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Mythen & Wirklichkeiten

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 68

Die Wenden bei Lenzen

In der Nähe von Lenzen gegen Mecklenburg zu liegt das Dorf Seedorf, welches auf einem abgelassenen See von niederländischen Kolonisten gegründet sein soll. Daneben ist eine Breite des Flüsschens Löcknitz, die in der Sprache der Leute der Wennsee genannt wird. In diesem soll nach der Sage einstmals ein ganzes Wendenheer seinen Untergang gefunden und der See daher den Namen empfangen haben. Man meint auch, dass es an demselben nicht recht richtig sei; wenigstens sollen sich des Nachts die Geister der Umgekommenen noch dort sehen lassen und, den Kopf unter dem Arm, herumwanken. Wirklich sind auch noch in der neuesten Zeit dort Menschenschädel, die sehr alt waren, von den Fischern aus dem Wasser aufgefischt worden.
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Kreaturen der Finsternis – Der Chupacabra

Die Legende von Esperanza

Weit im Hinterland, umarmt von schroffen Gipfeln und kargem Fels, lag ein Dorf inmitten seines bescheidenen Ackerlandes. Es war eine Welt aus Stein und wenigen, zähen Bäumen, in der die Menschen ein Leben in schlichter Eintracht führten. Sie bestellten den kargen Boden, hüteten ihr Vieh und feierten zur Erntezeit den kargen Segen ihrer Arbeit mit Musik und Speis. Es war eine Gemeinschaft, so eng verwoben wie ein festes Tuch; selten wagte sich jemand über die schützenden Grenzen des Tals hinaus. Sie lebten in tiefer Ehrfurcht vor der Natur, überzeugt, dass jedes Geschöpf seinen rechtmäßigen Platz in der Ordnung der Welt besaß.

Fremde waren selten, doch wenn sie die Pfade ins Dorf fanden, wurden sie mit offenen Armen empfangen – solange sie das ungeschriebene Gesetz des Ortes achteten. Doch mit den Wanderern kam bisweilen auch das Unheil: kleiner Diebstahl oder die Sünde der Wilderei. In solchen Zeiten oblag es dem Rat der Ältesten, über Recht und Unrecht zu richten.

Doch eines Tages erschien ein Wesen in ihrer Mitte, das keinem Gesetz der Natur entsprang. Es war kein gewöhnlicher Reisender. Das Geschöpf erhob sich auf die Hinterbeine, sein Leib war flach wie der einer Echse, der Rücken bewehrt mit Stacheln, die im Weiterlesen

Die Ribbon Society: Ursprung und konfessioneller Konflikt

Die Ribbon Society: Ursprung und konfessioneller Konflikt

Die Ribbon Society war ein katholischer Geheimbund, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts als militantes Gegengewicht zum protestantischen Orange Order entstand. Letzterer hatte seit seiner Gründung im Jahr 1796 in ganz Ulster massiv an Mitgliedern und politischem Einfluss gewonnen. In ihrer Tradition knüpfte die Ribbon Society an die Defenders und Whiteboys an – Gruppierungen, die bereits in früheren Phasen der unruhigen Geschichte Ulsters aktiv gewesen waren.

Das primäre Ziel der Gesellschaft war der Widerstand gegen die prekären Lebensbedingungen der katholischen Pachtbauern und Landarbeiter. Die Ungleichheit jener Ära war tief verwurzelt: Katholiken besaßen kaum Rechte, während skrupellose Grundbesitzer ihre Pächter oft willkürlich und ohne Vorwarnung von Haus und Hof vertrieben. Zudem belastete die Pflicht zur Zahlung von Zehntabgaben an die protestantische Staatskirche die Bevölkerung; eine Institution, von der die Katholiken weder geistlichen Beistand noch Gehör für ihre sozialen Nöte erfuhren.

Zusätzlichen Zündstoff bot eine großangelegte Kampagne zur Konvertierung irischer Katholiken zum Protestantismus – die erste Weiterlesen

Nordische Mythologie – Band 1 – Teil 2

Benjamin Thorpe
Nordische Mythologie, umfassend die wichtigsten Volksüberlieferungen und den Volksglauben Skandinaviens, Norddeutschlands und der Niederlande Zusammengestellt aus Original- und anderen Quellen. In drei Bänden
Band 1
London 1851

Abschnitt I.
Erster Teil

Eine Betrachtung der Mythologie des Nordens beginnt mit der Schöpfung. Am Anfang der Zeit existierte im Norden eine Welt namens Niflheim (Niflheimr), in deren Mitte ein Brunnen namens Hvergelmir lag, aus dem zwölf Flüsse1 entsprangen. Im südlichen Teil gab es eine andere Welt, Muspellheim (Muspellzheimr)2, eine helle und heiße, eine flammende und strahlende Welt, deren Grenze von Surt (Surtr) mit einem flammenden Schwert bewacht wurde.

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Sagen der mittleren Werra 104

Von der Hexe zu Möhra

In Möhra lebte vor noch nicht allzu langer Zeit eine Hexe, die in dem ganzen Dorf gefürchtet war, und der kein Mensch bei Leib und Leben auf eine ihrer Fragen mit Ja oder Nein geantwortet hätte; denn viele hatten deutlich gesehen, wie Hans oft des Nachts als ein mit einem Feuerschein umgebener schwarzer Klumpen durch den Schornstein zu ihr spill (d. h. auf Besuch) gegangen war.

Einmal hatte es jedoch eine junge Bauerntochter versehen, der Gefürchteten gerade mit Ja geantwortet und sich damit in die Gewalt der Hexe gegeben. Da merkte das Mädchen bald, was sie getan hatte, denn sie wurde von Stund an so krank, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte. Dazu kam noch, dass sie während ihrer Krankheit jedes Mal in der dritten Nacht einen barbarischen Hasen zum Spillgast bekam, der sich zu ihr auf das Bett setzte und sie gar gewaltig ängstigte.

Als sie nun dieses ihrem Vater klagte und dieser öffentlich auf die Hexe loszog, wurde ihm noch dazu sein ganzes Vieh im Stall aufstößig, sodass es kein Futter mehr zu sich nehmen konnte.

Ja, bei dem nächsten nächtlichen Besuch fing der Hase sogar zu reden an und sprach: »Ja, ja, mein Liebchen, das wird wohl noch Weiterlesen