Weekly Ghost Story – Die Geschichte der wogenden Schleppe
Mary Louisa Molesworth
Die Geschichte der wogenden Schleppe
»Dann lasst uns Geistergeschichten erzählen«, schlug Gladys vor.
»Bist du ihrer noch immer nicht überdrüssig? Heutzutage hört man ja kaum etwas anderes mehr«, wandte die junge Mrs. Snowdon ein, ebenfalls ein Gast in The Quarries. »Und sie sind angeblich alle authentisch und verbürgt – doch bekommt man nie die Person zu Gesicht, die die Erscheinung tatsächlich gesehen, gehört oder gespürt hat. Es ist immer jemandes Schwester, ein Cousin oder der Freund eines Freundes.«
»Ich weiß nicht, ob das ein wirklich stichhaltiger Grund ist, sie pauschal abzutun«, sagte ihr Mann. »Es liegt in der Natur der Sache, dass man den Hauptbeteiligten seltener begegnet als den Geschichten selbst. Hundert Leute können eine Erzählung wiederholen, aber der Urheber – oder vielmehr der Held der Geschichte – kann nicht an hundert Orten gleichzeitig sein. Du ziehst doch auch keine anderen Berichte in Zweifel, bloß weil du den Hauptakteur nicht persönlich kennst?«
»Ich habe nicht gesagt, dass ich sie deshalb anzweifle«, entgegnete Mrs. Snowdon. »Du nimmst mich immer so hart ran, Archie. Ich bin nicht logisch und vernünftig – das behaupte ich auch gar nicht. Wenn ich etwas meinte, dann, dass eine Geistergeschichte einen großen Vorteil hätte, wenn man die betroffene Person vor sich sähe. Man wird eben etwas gereizt, wenn man ihr nie begegnet«, fügte sie mit einem leicht verdrossenen Unterton hinzu.
Sie war müde; sie alle waren erschöpft. Es war der erste Abend seit der Ankunft der Gesellschaft im Herrenhaus The Quarries, an dem nicht getanzt wurde – was üblicherweise die zusätzliche Anstrengung von zehn Meilen hin und zehn zurück bedeutete. Drei oder vier Abende solcher Festlichkeiten hinterlassen selbst bei den Jungen und Kräftigen ihre Spuren.
Heute Abend waren verschiedene, weniger kräftezehrende Beschäftigungen vorgeschlagen worden. Musik, Spiele, Vorlesen – doch nichts hatte allgemeinen Anklang gefunden. Nun schien auch Gladys Lloyds Vorschlag, Geistergeschichten zu erzählen, im Sande zu verlaufen.
Einen Moment lang antwortete niemand auf Mrs. Snowdons Bemerkung. Dann wandte sich überraschenderweise Nina, die junge Tochter des Hauses, an ihre Mutter.
»Mama«, sagte sie, »sei mir nicht böse – ich weiß, du hast mich gewarnt, vorsichtig mit diesem Thema zu sein. Aber wäre es nicht wunderbar, wenn Onkel Paul uns seine Geistergeschichte erzählen würde? Und dann, Mrs. Snowdon«, fuhr sie fort, »könnten Sie immerhin sagen, Sie hätten eine Geschichte aus – wie soll ich sagen? – erster Hand gehört.«
Lady Denholme blickte sich fast nervös um, bevor sie antwortete.
»Örtlich gesehen wäre es nicht hier, Nina«, sagte sie. »The Quarries war nicht der Schauplatz der Erlebnisse deines Onkels. Aber ich denke, es ist besser, nicht darüber zu sprechen. Ich bin mir nicht sicher, ob es ihm recht wäre – und er kann jeden Moment hereinkommen. Er wollte nur kurz eine Notiz schreiben.«
»Ich wünschte wirklich, er würde sie uns erzählen«, sagte Nina bedauernd. »Meinst du nicht, ich könnte kurz ins Arbeitszimmer huschen und ihn fragen? Wenn ihm der Gedanke missfällt, kann er es mich ja wissen lassen. Onkel Paul ist so gütig – ich scheue mich nie, ihn um einen Gefallen zu bitten.«
»Danke, Nina, für deine gute Meinung von mir. Du siehst: Keine Regel ohne Ausnahme. Lauscher hören manchmal doch Gutes über sich selbst«, sagte Mr. Marischal, als er in diesem Moment hinter dem Wandschirm hervorkam. »Was ist das für ein besonderer Gefallen?«
Nina sah ertappt aus. »Wie leise du die Tür geöffnet hast, Onkel Paul! Ich hätte nicht über dich gesprochen, wenn ich gewusst hätte, dass du schon da bist.«
»Aber schließlich hast du ja nichts Schlimmes gesagt«, bemerkte ihr Bruder Michael. »Und ich glaube nicht, dass Onkel Paul etwas dagegen hat, wenn wir ihn nach dem fragen, worüber wir gerade sprachen.«
»Was war es denn?«, fragte Mr. Marischal. »Da ich ohnehin schon so viel mitbekommen habe, könnt ihr es mir auch gleich ganz sagen.«
»Es war nur …«, begann Nina, doch ihre Mutter unterbrach sie besorgt.
»Ich habe Nina gesagt, sie solle schweigen, Paul. Aber die jungen Leute hier brennen darauf, von deinem seltsamen Erlebnis zu hören. Du darfst ihnen nicht böse sein.«
»Böse?«, erwiderte Mr. Marischal. »Nicht im Geringsten.« Doch für einen Augenblick schwieg er, und selbst die verwöhnte Mrs. Snowdon blickte nun ein wenig unbehaglich drein.
»Du hättest nicht darauf beharren sollen, Nina«, flüsterte sie.
Mr. Marischal schien ungewöhnlich scharfe Ohren zu haben. Er blickte auf und lächelte.
»Es macht mir wirklich nichts aus, es euch zu erzählen«, sagte er. »Eine Zeit lang hatte ich eine gewisse Abneigung dagegen, um anderer willen. Die Einzelheiten hätten dazu geführt, dass man die Beteiligten erkannt hätte – was schmerzlich hätte sein können. Aber heute lebt niemand mehr, für den es von Bedeutung wäre. Ihr Mann«, fügte er an seine Schwester gewandt hinzu, »ist inzwischen auch verstorben.«
Lady Denholme schüttelte den Kopf. »Nein, davon habe ich nichts gehört.«
»Doch«, sagte ihr Bruder, »ich habe es letztes Jahr in der Zeitung gelesen. Es gibt also keinen Grund mehr, die Geschichte geheim zu halten. Aber erwartet nicht zu viel – es ist kaum der Rede wert, so eine lange Vorrede zu machen. Es muss fast fünfzehn Jahre her sein.«
»Warte einen Moment, Onkel Paul«, sagte Nina. »So ist es gut, Gladys. Du und ich, wir halten uns an den Händen und kneifen fest zu, wenn es gruselig wird.«
»Danke«, erwiderte Miss Lloyd trocken. »Im Großen und Ganzen wäre es mir lieber, wenn du meine Hand loslässt.«
»Ich werde nicht so fest kneifen, dass es wehtut«, beruhigte sie Nina. »Und wir sitzen ja nicht im Dunkeln.«
»Soll ich die Lampen herunterdrehen?«, fragte Mr. Snowdon scherzhaft.
»Nein, bloß nicht!«, rief seine Frau aus.
»Es ist wirklich nichts Beängstigendes an meiner Geschichte, kaum etwas Gruseliges«, sagte Mr. Marischal fast entschuldigend. »Ich komme mir vor wie ein Hochstapler.«
»Oh nein, Onkel Paul. Fahr bitte fort. Ich halte Gladys’ Hand trotzdem«, fügte Nina sotto voce hinzu, »sicher ist sicher.«
»Nun gut«, begann Mr. Marischal von Neuem. »Es war vor etwa fünfzehn Jahren. Und ich hatte sie davor gut zehn Jahre lang nicht gesehen! Ich hatte nicht im Geringsten an sie gedacht; sie war völlig aus meinem Leben verschwunden – das ist für mich bis heute der merkwürdigste Punkt an der Sache.
Sie war zu der Zeit, als ich sie kennenlernte, ein reizendes Mädchen namens Maud Bertram. Sie war mehr als nur hübsch; sie hatte bemerkenswert regelmäßige Züge und eine große, anmutige Gestalt. Zudem war sie ein fröhliches Geschöpf. Ihr werdet euch fragen – ich sehe es euch an, Miss Lloyd und Mrs. Snowdon – warum ich nicht um sie geworben habe, wenn ich sie doch so bewunderte. Ich sage es euch offen: Ich wagte es nicht. Ich hatte damals keine Aussicht darauf, in absehbarer Zeit heiraten zu können, und ich war nicht mehr ganz jung. Ich war fast dreißig, Maud gut zehn Jahre jünger. Ich war alt genug, um die Lage vernünftig einzuschätzen.«
»Und Maud?«, fragte Mrs. Snowdon.
»Sie war von Verehrern umgeben. Es schien mir damals anmaßend, mich zu fragen, ob ich ihr etwas bedeuten könnte. Erst viel später kam mir der Gedanke, dass ich mich geirrt haben könnte.« Er seufzte leise. »Wir waren die besten Freunde. Das letzte Mal sah ich sie kurz vor meiner Abreise nach Portugal. Als ich zurückkehrte, war Maud verheiratet und in Indien. Die Zeit verging. Ich war ein vielbeschäftigter Mann, und das Leben war ernst geworden. Gelegentlich rief eine flüchtige Ähnlichkeit sie mir ins Gedächtnis – etwa, wenn ich die Frau eines Cousins in ihrem Hofkleid bewunderte. So, in großer Abendgarderobe, hatte ich sie zuletzt gesehen, und so war ihr Bild in meinem Gedächtnis geblieben. Aber zum Zeitpunkt des Ereignisses hatte ich seit Monaten nicht an sie gedacht.
Ich hielt mich in London auf, im alten Stadthaus am Square. Es war ein klarer Aprilnachmittag, noch vor vier Uhr – wahrlich keine geisterhafte Stunde. Ich wollte in der Bibliothek Briefe schreiben. Ich saß am Kamin, die Tür war nur angelehnt. Plötzlich schwang sie lautlos auf. Ich erwartete, jemanden eintreten zu sehen, doch da war niemand. Die Tür war von selbst aufgeschwungen und wirkte nun wie ein Wandschirm vor dem Eingang.
Doch plötzlich hefteten sich meine Augen auf den Teppich. Etwas war in mein Sichtfeld geraten. Rauch, war mein erster Gedanke. Brennt es irgendwo? Doch das Etwas, blass und schattenhaft, das dort langsam wie in kleinen Wellen hinter dem dunklen Holz der Tür hereinwand, war zu substanziell für Rauch. Es sah aus wie Seifenlauge, dachte ich kurz – hatte jemand einen Eimer umgestoßen? Aber nein. Das wogende Etwas, das immer weiter hereinglitt, nahm eine festere Gestalt an. Es waren Wellen aus weichem, seidigem Stoff, die hereinkrochen, als würden sie sich langsam entfalten – gleitend und sanft, wie Wellen am Meeresufer.
Und ich saß da und starrte. Warum ich nicht aufsprang, um hinter die Tür zu blicken? Ich kann es nicht sagen. Ich saß wie verzaubert da, unfähig, mich dem Einfluss zu entziehen.
Und es wogte immer weiter herein, bis es sich beim Näherkommen schließlich auch hob. Dann sah ich, wie eine Gestalt – die Figur einer großen, anmutigen Frau – langsam und natürlich rückwärts in den Raum vordrang. Diese Wellen aus blasser Seide – ich glaube, es muss ein sehr zarter, perlgrauer Ton gewesen sein – waren tatsächlich der untere Teil einer langen Hofschleppe, deren oberer Teil in schweren Falten von der Taille der Dame herabfiel. Sie bewegte sich herein – ich kann die Bewegung kaum beschreiben, es war kein gewöhnliches Gehen oder Rückwärtsschreiten –, bis ihre ganze Gestalt und das klare Profil ihres Gesichts deutlich sichtbar waren.
Als sie schließlich direkt hinter der Tür stehen blieb, da erkannte ich es – es durchfuhr mich wie ein Blitz: Diese mysteriöse Besucherin war mir keine Fremde! Ich erkannte die schönen Züge von Maud Bertram wieder, die seit jenem Tag vor zehn Jahren, als ich sie zuletzt gesehen hatte, scheinbar unverändert geblieben waren.«
Mr. Marischal hielt einen Augenblick inne. Niemand sprach. Dann fuhr er fort:
»Ich hätte nicht unverändert sagen sollen. Es lag eine tiefe Veränderung in diesem lieblichen Gesicht. Ihr erinnert euch: Ich sagte, einer ihrer größten Vorzüge sei ihre strahlende Fröhlichkeit gewesen. Sie wirkte nie düster oder bedrückt. Doch in dieser Hinsicht war das Antlitz, das ich dort anstarrte, der Maud Bertram von früher völlig unähnlich. Ihr Ausdruck, während sie dort stand und nicht zu mir, sondern nach draußen blickte – als sähe sie jemanden jenseits der Türschwelle –, war von tiefster Traurigkeit erfüllt. Etwas so Herzzerreißendes habe ich nie zuvor in einem menschlichen Gesicht gesehen, und ich hoffe, ich werde es nie wieder sehen müssen.
Ich blieb reglos sitzen und starrte sie unverwandt an, ohne den Wunsch oder gar die Kraft, mich dem Phantom zu nähern. Ich verspürte keine Angst. Ich wusste, dass es eine Erscheinung war, aber ich fühlte mich wie gelähmt, als stünde ich selbst außerhalb der Welt. So saß ich da – Maud anstarrend – und dort stand sie mit dieser unsagbaren Traurigkeit, die mich mit einem namenlosen Mitleid erstarren ließ.
Ich weiß nicht, wie lange ich wie in Trance dagesessen hatte, als plötzlich die Hausglocke läutete. Das schreckte mich auf. Ich blickte mich um, in der Erwartung, die Vision sei verflogen. Aber nein; sie war immer noch da. Ich sank gerade in meinen Sitz zurück, als ich hörte, wie mein Bruder eilig die Treppe heraufkam. Er steuerte auf die Bibliothek zu, sah die offen stehende Tür und trat herein.
Und ich sah, wie seine Gestalt durch die der Frau hindurchging, so wie man durch einen Nebelschleier oder eine Rauchwolke schreitet. Versteht mich nicht falsch: Mauds Gestalt hatte bis zu diesem Moment nichts Unwirkliches an sich gehabt. Sie war mir so exakt wie eine lebende Frau erschienen – der Farbton ihres Kleides, der Glanz ihres Haares, ihr Schmuck, alles war so präzise und klar wie dein Anblick jetzt gerade, Nina. Sobald mein Bruder ganz im Zimmer war, schien sie sich wieder zu festigen. Er sprach mich an, aber ich antwortete nur im Flüsterton und bat ihn, still zu sein und sich mir gegenüberzusetzen. Er tat es, sichtlich verblüfft über mein merkwürdiges Gebaren, denn ich hielt meine Augen fest auf die Tür gerichtet. Ich hatte das seltsame Gefühl, dass sie verblassen würde, wenn ich wegsähe.
Ich fragte Herbert leise, ob er nichts sehe, doch er schüttelte nur verwirrt den Kopf. Dann bemerkte ich, wie die Gestalt unschärfer wurde. Sie wich nicht zurück, sie wurde einfach blasser und vager, die Farben verschwammen. Ich rieb mir die Augen, in der Vermutung, das lange Starren würde mich täuschen, doch dem war nicht so. Langsam, aber sicher löste sich Maud Bertram auf, bis jede Spur von ihr verschwunden war. Ich sah wieder das vertraute Muster des Teppichs und die Möbel, die zuvor von ihren Gewändern verdeckt gewesen waren. Alles war wieder ganz alltäglich. Aber sie war fort.
Dann begann Herbert mich auszufragen. Ich erzählte ihm genau das, was ich euch berichtet habe. Er antwortete, wie es jeder vernünftige Mensch tun würde: Es sei seltsam, fiele aber wohl unter die Rubrik optische Täuschung. Er meinte, ich sei vielleicht überarbeitet und solle einen Arzt aufsuchen. Doch ich wusste, dass es mir bestens ging.
›Trotzdem‹, sagte ich, ›werde ich mir das Datum notieren.‹
Herbert lachte. Er meinte spöttisch, er würde ihr am liebsten schreiben und sie bitten, in ihrem Tagebuch nachzuschlagen, was sie an diesem 6. April getan habe, während ihr Wiedergänger mir einen Besuch abstattete. Ich ließ ihn reden. Es vertrieb den schmerzlichen Eindruck dieser unendlichen Traurigkeit. Wir wussten ohnehin nicht, wo sie lebte – wir erinnerten uns kaum noch an ihren Ehenamen. So blieb mir nur, Tag und Stunde mit peinlicher Genauigkeit in meinem Tagebuch zu vermerken.
Die Zeit verging. Der Eindruck verblasste, bis mir das Erlebnis eher wie ein Traum vorkam. Doch eines Tages hörte ich wieder von der armen Maud. Ein Freund der Familie ihres Mannes erwähnte sie in einem Gespräch über alte Zeiten. Er überraschte mich mit der Frage, ob ich mich an sie erinnerte. Und dann erzählte er es mir: Sie war tot. Sie war vor einigen Monaten nach langer, schwerer Krankheit gestorben – die Folge eines schrecklichen Unfalls. Sie hatte eines Abends Feuer gefangen, als sie für eine prunkvolle Gesellschaft gekleidet war.
›Sie war so hübsch‹, sagte mein Freund, ›und das Traurigste war, dass sie schrecklich entstellt war. Die rechte Seite ihres Gesichts war völlig zerstört, aber seltsamerweise blieb die linke Seite völlig unversehrt. Wenn man sie im Profil sah, hätte man keine Ahnung von dem Unglück gehabt. War das nicht tragisch?‹
Ich erzählte ihm meine Geschichte nicht, aber mich durchlief ein Schauder. Es war nur die linke Seite ihres Gesichts gewesen, die sie mich hatte sehen lassen.«
»Oh, Onkel Paul!«, rief Nina aus.
»Und – was die Daten betrifft?«, erkundigte sich Mr. Snowdon.
»Ich habe das genaue Datum des Unfalls nie erfahren«, sagte Mr. Marischal, »aber ihr Tod trat gut sechs Monate nach meiner Sichtung ein. Ich habe nie daran gezweifelt, dass sie kurz nach dem Unfall zu mir kam. Es schien eine Art Flehen um Mitgefühl zu sein – und ein letzter Abschied.«
Sie saßen eine Zeit lang schweigend da, dann stand Mr. Marischal auf und zog sich in seine Räumlichkeiten zurück.
»Was für eine rührende Geschichte«, sagte Gladys Lloyd. »Ich befürchte, es war für ihn am Ende doch schmerzlicher, sie zu erzählen, als er zugab. Wussten Sie etwas über Mauds Ehemann, liebe Lady Denholme? War sie glücklich?«
»Wir haben nie viel darüber gehört«, antwortete ihre Gastgeberin. »Aber ihr Mann heiratete bald nach ihrem Tod erneut.«
»Trotzdem«, beharrte Nina leise, »ich bin sicher, dass sie Onkel Paul geliebt hat – viel mehr, als er ahnte. Die arme Maud!«
»Und er hat nie geheiratet«, fügte Gladys hinzu.
»Nein«, sagte Lady Denholme; »aber es standen einer Heirat damals viele Hindernisse im Weg. Er hatte ein ausgefülltes Leben, und jetzt fühlt er sich wohl zu alt für neue Bindungen.«
Doch Nina wiederholte nur leise: »Die arme Maud!«
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