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Schinderhannes – Sechstes Kapitel

Leben und Taten des berüchtigten Johann Bückler, genannt Schinderhannes
Für Jung und Alt zur Lehre und Warnung aufs Neue geschrieben von W. Fr. Wüst, Reutlingen 1870
Druck und Verlag von Fleischhauer & Spohn

Sechstes Kapitel

Schinderhannes geht auf das rechte Rheinufer und wird Krämer.

Schinderhannes war nun 20 Jahre alt und hatte sich durch seine Räubereien so viel erworben, dass er ruhig und sorgenlos leben konnte. Auf dem linken Rheinufer kannte man ihn überall, da war es also nichts für ihn. Deshalb ließ er sich bei Bingen über den Rhein setzen. Sobald er sich auf dem rechten Rheinufer befand, war er ein ganz anderer Mann. Um in Städten und Dörfern öffentlich erscheinen und mit ehrlichen Leuten in Verbindung treten zu können, hielt er es für notwendig, seinen Namen zu ändern. Er trat als Jakob Ofenloch von Altenbamberg auf, fing einen Kramhandel mit verschiedenen Waren an, kleidete sich wie ein rechtschaffener Mann und war überall angenehm, wohin er kam. Das war kein Wunder, denn er wusste sich recht gut zu benehmen, hatte stets gute Laune sowie ein unerschrockenes, einnehmendes Wesen und war hübsch von Gestalt und Angesicht. Dazu kam noch seine Freigebigkeit in den Wirtshäusern, wo er oft für andere bezahlte. Ein solcher Gast war besonders den Wirten sehr angenehm, weil er nicht nur selbst viel verzehrte, sondern auch andere Gäste in die Schenke zog.

Die ersten Waren, mit denen er handelte, hatten ihn größtenteils nichts gekostet, denn er brachte sie vom linken Rheinufer mit herüber, wo er sie gestohlen hatte. Als ihm nach und nach die Waren ausgingen, so begab er sich nach Frankfurt am Main und kaufte wieder neue ein. Die Wetterau und die Bergstraße waren hauptsächlich die Gegenden, in denen er seinen Handel trieb. Dieser ging nun aber nimmer so gut. Der Aufwand, den Jakob Ofenloch machte, war groß, und doch wollte er sich nicht einschränken. Es trat Mangel ein.

»Wie gewonnen, so zerronnen!« Nun musste er, um sein gewohntes Leben fortfetzen zu können, auf neue Räubereien denken. Da kam es ihm eben recht, dass er in einigen elenden Schenken schlechtes Gesindel traf, mit dem er über sein eigentliches Gewerbe gar vieles reden und zugleich manches neue Diebskunststück lernen konnte.

 

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