Das Märleinbuch 3
Peter Kling
Das Märleinbuch für meine lieben Nachbarsleute
Leipzig, Weygandsche Buchhandlung, 1799
Zweites Märlein
Es war einmal ein großes Schloss. Große Herren hausten da und schöne Damen. Wäre ein Märleinschreiber hingekommen, er hätte es das Schloss der Feen genannt.
So aber war es nur das Schloss eines vornehmen Grafen, der der Freude alles opferte, denn er war der Letzte seines Stammes. War Frau Hedwig gleich noch jung von Jahren, so war sie doch schon zehn Jahre in der Ehe, ohne ein Kindlein zu wiegen, und hoffte die Freuden der Mutter nimmer zu genießen.
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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 58
Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845
58. Wie Rübezahl drei Schmiedeknechten gute Wirtschaft lehrt.
Drei armen Schmiedeknechten ging es einmal gar sonderbar auf dem Gebirge. Sie waren nämlich auf der Wanderschaft und hatten da oftmals von dem berühmten Riesengebirge und von Rübezahl reden gehört. Da sie nun in der Gegend waren, so dachten sie: So eine Gelegenheit kommt auch nimmer wieder und ihr müsst hinauf. Sie gingen also auch munter das Gebirge hinauf.
Deutsche Märchen und Sagen 60
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
61. Spinnenweibchen in der Linde
Zu Wessalaere bei Nevele steht eine ungeheure Linde, die wohl eintausend Jahre zu zählen scheint. Aus der Mitte ihres hohlen Stammes schießt ein junges Lindchen auf. Neben dem jungen Lindchen sieht man jegliche Nacht ein spinnendes Weibchen sitzen, das ist alt und rundlich und dreht seine Rädchen immerfort. Mag da zuschauen, wer will. Um das Weibchen herum springen und spielen Tiere aller Art, ganz zahm und fürchtet sich keins.
Viele Leute aus der Gegend gehen hin zu der Linde, um das Weibchen zu sehen. Gewöhnlich aber tun sich Weiterlesen
Im Zauberbann des Harzgebirges – Teil 19
Im Zauberbann des Harzgebirges
Sagen und Geschichten, gesammelt von Marie Kutschmann
Ilse
Mächtiger denn je ragte in alten Zeiten der Gipfel des Ilsesteins empor, damals, als er mit dem gegenüberliegenden Westernberg noch ein Ganzes bildet bildete. Auf seiner Höhe aber thronte König Ilsungs Schloss. Eine liebliche Tochter, Ilse genannt, war die Freude und der Stolz des greisen Fürsten. Manch edler Ritter zog auf die Burg, um der schönen Ilse zu huldigen.
Mit Neid sah das eine Frau, deren Haus nicht fern vom königlichen Schloss lag, dort, wo einst die Felsenburg ins Tal hinabschaute. Auch sie besaß eine Tochter, so alt wie Ilse, aber weder so schön noch so gut. Kein Mensch Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 59
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
60. Goldwurz blutet
Ein Knabe aus dem Bistum Cameryk in Brabant kam zu Thomas, wehklagte und rief: »Oh, Herr, erbarmt Euch mein, denn mir ist Schreckliches widerfahren.«
Thomas stand verwundert darüber, denn er konnte nicht begreifen, was dem Knaben denn für Schreckliches begegnet sein mögen, und fragte ihn: »Dann sage mir bald und kühn, was ist denn das?«
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