazwischen. Da der dichte Wald es unmöglich machte, zu Pferd zu jener Stelle zu gelangen, woher der Hilferuf kam, sprang Guido eilig vom Pferd und drang mühsam durch das Gebüsch. Seine Begleiter, welche anfangs von dem Hilfegeschrei nichts vernommen hatten, folgten ihm zum Teil; an ihrer Spitze Bruno von der Schlangenburg. Erschöpft kam Guido auf einem freien Platz im Wald an, aber augenblicklich stählten sich seine Sehnen mit gewohnter Kraft, als er sah, dass hier seine Hilfe notwendig sei. Eine Dame von wunderschönem Wuchs, auf einem milchweißen Zelter reitend, war von einem Dutzend Geharnischter überfallen worden und hatte nur zwei Gewappnete zu ihrer Verteidigung bei sich. Die Braven wehrten sich mit Löwenmut, aber der Kampf war ungleich, und so schienen die Angreifer zu siegen.

Keinen Augenblick blieb Guido, nachdem er die Scene überblickt hatte, im Zweifel, welche Partei er zu nehmen habe.

»Haltet ein, Ihr Mädchenräuber und feigen Buschklepper!«, rief er mit Donnerstimme.

Sein gutes Schwert flammte rechts und links, und wenn es durch die Luft sauste, fiel einer der Feinde. Eben sah er, wie die beiden Diener der Dame den Streichen der sie umgebenden Schurken unterlagen und diese eben im Begriff waren, die Zügel des Zelters zu erfassen und mit ihrer Beute von dannen zu jagen.

Da machte sich Guido mit aller Anstrengung Luft, arbeitete sich die wenigen Schritte bis zur Bedrängten durch und stand ihr nun hilfreich zur Seite. Aber ein schwerer Hieb hatte, als er so seinen Rücken bloß gab, auch ihn getroffen. Blut rieselte unter dem linken Achselband seiner Rüstung hervor. Die Feinde glaubten schon gewonnenes Spiel zu haben; aber Guido sprach den Namen »Rosamunde!« und mit erneuter Kraft hieb er unter dieselben. Ein jäher Schauer schien bei diesem Wort diese sowie die gerettete Dame zu durchbeben. Nun kam auch Bruno mit den anderen Rittern ihm zur Hilfe herbei und wie Spreu vor dem Sturmwind entflohen nun die feigen Räuber.

»Sagt mir doch, holdes Fräulein,« sprach Guido mit ritterlichem Anstand, »wie ich Euch noch zu dienen vermag. Eure Begleiter sind erschlagen. So Ihr es nicht verschmäht, mich zu Eurem Ritter zu ernennen, bis Ihr wieder bei den Euren seid, so möchte ich Euch um diese Gunst bitten.«

»Ach, Herr Ritter«, versetzte die Dame, »ich sehe, Ihr seid ebenso erfahren in ritterlicher Sitte, wie fürchterlich im Kampf. Wenn Ihr mich geleiten wollt, so bin ich sicher, dass mir kein Unfall ferner widerfährt. Ich bin Brunhilde, des Grafen Sandor Tochter, habe meine Tante, die Äbtissin im nächstgelegenen Ursulinerkloster ist, besucht und bin nun auf dem Heimweg von den Räubern überfallen worden. Nur Eurem tapferen Beistand verdanke ich meine Rettung. Möchte es Euch gefallen, mich in die Heimat zu begleiten und sich bald eine schützende Herberge uns bieten.«

»Die fehlt auch nicht«, nahm Bruno das Wort, »in kurzer Zeit können wir sie erreichen. Auch Euch, Ritter Guido, möchte Ruhe nötig sein, denn wie ich sehe, rinnt Blut unter Eurem Panzer hervor.«

»Nun, es wird wohl nicht so viel zu bedeuten haben«, meinte Guido, »lasst uns nun unseren Zug fortsetzen!«

Während Brunhilde ihre Begleiter mit munteren, aber züchtigen Scherzen unterhielt, wurde die Herberge bei anbrechender Nacht erreicht und sogleich vom Tross förmlich überschwemmt. Nur ein Kämmerlein blieb verschont, denn es war für Brunhilde bestimmt.

Mit feiner Sitte führte Guido sie dahin und wollte eine Magd zu ihrer Bedienung beordern, aber sie hielt ihn zurück und sagte: »Nicht so, Herr Ritter! Ihr wurdet im Kampf für mich verwundet. Meine Pflicht ist es also, dass ich Euch selbst den Verband anlege. Auch möchtet Ihr wohl unter Euren Leuten schwerlich einen finden, der sich solcher Geschicklichkeit darin rühmen könnte, wie ich.«

Sie war bei diesen Worten dicht an Guidos Seite getreten und schmiegte sich vertraulich an den stattlichen Mann. Dieser konnte nicht umhin, sich zu gestehen, dass Brunhilde sehr schön sei. Ihre dunklen, schmachtenden Augen ruhten flehend auf ihm und ihr voller wogender Busen schlug an seinen Panzer.

Er konnte nicht widerstehen, setzte den Helm auf den Tisch und ließ sich auf dem zunächst stehenden Sesselnieder.

»Damit uns niemand störe,« sagte Brunhilde und hüpfte mit leichten Schritten zur Tür, »will ich zuschließen. Ihr werdet mir nun erlauben, die Dienste eines Knappen bei Euch zu verrichten und Euch von mir entwappnen lassen.«

Mit zierlicher Geschäftigkeit löste sie nun die starken Riemen und Bänder des Harnisches, schwebte leicht und behände um des Ritters kräftige Gestalt und ließ diesen auf solche Weise die ganze Fülle ihrer körperlichen Reize betrachten. Guido hatte Mühe, das begehrliche Verlangen zu unterdrücken, das in ihm rege wurde. Doch er dachte an Rosamunde. Die Erinnerung an ihre liebliche Erscheinung machte ihn taub und blind gegen Brunhildes verführerisches Wesen. Diese hatte eben mit großer Mühe die Abnahme des Brust- und Rückenpanzers zustande gebracht und war nun beschäftigt, das Lederkoller, welches Guido unter dem Harnisch trug, über der linken Schulter zu lüften, als sie ein feines goldenes Kettchen gewahrte, das um seinen Nacken geschlungen war.

»Ei, ei, Herr Ritter«, sagte sie im scherzenden Ton, »welch ein Kleinod bergt Ihr auf Eurer Brust, dass es einer so schönen Kette bedarf, um es zu tragen? Und fürwahr, es hat Euch genützt, denn der Hieb Eures Feindes ist gerade durch das Kettchen aufgefangen worden, das wunderbarerweise nicht davon durchschnitten ist. Eure Haut ist nur geritzt und bedarf wohl gar nicht einmal des Verbandes. Welchen Nutzen doch zuweilen solch ein Liebespfand hat, denn dass es ein solches ist, daran darf ich wohl nicht zweifeln.«

»Ihr habt ganz recht, schöne Brunhilde. Es ist ein Liebespfand und mir so teuer, wie sonst nichts auf Erden.«

»Es ist gewiss sehr schön! Ach, dürfte ich selbes nicht besehen!«

Bedächtig zauderte Guido, doch die Schmeichlerin lehnte sich bittend an seine Schulter, verschwendete so süße Worte, dass er nachgab. Zugleich wollte er sich auch selbst durch den Anblick der Rose gegen die Versuchung stärken, in welche ihn die schöne Grafentochter immer mehr verstrickte. Langsam zog er die goldene Kapsel hervor und öffnete es mit einem Druck. Siehe, die Rose prangte im frischesten Rot, aber an der Seite, wo Brunhilde stand, begann sie am Rande zu verwelken. Guido erschrak, als er diese Veränderung gewahrte, und bemerkte darüber nicht, wie Brunhilde mit starrem, gierigen Blick nach dem Kleinod hinsah und dabei am ganzen Körper bebte, aber dennoch nicht imstande war, sich näher über die Seltenheit hinzubeugen. Mit verzweifelter Anstrengung fuhr sie plötzlich mit der Hand nach der Kapsel und erfasste sie. Aber in dem Augenblick, als sie das Gold berührte, verwandelte sich ihre schöne zarte Hand in die widerliche Pfote einer Äffin.

Guido fuhr schaudernd in die Höhe und fest entschlossen, sein Heiligtum bis auf das Äußerste zu verteidigen, rief er den Namen Rosamunde, erfasste dann die Affenpfote mit seiner Eisenhand und quetschte sie so fürchterlich zusammen, dass die Räuberin laut heulend ihre Beute fahren ließ. Zugleich umdüsterte ein dichter Nebel die Lampe, welche das Zimmer erhellte, das Fenster sprang klirrend auf und Brunhilde, vielmehr die Hexe Gundelberta, deren erster Versuch so böse missglückte, war verschwunden. Ein erstickender Schwefelgestank trieb Guido, der schnell die Tür geöffnet hatte und die Rose wieder sorgfältig an ihrem Platz verbarg, hinaus zur Kammer.

Hier traf er Bruno, dem er sogleich das bestandene Abenteuer mit der Hexengräfin erzählte; der ihm dagegen die Mitteilung machte, dass die Knappen, welche den entflohenen vermeintlichen Räubern nachsetzten, von diesen Sonderbares erzählten. Nachdem sie dieselben eine Zeitlang verfolgt hatten, verschwanden sie in einem dichten undurchdringlichen Nebel und ließen einen furchtbaren, pestilenzialischen Gestank zurück.

»So viel ist mir nun schon klar«, sprach Bruno weiter, »dass Eure Rose dem ganzen Hexengeschmeiß im Wege ist und die saubere Brunhilde eine Abgesandte war, die Euch das Kleinod entreißen sollte. Verwahrt dieselbe nur gut, denn wenn sich das Teufelsgezücht so viele Mühe gibt, sie Euch zu entreißen, so muss sie wohl viel Euch zum Nutzen sein. Nun weiß ich aber auch, dass ihr derjenige Ritter seid, den jener Pilger meinte. Ihr seid der wahre Hexenbezwinger und mit Eurer Hilfe, denke ich, soll es gelingen, meine gute Utta den Klauen des schändlichen Gundelbart zu entreißen.«

Die Ritter trennten sich, um noch einige Stunden der Ruhe zu pflegen und sich für den kommenden Tag zu rüsten, an welchem sie das Schloss des gewaltigen Zauberers Gundelbart zu bewältigen und Utta aus dessen Krallen zu befreien hofften.

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