Lord Lister, genannt Raffles, der Meisterdieb – Band 2
Kurt Matull & Theo von Blankensee
Lord Lister, genannt Raffles, der Meisterdieb
Band 2
Die des Juwelenfälschers
Überarbeitete Fassung
John Raffles, auch bekannt als Lord Edward Lister, ist ein englischer Arzt, Weltenbummler und außergewöhnlicher Gentleman-Gauner. Auf seinen Reisen rund um den Globus sucht er das Abenteuer und engagiert sich gegen Verbrechen und Ungerechtigkeit. Er stiehlt bevorzugt bei Wohlhabenden, um Bedürftigen zu helfen, oder deckt kriminelle Machenschaften auf. Dabei lenkt er den Verdacht nicht selten geschickt auf eine unschuldige Person. Unterstützt wird er von seinem Chauffeur James Henderson und seinem Vertrauten Charles Brand.
Raffles tritt unter zahlreichen Identitäten und Namen auf. In London ist er als Lord William Aberdeen bekannt, der dem exklusiven Windsor Club als Vizepräsident angehört.
Chief Inspector Baxter von Scotland Yard und seine Kollegen Marholm und Sullivan sind stets bemüht, dem geheimnisvollen Meisterdieb auf die Spur zu kommen. Doch nur selten haben sie Erfolg – und selbst dann gelingt es Raffles meist, ihnen erneut zu entkommen.
1. Kapitel
Der Betrüger wird betrogen
Vor dem Hotel Cecil in London hielt eine Kutsche an und der Portier war sofort zur Stelle, um zwei eleganten Herren beim Aussteigen behilflich zu sein.
Einer der beiden, der einen schwarzen Spitzbart trug, fragte auf Englisch, das ihn sofort als Franzosen verriet, wie spät es sei.
Der Portier holte seine Uhr hervor und antwortete: »Es ist Viertel vor sechs.«
Der Fremde hatte ebenfalls seine Uhr hervorgeholt und sagte: »Ich verstehe Sie nicht! Sprechen Sie bitte Französisch!«
»Wie Sie wünschen«, sagte der Portier und wiederholte die Uhrzeit auf Französisch.
Der Fremde nickte, gab dem Portier einen Franc und verschwand mit seinem Begleiter in der Lobby. Dort fragte er, wieder auf Englisch, nach dem Preis des Zimmers.
Auch jetzt konnte sich Raffles nur schwer verständlich machen, bis schließlich einer der Hotelangestellten, der ausgezeichnet Französisch sprach, mit dem Lord sprechen konnte.
Er nahm drei Zimmer im ersten Stock für sich und seinen Begleiter und schrieb ins Gästebuch: Gaston Durand, Bankier aus Paris, und sein Sekretär Henry Ricold.
Die Herren begaben sich auf ihre Zimmer. Als sie allein waren, eilte der Mann mit dem schwarzen Bart zur Tür und verriegelte sie.
Dann lauschte er an den Wänden, öffnete die Schränke und schaute aus dem Fenster, als wolle er sich vergewissern, dass alles sicher war.
Er sah, dass seine Zimmer zur Themse hin ausgerichtet waren.
»Komm mal her, Charly, schau dir diese herrliche Aussicht an! Es scheint, als hätte der Hotelier sie für Raffles ausgesucht!«
»Pst!«, meinte der andere, »sprich den Namen Raffles nicht aus! Ich vermute, dass die Polizei uns verfolgt.«
Der Schwarzbärtige zündete sich eine Zigarette an und sah seinen Freund an.
»Hab keine Angst, wir sind so sicher wie nur möglich. Alle halten uns für echte Franzosen. Und außerdem, Charly, musst du dich wirklich daran gewöhnen, über Raffles als einen unbekannten, aber höchst interessanten Menschen zu sprechen. Du schätzt die Menschen viel zu hoch ein und denkst, dass mich jeder sofort als Raffles erkennt. Da irrst du dich gewaltig! Ich werde dich so schnell wie möglich von deinem Irrtum überzeugen, wenn wir einmal mit unserem Freund Baxter, dem Inspektor der Kriminalpolizei von Scotland Yard, in derselben Straßenbahn sitzen.«
»Um Himmels willen, tu das nicht, Mann!«
»Ich werde es auf jeden Fall tun! Du musst deine Nerven etwas mehr stählen, Charly. Sie sind hervorragende Waffen in unserem Geschäft!«
Lord Lister schwieg.
Er nahm sich eine neue Zigarette, zündete sie an und lachte plötzlich sehr laut.
»Ich hätte gerne das Gesicht des Inspektors gesehen«, platzte er heraus, »als er das Telegramm öffnete, das ich ihm vom Victoria-Bahnhof geschickt hatte.«
Charly Brand schaute ängstlich zur Tür und lauschte.
»Was machst du da?«, fragte Lord Lister.
»Ich bin nervös! Sehr nervös. Du redest so ungezwungen, als säßest du in deiner Villa im Regent’s Park. Die Wände hier könnten Ohren haben!«
»Das ist gut möglich. Aber ich glaube dennoch, dass du ganz beruhigt sein kannst. Ich habe dir doch schon gesagt, dass das gesamte Hotelpersonal uns für Franzosen hält. Bevor wir ausgehen, möchte ich noch einmal unsere falschen Bärte überprüfen, um sicherzugehen, dass wirklich alles in Ordnung ist.«
Lord Lister ließ seinen Worten Taten folgen.
Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.
Bisherige Downloads: 3
Bisherige Downloads: 3
Bisherige Downloads: 3
Bisherige Downloads: 3
Schreibe einen Kommentar