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Mythen & Wirklichkeiten

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 46

Der Rabe mit dem Ring am Rathenower Tor zu Brandenburg

Auf der Spitze des Rathenower Tors zu Branden­burg sieht man einen Raben, in dessen Schnabel ein Ring mit daran befindlicher Kette sichtbar ist. Das Wahrzeichen hat folgende Bedeutung.

Einem der Brandenburger Bischöfe war nämlich einst ein Ring weggekommen, und da, so viel er auch hin und her sann, wer ihn genommen haben könnte, doch sein Verdacht sich immer wieder auf einen Diener wendete, der allein in seinem Zimmer gewesen war. So befahl er, dass dieser wegen des Diebstahls mit dem Tode bestraft werde. Der Befehl wurde auch sogleich vollzogen. Darauf vergingen einige Jahre, da wurde an dem Dach eines der Weiterlesen

Die Geschichte des Pony Express 02

Die Geschichte des Pony Express
Kapitel II
Entstehung und Organisation des Pony-Express

Die Entdeckung von Gold in Kalifornien im Januar 1848 führte zu einer unmittelbaren Berühmtheit dieser Region. Die sogenannten Forty-Niners – ein Begriff, der im Übrigen auch als Metapher für Pioniere dient – kamen aus allen Teilen des Landes und den entlegensten Winkeln der Erde. In einem Chaos, das durch ein großes Bergarbeiterlager gekennzeichnet war, setzte sich die angelsächsische Liebe zu Recht und Ordnung bald durch. Zivile und religiöse Einrichtungen entstanden in kurzer Zeit. Im Sommer 1850, also etwas mehr als ein Jahr nach Beginn des großen Ansturms, trat Kalifornien schließlich als freier Staat der Union bei.
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Deutsche Märchen und Sagen 189

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

254. Die Nonne zu Gehofen

Eine Frau von Eberstein wollte in ihrem Schloss Gehofen, welches im Amt Allstedt liegt, aus einer klei­nen Küche und Kammer eine schöne große Küche machen lassen. Während nun die alten Mauern abgerissen wur­den, ließ sich eine schöne Nonne vor ihr sehen mit einem roten Kreuz auf der Stirn. Die dankte der Edelfrau dafür, dass sie die Küche vergrößern lasse, fügte auch hinzu: »Viel reiche Leute haben vor Euch in diesem Schloss gewohnt, doch keiner hat so weit gedacht; dafür sollt ihr auch einen Schatz bekommen, der unaussprech­lich groß ist.«

Die Edelfrau entsetzte sich darüber und sprach: »Behaltet Euren Schatz für Euch. Ich trage kein Begehren zu demselben.«

Da kniff die Nonne sie bunt und blau, dass sie den Schatz nehme, ging ihr vier ganze Wochen lang nach, fuhr mit ihr in die Kirche und Weiterlesen

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 45

Die Bittschriften-Linde in Potsdam

Friedrich II. bewohnte die Eckzimmer im Potsdamer Schloss nach der Teltower Brücke zu, von wo er die Aus­sicht auf die Havel und den Brauhausberg hatte und von seinem Schreibtisch aus vermittelst dreier Spiegel den Lust­garten, die Brücke und die ganze Umgebung des Schlosses übersah. Unter dem Fenster zunächst der Brücke steht eine alte Linde, welche noch jetzt die Bittschriften-Linde genannt wird, weil an ihr diejenigen ihren Standpunkt zu wählen pflegten, welche ein Gesuch in die Hände des Königs zu bringen wünschten. Sah sie der König hier stehen, so schickte er gewöhnlich sogleich Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 87

Der Geist in der Pfarre zu Schweina

Vom letzten römisch-katholischen Pfarrer von Schweina, der sich dann zu Luthers Lehre bekannte, erzählt die Sage, er sei ein so eifriger Bibelleser gewesen, dass er sich selbst im Tode nicht habe von diesem heiligen Buch trennen können. Als er nämlich zum Leid seiner Gemeinde gestorben war, habe sich von seinem Begräbnistag an alle Abende ein helles Licht in seiner Studierstube gezeigt. Als es endlich einige beherzte Männer gewagt hatten, mittelst einer Leiter hinaufzusteigen und durch die Fenster zu blicken, hätten sie ihren alten Pfarrer leibhaftig an seinem Tisch sitzen und in der Bibel lesen sehen.

Darüber aber wären die Schweinaer in so große Bekümmernis und Angst geraten, dass sie sich für schweres Geld einen Jesuiten aus Dermbach geholt haben, der den Geist des verstorbenen Herrn aus der Pfarrei hätte bannen und zur ewigen Ruhe bringen sollen. Dieser habe sich jedoch durch die Faxen des Jesewitters nicht im Geringsten stören lassen und ruhig in seiner geliebten Bibel fortgelesen, bis endlich am dritten Tag der Jesuit seine Ohnmacht gestanden und zu einem letzten Versuch einige gute Freunde des Pfarrers mit sich auf dessen Studierstube genommen hatte. Diesen nun gegenüber habe der Pfarrer in strengen Worten die Erklärung gegeben, dass er sich nimmer von seinem geliebten Kleinod trennen könne und würde.
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