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Mythen & Wirklichkeiten

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 33

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

VIII. Hirschberg und Umgebung

7. Der Zweikampf

Im Herbst 1621 überrannten wilde Kriegerhorden das schöne Hirschberger Tal. Als sie am 22. November vor die Stadt zogen, fanden sie die Bürger jedoch gut gerüstet auf den Mauern vor. Einen überraschenden Überfall hätten die feindlichen Scharen gern gewagt, vor einer regelrechten Erstürmung schreckten sie jedoch zurück. Stattdessen boten sie den Städtern einen Zweikampf zwischen einem ihrer Krieger und einem Bürger an.
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Sagen der mittleren Werra 108

Die Tulipan am Frankenstein

Von Barchfeld ging einmal eine Frau nach Kloster Allendorf zum Begräbnis einer Nonne, die zu ihrer Freundschaft gehörte. Der Tag war heiß, und da die Frau wusste, dass sie bei dem Leichenbegängnis lange zu stehen hätte, setzte sie sich erst ein wenig an der Quelle hinter der Klostermühle am Fuße des Frankensteins nieder. Kaum aber hatte sie sich gesetzt, so schoss dicht neben ihr eine prächtige Tulpe (Tulipan) aus dem Boden.

Die Frau war ganz überrascht, griff aber doch zu, brach die Blume ab und hielt nun ganz erschrocken statt der Tulpe einen mächtigen Schlüssel in ihrer Hand. Sie blickte sich darauf scheu nach allen Seiten um und gewahrte nun auch eine verschlossene Tür hinter ihrem Rücken. Unentschlossen blieb sie einen Augenblick stehen, dann aber fasste sie sich ein Herz, steckte den Schlüssel ins Schloss, und die Tür sprang auf. Die Neugier trieb sie bald in das Innere. Hier sah sie einen großen Kessel voll blinkender Geldstücke. Vorsichtig nahm sie einige Hände voll in ihre Schürze; da kam es ihr vor, als ob ihr der Kessel durch eine unsichtbare Hand entgegengeschoben würde, und nun fing es an ihr zu gruseln. Sie eilte daher rasch ins Freie, und als sie sich umsah, war die Tür verschwunden. Ihr Schleier aber, den sie beim Eintreten daran gehängt hatte, hing nun auf einem wilden Weiterlesen →

Sagen der mittleren Werra 107

Von der Kingskutte bei Möhra

»Ich habe drei Jahre als Knecht drüben in Möhra gedient«, erzählte ein alter Hirte, »und manchen Schweißtropfen in der Kingskutte verloren; ich kenne sie wie meine Westentasche.«

Sie liegt kaum einige Büchsenschüsse weit auf der Höhe hinter Möhra, rechts am Fußpfad nach Ettenhausen. Sie ist höchstens an der tiefsten Stelle mannstief und einige dreißig Schritte lang und breit. Es bleibt eine kuriose Sache, dass die salztrockene Kingskutte an heißen Sommertagen – wenn man glaubt, im Feld müsse alles verbrennen und Quellen sowie Bäche versiegen – auf einmal voll Wasser wird. Oft sickert es ebenso schnell wieder in den Boden, wie es gekommen ist; oft steht es aber auch so lange, dass die Sommerfrucht darin abstirbt. Wahr ist es: Wenn die Kingskutte voll Wasser steht, steigt das Getreide im Preis, und sollte es auf den Dächern wachsen.

Der Wehdborn in Möhra

Vor einem der Bauernhäuser, dicht an der Gemeindeschenke zu Möhra, steht neben der Wehd – einem kleinen gemauerten Bassin Weiterlesen →

Sagen der mittleren Werra 106

Möhra im Dreißigjährigen Krieg

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges soll die Pest in Möhra und der Umgebung so arg gehaust haben, dass der Ort, der vor dem Krieg weit größer gewesen war als jetzt, fast ganz verwaist war und die Felder nicht bebaut werden konnten. Damals kam auch ein Haufen fremden Kriegsvolks ins Dorf; dieser konnte hier nicht einmal einen Boten nach dem nahen Werratal auftreiben.

Nach langem Suchen fanden sie endlich in der Nähe einen jungen Menschen, der auf der Wiese beschäftigt war. Sie zwangen ihn, ihnen den Weg an die Werra zu zeigen. Der Bursche gedachte bald zurückzukehren und hing seine Sense einstweilen an den erstbesten Weidenbaum am Wege, als er mit dem Kriegsvolk von dannen zog.

Das Kriegsvolk aber steckte ihn unter das Regiment und nahm ihn mit weit hinaus ins Reich. Nach sieben Jahren erst gelang es ihm auszureißen. Als er in die Nähe seiner Heimat kam und den Platz sah, wo er dem Haufen in die Hände gefallen war, gedachte er auch seiner Sense – und siehe, sie hing noch an demselben Ast, an dem er sie vor sieben Jahren aufgehängt hatte.

Vom wütenden Heer zu Möhra

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Des Teufels eigener Reiter

Des Teufels eigener Reiter
Das blutige Erbe von Arkansas Dave

Der Wilde Westen war kein Ort für Chorknaben, aber selbst unter den härtesten Desperados gab es Gestalten, bei deren Namen ehrbaren Bürgern das Blut in den Adern fror. Einer von ihnen war David Rudabaugh. Die Geschichte verpasste ihm später die Beinamen Arkansas Dave oder Dirty Dave – angeblich wegen seines strengen Körpergeruchs und seines ungepflegten Äußeren, aber das ist wohl Geschmackssache der Historiker. Popkulturellen Ruhm brachte ihm erst Hollywood im Spätwestern Young Guns II. Doch der echte Rudabaugh brauchte keine Kinoleinwand: Er war ein eiskalter Outlaw, der sein Leben lang auf Kriegsfuß mit dem Gesetz stand.

Geboren wurde der Knabe wohl am 14. Juli 1854 als David Radenbach in Fulton City, Illinois. Im Zuge der großen Westexpansion wurde aus dem deutschen Namen ganz pragmatisch Rudabaugh – man schrieb eben, wie man es hörte. Nachdem der Vater im Bürgerkrieg geblieben war, zog die Mutter die Familie über Kansas nach Ohio und wieder zurück nach Kansas. Doch Dave hielt es nicht am heimischen Herd. Mitte der 1870er Jahre tauchte er in Arkansas auf – und fand schnell Gleichgesinnte für das ganz Weiterlesen →