Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 64

Das vermauerte Tor von Gransee
In vielen Städten der Mark Brandenburg findet man etwas, das in anderen Ländern nur sehr selten anzutreffen ist. Neben dem gewöhnlichen Stadttor befindet sich nämlich noch ein zweites, zugemauertes Tor. Man muss annehmen, dass dieses das allererste Tor gewesen ist, weil es mit dem Bau der Mauer übereinstimmt, in der es sich befindet, und weil es auch direkt auf die Straße zeigt, während das jetzige offene Tor schräg in die Stadt hineinführt. Welche Bedeutung die zugemauerten Tore hatten und aus welcher Veranlassung sie vermauert wurden, versuchen unsere Geschichtsschreiber vergeblich zu erforschen. Vermauerte Tore dieser Art finden sich namentlich in Kyritz, in Wittstock, in Wusterhausen im Ruppinschen, in Gransee (zwei), in Soldin (drei), in Friedeberg (zwei), in Morin (zwei), in Berlinchen (zwei), in Königsberg (zwei), in Schönfließ (zwei), in Landsberg an der Warthe, in Beerwalde, in Woldenberg, in Bernau, in Fürstenwalde und in Mittenwalde.
Von den beiden Toren in Gransee gibt es zwei verschiedene Sagen. Einige behaupten, es sei einst ein Kaiser durch die Stadt gereist, zu dessen Ehren man die beiden Tore, durch die er gekommen war, zugemauert habe, damit niemand mehr hindurchreisen könne. Andere behaupten hingegen, dass in Gransee früher Wenden gewohnt hätten, die von den einwandernden Deutschen vertrieben worden seien. Nun erachteten die Deutschen die Tore, durch welche die Wenden ausgegangen waren, als unwürdig und ließen sie zumauern. Für sich ließen sie nebenan neue Tore errichten. Dies deckt sich mit der Tatsache, dass in den Dörfern auf dem Land, in denen Deutsche und Wenden zusammen wohnten, die Deutschen die gewöhnlichen Kirchentüren benutzten, dies den Wenden jedoch nicht gestatteten. Diese mussten vielmehr durch eine kleine, besonders angelegte Tür in die Kirche gehen.
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