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Die Schöne und das Biest

Maxe L’Hermenier (Autor), Looky, Dem (Zeichner)
Die Schöne und das Biest

Fantasycomic, Hardcover, Splitter, Bielefeld, August 2015, 96 Seiten, 19,80 Euro, ISBN: 9783958390744, aus dem Französischen von Resel Rebiersch

Die Schöne und das Biest in einer dieser Stoffe, die man glaubt, in- und auswendig zu kennen, und deren Adaptionen dem Märchen doch immer wieder neue Impulse entlocken können. Gerade in Frankreich, dem Ursprungsland des Märchens um Belle und das Biest, sind in den letzten Jahren durch alle Medien wieder eine Reihe neuer Interpretationen erschienen. Dabei bietet sich das Thema dank seiner Tragkraft an Schauwerten insbesondere für visuelle Medien an – eigentlich also ein Wunder, dass erst jetzt eine Comicumsetzung erschienen ist.

Die Version aus der Feder von Maxe L‘Hermenier nutzt jedoch nur mehr lose Versatzstücke des Märchens und kombiniert sie mit der Sage um den Fliegenden Holländer, um daraus ein eigenständiges Fantasywerk zu zimmern. Insofern steht Die Schöne und das Biest hier in der Tradition neuerer Märchenadaptionen wie Rupert Sanders Snow White and The Huntsman oder Blutrote Schwestern von Jackson Pearce. Zudem spart der Comic nicht an Parallelen zur Fluch der Karibik-Reihe.

Aber beginnen wir von vorn: Die literaturverliebte Bella lebt mit ihren eifersüchtigen Schwestern und ihrem seines Wohlstands beraubten Vater in einer Hafenstadt. So weit, so klassisch. Doch eines Nachts taucht der Seelenfänger (auch »das Biest« genannt) mit seinem fliegenden Schiff auf, um sich von den Seelen der boshaftesten Kreaturen zu ernähren, die er finden kann. Es soll Bellas Schwestern treffen, doch die Schöne bietet sich selbst im Austausch an. Das Biest akzeptiert das Angebot. Aber anstatt Bella zu töten, bringt er sie auf sein Schloss, wo der Magier wartet, der das Biest einst verflucht hat und noch immer dessen Geliebte Diana gefangen hält. Das Biest bietet dem Magier Bella zum Tausch gegen seine Diana. Doch es kommt anders …

Keine Frage, an Schauwerten mangelt es dem Comic bei dieser Handlung nicht. Ob westeuropäische Landidylle, Schlossbombast hinter fallenden Blättern oder romantischer Rosenbusch samt schnuckeligem Hochzeitspaar: Die Zeichner Dem und Looky verstehen sich auf ihre Arbeit und haben ein opulentes Werk in düsteren Rost- und Blautönen geschaffen. Besonderen Gefallen finden die Künstler offenbar an ineinanderfließenden Bildkompositionen – hier liegt klar eines der Stilmerkmale des Doppelbandes. Die Figuren sind mit kleinen Eigenheiten versehen und insgesamt sehr emotionsbetont, was es dem Leser leicht macht, sie auseinanderzuhalten.

Handlungstechnisch sind es jedoch gerade diese Figuren, an denen es hapert. Das liegt vorrangig daran, dass ihre Entscheidungen oft sehr fragwürdig und unstimmig daherkommen. Da ist beispielsweise Liam, Bellas Sandkasten-Freund, der sich am Ende einen Kampf gegen das Biest erlaubt, auf dessen Optik World of Warcraft stolz wäre. Die Figur ist sehr ambivalent angelegt, was man ihr eigentlich nur zugutehalten kann.  Das Problem ist allerdings, dass Good-Liam und Bad-Liam solche Lichtjahre voneinander entfernt sind, dass sie nicht wie eine, sondern wie zwei völlig verschiedene Figuren wirken. Auch beim Antagonisten, einem … nun ja, belebten Dornenbusch, blinken zwar immer wieder interessante Aspekte hervor, die aber nur gestreift werden. Selbst die Protagonistin macht es dem Leser nicht leicht, mit ihr mitzufiebern. Gut, es wurde sich alle Mühe gegeben, sie nicht nur als liebliche Staffage mit Hang zum Romantikkitsch, sondern auch als taffe Frau mit eigenem Kopf darzustellen. Aber hey, was ist das für ein Mädchen, das gleich, nachdem es geopfert werden sollte, ein Ständchen mit ihrem Entführer wagt?!

Dass solche Unstimmigkeiten der kurzweiligen Unterhaltsamkeit keinen Abbruch tun, ist nicht zuletzt der Selbstironie zu verdanken, die immer wieder die bierernste Sword & Sorcery-Kulisse durchbricht, die Handlung aber stellenweise auch unnötig veralbert. Der Zeichenstil driftet hier mitunter in Richtung Manga ab, Bella wird zu ihrer eigenen Chibi-Figur. Man bekommt in solchen Momenten den Eindruck, dass sich die Macher selbst im Weg standen. Offenbar wollten sie alles mal ein wenig anders machen, sich an einen Stilmix wagen. Ein hehres Ziel, bei dem weniger aber oft mehr gewesen wäre.

Fazit:
Die Schöne und das Biest ist eine bildgewaltige und kurzweilige Märchenadaption, die allerdings an vielen Stellen den Eindruck erweckt, sich nicht richtig entscheiden zu können. Möchte sie nun Märchen sein oder klassischer Fantasycomic, dramatische Liebesgeschichte oder humorvolles Abenteuer? Natürlich muss sie sich nicht entscheiden, ganz im Gegenteil – das nicht zu tun, entspricht schließlich dem Zeitgeist. Ganz stimmig ist die Mischung allerdings nicht geworden.

(ar)

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