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Im Zauberbann des Harzgebirges – Teil 22

Im Zauberbann des Harzgebirges
Sagen und Geschichten, gesammelt von Marie Kutschmann

Die Harzburg

Wechselvolle Schicksale sind über die Harzburg, die einstige Kaiserburg, dahingezogen. Heinrich IV. hat sie in den Jahren von 1065 – 1069 herrlich auf dem Burgberg errichten lassen. Ihr Glanz währte nur kurze Zeit und heute sind kaum noch spärliche Überreste vorhanden.

Kostbar und reich war der Bau mit seiner Domkirche, deren silberne Glocke in lieblichem Klang weithin über Berge und Täler schallte und deren Reliquienschrein viele Wanderer heranzog.

Heinrich liebte die Harzburg vor allen anderen seiner Burgen und besonders hielt er den Dom in Ehren. Dennoch beraubte ihn das Schicksal sehr bald seines Lieblingssitzes.

Als nämlich die Sachsen sich gegen ihren Kaiser empört hatten und mit einem starken Heer gegen Goslar gerückt waren, wo sich Heinrich in seiner Pfalz aufhielt, musste er der Übermacht weichen. Er floh zunächst zur festen Harzburg. Aber auch dort war seines Bleibens nicht. Die empörten Sachsen bedrängten ihn hart. Er musste endlich die Schleifung mehrerer seiner Burgen versprechen und bat sich nur aus, man möge wenigstens den Dom auf der Harzburg schonen. Dann floh er in finsterer Nacht auf einem Seitenpfad, der ihn durch dichte Waldungen führte, von der Feste.

Seine Bitte wurde nicht erfüllt. Die aufgebrachten Bauern zerstörten alles. Der kostbare Dom wurde vernichtet, die Gräber geöffnet und die Gebeine der königlichen Familie umhergestreut. Heinrich war außer sich vor Schmerz, als er dies erfuhr und kam mit einer furchtbaren Armee zurück, um den Barbarismus zu rächen.

Nach der Hohenburger Schlacht, als die Sachsen besiegt waren, ließ der Kaiser die Harzburg zum zweiten Mal aufbauen und nahm wiederum seinen Wohnsitz daselbst.

Zum anderen Mal jedoch empörte sich das Volk und wieder sah sich Heinrich gezwungen, seinen Lieblingssitz zu verlassen. Als ihn gar der Bannstrahl des Papstes traf, wurde die Harzburg nochmals zerstört und nun von ihm nicht wieder aufgebaut.

Hundert Jahre lang lag der einst so glänzende Bau unbeachtet und unbewohnt, bis Friedrich von Hohenstaufen sie seinem Liebling, Heinrich dem Löwen, schenkte. Als sich dieser indessen gegen den Kaiser auflehnte, wurde ihm, wie so viele andere Burgen, auch die Harzburg wieder genommen und vom Kaiser Friedrich zu einem festen Platz umgewandelt.

Es war das dritte und letzte Mal, dass diese Burg kaiserliche Pracht in ihren Mauern barg, als Otto IV., des Löwen Sohn, hier still und zurückgezogen das Ende seiner Tage verlebte und dort im Jahr 1218 starb.

Darauf kam die Harzburg an die Grafen von Woldenberg, später an Wernigerode, bis sie schließlich durch Verrat in die Hände einiger Ritter von so zweifelhafter Gesinnung gelangte, dass sie, die einstige stolze Kaiserburg, zum Raubnest herabgewürdigt wurde.

Zwar wurde diesem Treiben durch die Edlen des Harzes bald ein Ende gemacht und die Burg den Braunschweigern übergeben, allein niemals kehrte der frühere Glanz zurück.

Langsam verfiel die Burg; schließlich hielten sich nur fahrendes Volk und Bettler darin auf, bis endlich die Zeit den stolzen Bau bis auf die wenigen Überreste vernichtete, welche sich noch auf dem Burgberg erheben. Das Volk aber erzählt sich vom Burgberg die verschiedensten Sagen.

Hier ist es, wo der wilde Jäger, der Hackelberg, am häufigsten, am lautesten und lärmendsten vorüberstürmt. Auch eine weiße Jungfrau lässt sich zuweilen auf dem Burgberg sehen. Wie im Kyffhäuser fallen auch hier im Inneren des Berges der Rotbart und andere Kaiser schlafen.

In den Brunnen, in welchem es oft gewaltig rauscht, soll Heinrich IV. bei seiner Flucht die Kaiserkrone geworfen haben, als er von der Burg entwich, und der Weg, den er genommen hatte, soll durch eine Öffnung im Inneren des Brunnens in den Wald geführt haben.

Ein Verbrecher, der Schöppenstedt hieß, sollte sein Vergehen mit dem Tod büßen. Da beschloss man, stattdessen ihn in den Brunnen auf dem Burgberg zu lassen, damit man erfahre, ob es in demselben wirklich einen Ausweg gäbe. Fände er einen Ausgang und käme wohlbehalten heraus, so solle ihm das Leben geschenkt sein. Und richtig, der Schöppenstedt kam an eine eiserne Tür, die sich bald auftat. Vor ihm erschient die weiße Jungfrau und sagte, es wäre sein Glück, dass er nicht aus Mutwillen herabgekommen sei. Dann führte sie den Schöppenstedt den Gang entlang in eine Höhle, wo Kaiser Heinrich, der Rotbart, und Kaiser Otto beide an einer mit Speisen besetzten Tafel gesessen hätten. Dem einen Kaiser sei der Bart durch den Tisch gewachsen. Ringsumher hätten viele Gold- und Silbergeräte gelegen. Auch eine Menge Pferde hätten umhergestanden. Zuletzt fand sich der Schöppenstedt an einer Stelle im Wald wieder, die Schöppenstedtergrund heißt, wieder herausgekommen.

Die weiße Jungfrau soll sich schon vielen in der Umgegend der Harzburg gezeigt haben, besonders in der Nacht vor Freitag. Ihr eigentlicher Aufenthaltsort aber ist der Brunnen gewesen. Manchem hat sie Schätze angeboten, wenn er sie erlösen wollte. Aber die Leute haben immer Furcht gehabt und sind davongelaufen.

Auch eine große Schlange, die man Basilisk nannte, war auf dem Burgberg und soll die Schätze bewacht haben, welche hinter der eisernen Tür lagerten.

Der Basilisk hatte keinem ein Leid getan, aber alle Leute haben Furcht vor ihm gehabt und sind davongelaufen, wenn er sich nur sehen ließ.

Bei einem Waldbrand an der jetzigen Brandklippe soll diese Schlange mit verbrannt sein. Dort wollen einige sie noch später gesehen haben.

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